Boxen: Deutsche Meisterschaften in Berlin
Vatanparast: „Die unglücklichen Hände“ bei der DM in Berlin

Münster -

Silber und Bronze für Athleten aus Münster: Diese durchwachsene Bilanz zieht Delegationsleiter Farid Vatanparast im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Alexander Heflik

Dienstag, 06.08.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 14:26 Uhr
Harter Kampf: Tarik Ibrahim (rechts) verlor umstritten gegen Omar el Hag.
Harter Kampf: Tarik Ibrahim (rechts) verlor umstritten gegen Omar el Hag. Foto: imagoimages/Andreas Gora

Silber und Bronze bei den Deutschen Meisterschaften im Boxen im Rahmen der Finals 2019 in Berlin für die sieben Starter aus Münster. Was sich auf den ersten Blick ganz gut anfühlt, war für Cheftrainer Farid Vatanparast eine eher durchwachsene Bilanz. Mit dem Delegationsleiter für Nordrhein-Westfalen sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik.

Sechs Aktive aus dem Boxzentrum, Tarik Ibrahim für den BC Münster 23 bei der DM im Einsatz – wie fällt Ihre Bilanz aus?

Farid Vatanparast: Man kann sagen, wir hatten unglückliche Hände in diesem Jahr. Ich war fest davon überzeugt, mit mindestens einem DM-Titel nach Münster zurückzukommen. Patrick Walfort war in Topform, er hätte alle im Schwergewicht schlagen können.

Für Außenstehende ist die Niederlage von Walfort schwer zu verstehen, er hat fünf Mal seinen Mundschutz verloren und wurde in der dritten Runde disqualifiziert. Warum?

Vatanparast: Er hatte die erste Runde klar gewonnen, doch schon da verlor er zweimal seinen Mundschutz. In der zweiten Runde bekam er einen Punktabzug, weil er zum dritten Mal den Mundschutz verlor. In der dritten Runde war er klar vorn, er musste nach dem Punktabzug diese Runde gewinnen. Aber der Ringrichter musste ihn dann auch disqualifizieren, als dann zum fünften Mal der Mundschutz auf dem Boden lag.

Wie kann das passieren?

Vatanparast: Seit einem Jahr hat er mit diesem Mundschutz trainiert, nie ist etwas passiert. Unsere Athleten bestreiten sogar das Aufwärmprogramm mit Mundschutz, damit sie diesen wie ein angewachsenes Sportinstrument wahrnehmen. Uns ist das unerklärlich, vielleicht ist sein Kiefer nach einem Schlag verrutscht. Wie wissen es nicht. Patrick hat versucht, sich auf seine Taktik zu konzentrieren und im Kampf dann zu wenig auf dieses Problem geachtet. Hört sich doof an, aber er hätte auf die Zähne beißen müssen.

Sechs Kämpfer aus dem Boxzentrum, aber nur eine Bronzemedaille – sind Sie sehr enttäuscht?

Vatanparast: Zalgaj Lagh­mani und Patrick Walfort waren für mich klare Finalkandidaten, immerhin erreichte Zalgaj das Halbfinale. Darius Lasotta ist sehr jung, er konnte im Superschwergewicht seine Leistung nicht abrufen, er hat Lehrgeld bezahlt. Auch Naziri Piraki hat bessere Leistungen im Training gezeigt, seine Vorstellung war enttäuschend. Für Hidayet Ünal mit 18 Jahren war es wichtig, überhaupt bei so einer Veranstaltung zu starten, für ihn war das wichtig, dabei zu sein.

Die einzige Frau, Dilara Gökalan, scheitert gleich in der ersten Runde. Wieso?

Vatanparast: Dilara hat in der Klasse bis 60 kg dieses Jahr einen großen Sprung gemacht, zuletzt vier tolle Siege erreicht. Vielleicht hatte sie einfach Lospech, nach sechs Stunden Anreise musste sie praktisch sofort in den Ring und war nach einer guten ersten Runde sofort platt. Vielleicht ist das die Erklärung.

Hätten Sie nicht einen Tag früher anreisen sollen?

Vatanparast: Dilara ist Kaderathletin, eigentlich boxen die nie am ersten Tag. Das war ein seltener Zufall. Aber sicher, einen Tag früher anzureisen wäre besser gewesen. Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio muss sie streichen. Nur ein Titelgewinn hätte ihr da weitergeholfen. Sie wird jetzt weiter aufgebaut, ihre Chancen werden noch kommen.

Tarik Ibrahim soll umstritten verloren haben im Finale des Federgewichts – gegen einen Lokalmatador. War das so, ein Fehlurteil?

Vatanparast: Für mich hat er die erste und dritte Runde klar gewonnen, die zweite nicht, diesen Kampf hat er nicht verloren. Ob es Heimvorteil war oder die Ringrichter einfach alles anders gesehen haben, das kann ich nicht beurteilen. Man kann nicht von ganz großen Fehlurteilen sprechen, wie man sie schon bei Olympischen Spielen gesehen hat. Manche Kämpfe waren knapp, die Entscheidungen sind von den Verlierern schwer zu akzeptieren, so ist es halt.

Sie waren NRW-Delegationsleiter. Wie schnitten die anderen ab?

Vatanparast: Christian Goman im Fliegengewicht und Stefanie van Berge im Leichtgewicht holten Titel, sie kämpfen für Köln. Wichtig war auch, dass die früher so oft vorkommenden Querelen zwischen Westfalen, Niederrhein und Rheinland nicht zu spüren waren. Wir sind vorangekommen.

Wie fanden Sie die sportlich Qualität der DM?

Vatanparast: Das Deutsche Boxen ist auf dem Weg in die Weltspitze. Gerade bei den Frauen waren das die Finals zwischen Azize Nimani und Ursula Gottlob sowie Sarah Scheurich und Irina Schönberger bereits. Zudem muss man sagen, dass bei den Männern die Elite gar nicht bei der DM mit dabei war, sie bereiten sich bei einem Kaderlehrgang in Österreich vor. Das alles macht Hoffnung für Olympia in Japan 2020. Wir werden eine starke Riege entsenden.

Sie haben die Verbandarbeit gelobt. Jetzt tritt DBV-Chef Jürgen Kyas, der Lengericher, zurück. Werden Sie sein Nachfolger?

Vatanparast: Erst einmal muss man sagen, dass der nationale Verband finanziell gesundet ist. Auch dass einige Finals im TV gezeigt wurden, war enorm wichtig für unseren Sport. Es ist schon Ewigkeiten her mit Fernsehübertragungen von Deutschen Meisterschaften. Das ist auch ein Verdienst des aktuellen Präsidiums. Und sagen wir es so, ich bin sehr vertraut mit Jürgen Kyas, und es wird ein Interimspräsident benötigt. Aber ich habe so viele Ehrenämter und meine Arbeit an der Hochschule sowie die Trainerarbeit, dass ich das als DBV-Präsident aktuell nicht leisten könnte. Was in drei oder vier Jahren ist, weiß ich nicht. Außerdem wird im September ein neuer Verbandschef für Nordrhein-Westfalen gesucht, dafür bin ich zuletzt angesprochen worden. Ich denke darüber nach, mich zur Wahl zu stellen. Der Verbandstag findet im Übrigen Ende September in Münster statt.

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