Fußball: Länderspiel
Remis für DFB-Elf gegen Serbien: Generation Umbruch noch auf der Suche

Wolfsburg -

Der Neuanfang ist - naja: nicht so richtig gelungen, aber daneben gegangen ist der erste Auftritt der verjüngten deutschen Nationalmannschaft im neuen Jahr auch nicht. Gegen Serbien hieß es am Ende 1:1.

Mittwoch, 20.03.2019, 22:38 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 08:06 Uhr
Bayern-Star Leon Goretzka (3.v.r) bejubelt sein Tor zum 1:1 mit seinen Mannschaftskollegen.
Bayern-Star Leon Goretzka (3.v.r) bejubelt sein Tor zum 1:1 mit seinen Mannschaftskollegen. Foto: dpa

Das war er also, der erste Auftritt der „Generation Umbruch“. Nicht weniger als acht Akteure unter 25 Jahren fanden sich in der Startelf wieder, die Bundestrainer Joachim Löw in das erste Länderspiel des Jahres schickte. Der Befreiungsschlag nach dem desaströsen Jahr 2018 mit dem Aus in der WM-Vorrunde fand so nicht statt.

Dieser erste Test, so etwas wie die Blaupause für das erste Qualifikationsspiel zur EM 2020 am Sonntag in Amsterdam gegen die Niederlande, endete mit einem 1:1 (0:1) gegen Serbien. Das 0:1 von Luka Jovic (12.) egalisierte Leon Goretzka (69.) vor 26 101 Zuschauern.

Jovic netzt unbedrängt ein

Debütant Nummer 101 der Ära Löw, Lukas Klostermann, durfte als rechter Teil der Leipziger Abwehrklammer mit Marcel Halstenberg ran. Und nach nicht einmal 50 Sekunden kam er zum Abschluss. Da fragte man sich auf den Rängen noch: Die Nummer 13, der neue Müller, wer ist das eigentlich? Genau, Müller, Thomas, der Aussortierte, fand zumindest auf den Rängen noch ein wenig statt. Mit einem kilometerlangen Transparent am Oberrang bedankte man sich bei Mats (Hummels), Thomas und Jerome (Boateng). Löw hatte die Weltmeister von 2014 vor wenigen Tagen in den Vorruhestand verabschiedet.

Fußball-Testspiel: Deutschland - Serbien

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  • Schreckmoment in der Nachspielzeit: Milan Pavkov (l) tritt Leroy Sané aufs Sprunggelenk. Der deutsche Nationalspieler überstand das Foul glücklicherweise ohne schwerere Verletzung.

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  • Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft stehen vor dem Spiel für das Manschaftsfoto zusammen.

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  • Die serbischen Spieler stehen vor dem Spiel zum Mannschaftsfoto zusammen.

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  • Torwart Manuel Neuer (l.) und Torwart Marc-Andre ter Stegen (r.) aus Deutschland während der Halbzeit.

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  • Deutschlands Lukas Klostermann (l) und Mijat Gacinovic aus Serbien kämpfen um den Ball.

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  • Deutschlands Leroy Sane kniet auf dem Rasen.

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  • Deutschlands Leroy Sane (r) und Uros Spajic aus Serbien kämpfen um den Ball.

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  • Bundestrainer Joachim Löw (r) aus Deutschland und Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic aus Serbien geben Anweisungen.

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  • Deutschlands Lukas Klostermann (l.) und Mijat Gacinovic aus Serbien kämpfen um den Ball.

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  • Luka Jovic (3.v.r) aus Serbien schießt das Tor zum 0:1.

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  • Die Spieler aus Serbien bejubeln den Führungstreffer.

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  • Ilkay Gündogan (r-l) aus Deutschland liegt schmerzverzerrt auf dem Feld, neben ihm gehen Adem Ljajic und Milos Bogosavac aus Serbien.

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  • Deutschlands Kai Havertz (r) und Nemanja Maksimovic aus Serbien kämpfen um den Ball.

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  • Jonathan Tah (M.) aus Deutschland und Sergej Milinkovic-Savic (l) aus Serbien kämpfen um den Ball.

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  • Milos Bogosavac aus Serbien spielt den Ball.

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  • Serbiens Luka Jovic (l.) im Zweikampf mit Deutschlands Jonathan Tah (M.) und Lukas Klostermann.

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  • Deutschlands Kai Havertz spielt den Ball.

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  • Deutschlands Timo Werner im Angriff.

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  • Zweikampf zwischen Deutschlands Kai Havertz (l.) und Nemanja Maksimovic aus Serbien.

