Interview: 70 Jahre 1. FC Gievenbeck
Mit dem Umzug kam der Erfolg

Münster-Gievenbeck -

1949 bis 2019 – 70 Jahre wird der 1. FC Gievenbeck. Jüngst erlebte er turbulente Zeiten, nicht zuletzt die finanzielle Situation bereitete den Verantwortlichen einige Bauchschmerzen.

Freitag, 05.07.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 16:14 Uhr
Blickten anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Vereins in die Vergangenheit und analysierten den aktuellen Status quo: Vorsitzender Jörg Rüsing und Ehrenvorsitzender Alois Lutz (r.).
Blickten anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Vereins in die Vergangenheit und analysierten den aktuellen Status quo: Vorsitzender Jörg Rüsing und Ehrenvorsitzender Alois Lutz (r.). Foto: Kay Böckling

Doch man befindet sich auf dem Weg in ruhigeres Fahrwasser, wie ein Gespräch mit dem aktuellen Vorsitzenden Jörg Rüsing und dem Ehrenvorsitzenden Alois Lutz zeigt. Unser Redakteur Kay Böckling sprach mit den beiden über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

70 Jahre 1. FC Gievenbeck : Herr Lutz, bekommen Sie noch die Vorsitzenden auf die Reihe?

Lutz: In diesen 70 Jahren ist Jörg Rüsing jetzt der fünfte Vorsitzende. Der erste, Josef Adick, ist leider relativ schnell verstorben. Dann kam Fritz Kneuertz. Ihm folgte Peter Demling von 1952 bis 1991 als Vorsitzender – also 39 Jahre. 1991 habe ich den Vorsitz übernommen und das bis 2016.

Der 1. FC Gievenbeck war viele Jahre lang ein Verein ohne richtige Heimat. . .

Lutz: Das ist richtig. Die erste Mannschaft hat vor dem Umzug in den Sportpark im Jahr 1996 auf der Sentruper Höhe gespielt und die Jugendmannschaften am Arnheimweg auf dem Ascheplatz.

Wie ist es dann damals gelungen, wenn man nicht direkt vor Ort präsent war, eine Identifikation mit dem Verein zu schaffen?

Lutz: Nun gut, es waren eigentlich zwei von einander getrennte Vereine. Da war der Jugendbereich, der damals viel viel kleiner war als heute und der spielte am Arnheimweg. Vereinslokal war „Bi Söfken“. Die erste Mannschaft spielte wie gesagt in Sentrup. Das war schon nicht ganz einfach.

Rüsing: Ich kann da aus eigener Erfahrung berichten Als ich nach Münster kam – davor hatte ich schon im Ruhrgebiet gespielt – und nach Gievenbeck zog, war ich auf der Suche nach einem Fußballverein. Ich hörte, dass es einen solchen in Gievenbeck gab und habe rumgefragt. Und in der Tat konnte mir erste der fünfte Gefragte den Tipp mit der Sentruper Höhe gegeben. Aber hier in Gievenbeck wussten es die Wenigsten, eben weil wir keine Heimat hatten.

Irgendwann hatte der FCG dann seine Heimat im Sportpark. Wie viele Jahre dauerte es vom Wunsch bis zur Realisierung?

Lutz: Der Wunsch war in den 80er-Jahren schon da. Peter Demling war da die treibende Kraft. Die ersten politischen Beschlüsse wurden 1992 gefasst, die Entscheidung fällte der Rat 1993. Baubeginn war im Mai 1994.

Gab es mit dem Umzug an den Gievenbecker Weg einen Mitglieder-Boom?

Lutz: Zunächst waren wir ja eigentlich ein reiner Breitensportverein. Mit der Anlage wurden wir aber auch interessant für bessere Spieler. Zudem wurden es immer mehr Jugendmannschaften. Das hing auch damit zusammen, dass Gievenbeck extrem gewachsen ist.

FC Gievenbeck , das heißt mittlerweile nicht nur erfolgreicher Fußball, sondern auch überaus erfolgreiches Tischtennis. . .

Lutz: Die Abteilung wurde in den 70er-Jahren durch ehemalige Fußballer ins Leben gerufen. Aber erst durch den Bau der neuen Halle ist sie richtig groß geworden. Mittlerweile ist die Gievenbecker Halle ja fast schon zu einem Leistungszentrum geworden. Die Jugend ist im vergangenen Jahr Deutscher Meister geworden, drei Jahre in Folge spielte sie im Finale. Die Abteilung ist mit Peter Luthardt gewachsen. Der 1. FC Gievenbeck ist mittlerweile so interessant für auswärtige Spieler, dass ein Spieler von Borussia Düsseldorf zu uns kommt.

Eine Zäsur gab es 2016, als Sie, Alois Lutz, und Ihr Vorstandsteam durch eine neue Mannschaft ersetzt wurden. Der neue Vorstand hatte es in den vergangenen drei Jahren nicht leicht. Was lief schief, Herr Rüsing?

Rüsing: Wir hatten eigentlich einen großen Kreis von bis zu 20 Personen, die anpacken wollten. Dass die große Mehrheit dann abgetaucht ist, damit hätte ich nicht gerechnet. Unter den Voraussetzungen hätte ich mich wahrscheinlich nicht so leicht auf diese Aufgabe eingelassen.

Womit wir beim erneuten Neuanfang angekommen sind. Dabei stellt sich die zwingende Frage, wie sich ein Verein, der finanziell angeschlagen ist, einen hauptamtlichen Geschäftsführer leisten kann. . .

Rüsing: Über Zahlen werden wir hier nicht reden. Aber: Wir hatten in den vergangenen Jahren ja schon einen Etatposten für eine hauptamtliche Geschäftsstellen-Besetzung.

Das macht aber noch keinen hauptamtlichen Geschäftsführer aus. . .

Rüsing: Ein Geschäftsführer kann einen Verein wie den FCG weiterentwickeln. Das Potenzial kann man aber nur abrufen, wenn man die Strukturen ändert. Und die Schlüsselposition, um Strukturen zu verändern, ist die Geschäftsstelle, denn da läuft alles zusammen. Und dort brauchen wir einen Entscheider, einen Geschäftsführer. Wir hoffen, dass die Strukturveränderung uns zusätzliches finanzielles Potenzial bringt.

Einige befürchten eine Beitragserhöhung. . .

Rüsing: Das haben wir überhaupt nicht auf dem Schirm. Das ist zurzeit kein Thema bei uns.

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