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  • Die deutsche Nationalmannschaft vergab beste Chancen. Hier kratzt Nemanja Maksimovic einen Schuss von Ilkay Gündogan auf das leere Tor von der Linie.

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  • Besonders präsent war Leroy Sané in der zweiten Halbzeit.

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  • Der Jungstar von Manchester City zog ein ums andere mal seinen Gegenspielern davon.

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  • Der verdiente Ausgleich: Der eingewechselte Leon Goretzka schoss nach einer Ball-Staffette zum 1:1 ein.

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  • In der Nachspielzeit blieb Leroy Sané nach einem harten Foul in Höhe der Mittellinie verletzt liegen. Milan Pavkov  sah für das Einsteigen die rote Karte.

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Dabei stellte sich durchaus die Frage, ob eine Innenverteidigung mit Hummels und Boateng ähnlich gewackelt hätte, wie deren Nachfolger Niklas Süle und Jonathan Tah gegen das Mittelklassemodell der Weltrangliste aus Serbien. Beim 0:1 verlor die Verteidigung der deutschen Mannschaft Luka Jovic komplett aus den Augen.

Der Stürmerstar von Eintracht Frankfurt köpfte unbedrängt ein, weil zuvor Joshua Kimmich einen Kopfball unglücklich an die Schulter von Nemanja Maksimovic klärte. Serbiens rare Angriffe blieben zudem weiter brandgefährlich, einmal klärte Klostermann (25.) im letzten Moment, dann verpasste Adem Ljajic (41.) das 2:0 aus bester Lage.

Am Ende ein Anfang

Wolfsburg im Krisenmodus. Da passte es gut, dass Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff bei VW die Betriebsversammlung besuchten. Nationalmannschaft wie auch der Automobil-Gigant sind im Update-Modus, Software und Hardware passen nicht mehr, das System hat Fehler. Löw sucht nach neuer Taktik und frischem Personal, VW nach Lösungen im Dieselskandal und dem Betriebsfrieden.

Und der Neuanfang? Das DFB-Team war jünger, etwas wilder als zuletzt, aber auch kaum weniger fehleranfällig. Aufbruch sieht anders aus, vor der Pause war das noch extrem wenig, später deutlich besser, das gibt Hoffnung für Sonntag gegen die Niederlande. Am Ende war es doch ein Anfang. 

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Viel Stückwerk

Und die jungen Wilden des Joachim Löw? Ja, bemüht, gerade Leroy Sane und Julian Brandt versuchten mit der einen oder anderen Einzelaktion, die Gäste zu verwirren. Das war etwas zu hastig, vieles blieb Stückwerk. Die einzig wirklich gelungene Kombination nach 37 Minuten vergab Timo Werner. Das hätte der Ausgleich sein müssen. Mit Pfiffen wurde das Team in die Kabine geschickt. Defensiv instabil, offensiv zu harmlos – da fehlte einiges.

„Jugend forscht“ wurde abgeschwächt, als Marco Reus die Rolle von Kai Havertz übernahm. Der Dortmunder wie auch der eingewechselte Leon Goretzka brachten Leben ins Spiel. Nach knapp einer Stunde entschärfte Torwart Marko Dmitrovic einen Schuss von Reus. Wenig später hatte Leroy Sane (63.) den Ausgleich auf dem Kopf, Sekunden später machte Ilkay Gündogan alles richtig – bis auf den Abschluss, den Maksimovic von der Torlinie kratzte. Der Mittelfelstar von Manchester City trug dabei nach der Pause die Kapitänsbinde, er, der im WM-Jahr nach der „Erdogan-Affäre“ noch schwer in der Kritik stand. Ein Ritterschlag durch Löw für den Ex-Dortmunder.

Das Löw-Team drehte dann doch noch etwas am Temporegler. Leistungssteigerung nennt man das wohl. Reus (75.) verpasste das 2:1 genauso wie Sané (73. und 78.), der in der Nachspielzeit übel von Milan Pavkov gefoult wurde – dafür sah der Serbe zurecht die Rote Karte.

Einzelkritik Deutschland-Serbien

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  • Manuel Neuer: Durfte eine Halbzeit ran, kassierte ein Gegentor, das er nicht verhindern konnte, und machte dann Platz für Marc André ter Stegen. Neuer wird auch am Sonntag im EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden spielen, auch wenn sich eine Mehrheit der Deutschen ter Stegen im Tor wünschen soll. Aber: Neuer ist Löws Kapitän. Er schätzt ihn. Und er will ihn als Ruhepol. Nur Neuer selbst kann dieses Vertrauen erschüttern.

    Foto: Frank Peters (Witters)
  • Marcel Halstenberg: Unglücklich agierte der Leipziger beim Gegentreffer, als er seinen Gegenspieler anköpfte, auch danach noch das ein oder andere Mal auf der linken Seite überlaufen. Er hat sich so überhaupt nicht empfohlen. Nico Schulz und Jonas Hector dürfen aufatmen.

    Foto: Swen Pförtner (dpa)
  • Niklas Süle: Wirkt ob Statur immer etwas behäbig und ist es eher selten, war es aber gestern zur Unzeit, weil es ja eigentlich galt, Hummels und Boateng vergessen zu lassen. Ist ihm nicht gelungen, auf der Tribüne flüsterte mancher, dass das schlechter niemand der Aussortierten hätte gemacht.

    Foto: Christian Charisius (dpa)
  • Jonathan Tah: Wirkte erst nervös, wurde dann aber etwas sicherer, auch weil die Serben zu weniger Entlastung kamen. Tah ist einer von denen, die jetzt schnell wachsen müssen. Lang ist er ja schon, groß kann er noch werden. Auf ihn kommt es an.

    Foto: Frank Peters (Witters)
  • Lukas Klostermann: Erscheint noch etwas unscheinbar und blass, hat aber in der Abwehr vor der Pause ein ziemlich sicheres Gegentor in letzter Sekunde verhindert und vor der Pause einen der wenigen tollen Pässe in die Spitze gespielt. Werner nutzte ihn nicht.

    Foto: Peter Steffen (dpa)
  • Joshua Kimmich: Versuchte sich abklatschend als Aufbauhelfer für junge Kollegen, dabei ist er selbst erst 24. Spielt in der DFB-Elf weiter auf der Sechs und nicht wie beim FC Bayern als Außenverteidiger, weil Löw ihn dort: braucht. Agierte ordentlich, kann es aber noch dominanter.

    Foto: Frank Peters (Witters)
  • Ilkay Gündogan: Schwierig. Gündogan und DFB, da ist viel Luft nach oben. Ist immer gehemmt, bringt trotz herausragender Passqualitäten keine Dynamik ins Spiel, ist oft auch unsichtbar. Durfte dann in der zweiten Halbzeit Kapitän einer Mannschaft sein, die sich noch lange wird suchen müssen. Wie Gündogan sich eben auch. Passte also. Musste das 1:1 machen (65. – im Bild) - es war die beste deutsche Chance.

    Foto: Swen Pförtner (dpa)
  • Kai Havertz: Zur Pause raus, für ihn kam Reus. Bis dahin kaum Signale von dem 19 Jahre alten Hoffnungsträger, diese Hoffnung erfüllen zu können. Havertz kann es eigentlich, aber er hat es in Wolfsburg ziemlich unelegant verhüllt. Aber er ist ja noch jung.

    Foto: Swen Pförtner (dpa)
  • Leroy Sane: in der 35. Minute schoss Sane einen Dropkick zentral vor dem Tor ins Seitenaus. Die kleine Extravaganz aus dem Klamottenfach vom Montag inklusive war es noch kein Neubeginn für den Man City-Star. Wurde aber viel, viel besser, als Reus neben ihm spielte und also nicht mehr so viel Verantwortung auf Sane lastete.

    Foto: Swen Pförtner (dpa)
  • Julian Brandt: Sein Leverkusener Trainer Peter Bosz hat gesagt, Brandt müsse als starker Fußballer oft den Ball haben. Hatte er auch gestern, nur wusste er damit nichts Sinnvolles anzufangen. Spielte zwischen übereifrig und lustlos die ganze Palette ab. Braucht jetzt schnell mal Erfolgserlebnisse in der DFB-Elf.

    Foto: Frank Peters (Witters)
  • Timo Werner: Hübsch schnell unterwegs, aber kein Vollstrecker. Hatte zwei richtig gute Chancen und scheiterte an dem starken Dmitrovic im serbischen Tor. Danach unsichtbar. Das Problem: Wenn Werner nicht der Vollstrecker im Team sein kann, wer bitte dann?

    Foto: Swen Pförtner (dpa)
  • Marco Reus und Leon Goretzka (im Bild): Kamen in der zweiten Halbzeit und waren mit Zielstrebigkeit und Rafinesse die leidlichen Retter eines bis dahin elendigen deutschen Fußball-Abends. Beide hoben das deutsche Niveau deutlich an, das 1:1 fiel nach der Kombination Reus-Goretzka.

    Foto: Tay Duc Lam (Witters)
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