Fußball: Bundesliga
BVB gegen Bayer – Favre und Bosz unter besonderer Beobachtung

Dortmund -

Das Aufeinandertreffen zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen ist auch das von Lucien Favre und Peter Bosz. Der eine ist aktuller BVB-Coach, der andere scheiterte auf diesem Posten vor zwei Jahren trotz eines Superstarts. Beide müssen sich immer wieder beweisen. Ein Vergleich.

Freitag, 13.09.2019, 10:40 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 11:34 Uhr
Peter Bosz
Peter Bosz

 Eigentlich hatte Borussia Dortmund gar nicht vor, den Fußball-Trainer Peter Bosz zu verpflichten. Als es im Sommer 2017 galt, das Feld nach der teuren Trennung vom als Querdenker und Quälgeist beschriebenen und deshalb in Ungnade gefallenen Thomas Tuchel neu zu bestellen, war Lucien Favre die erste Wahl beim ambitionierten Bundesligisten. Doch der Deal scheiterte an der vertraglichen Bindung des Schweizers an den französischen Erstligisten OGC Nizza. Erst als auch die letzten Versuche, Favre loszueisen, fehlschlugen, war der Weg frei für Bosz. Gut zwei Jahre danach haben sich diese Personalien komplett überholt. Favre wurde im ­Juli 2018 dann doch Coach im Revier. Bosz, der in Dortmund nur ein kurzes Glück fand und noch während der Hinrunde gefeuert wurde, heuerte im Januar 2019 beim NRW-Konkurrenten Bayer Leverkusen an. An diesem Samstag kommt es zum direkten Duell.

Es würde weder Dortmund noch Bosz gerecht, die Übereinkunft vor zwei Jahren als Lösung in Not zu bewerten. Der Niederländer war mit Ajax Amsterdam gerade eindrucksvoll durch die Europa League gestürmt und hatte sich für große Auf­gaben in Position gebracht. Der BVB passte vom Format, zunächst lief auch alles in die richtige Richtung. Doch als die Konkurrenten die Schwächen des Dortmunder Konfetti-Fußballs aufdeckten und sich diese gnadenlos zunutze machten, stürzte der Bundesliga-Tabellenführer binnen acht Wochen um sieben Plätze ab. Eine erschütternde Champions-League-Bilanz trug mit dazu bei, dass Bosz noch vor Weihnachten 2017 entlassen wurde. Der Niederländer versagte als Krisenmanager. Er hatte keine taktischen Antworten, als sein Plan A (totale Offensive) entschlüsselt war. Bemerkenswert: Auch in Schmerz und Frust blieben sich Clubführung und Trainer sympathisch. Das Scheitern auf dem Platz lud sich Bosz auf die Schultern. „Ich bin der Trainer und damit endverantwortlich“, sagte er beim Abschied.

Seit Juli 2018 trägt Favre in Dortmund die Verantwortung. Er ist 61 und somit sechs Jahre älter als Bosz. Als Trainer haben beide noch keinen großen Titel gewonnen. Und so mag es Favre, der 1983 als Spieler Schweizer Meister mit Servette Genf war, bestürzt haben, dass der BVB genau dies nun von ihm fordert. Der Umgang mit der forschen Zielausrichtung fällt dem introvertierten Schweizer jedenfalls sichtbar schwer. Für ihn ist das Glas – und dies ist keine flüchtige Einschätzung – sehr oft halbleer, es mangelt ihm an mitreißender Überzeugungskraft.

Dortmund ist Favres dritte und vielleicht letzte Station in der Bundesliga. Bosz erlebt bei Bayer die zweite. Das erste halbe Jahr als Nachfolger von Heiko Herrlich war gut: Platz vier, Qualifikation für die Champions League, sauber. Aber kein Grund, ihm nun gleich einen Lorbeerkranz zu binden. Vielleicht gibt es einen bei dauerhaftem Erfolg. Nichts anderes wird von ihm erwartet. Bosz hat zu liefern im unmittelbaren Schatten von den Bayern, Dortmund und Leipzig. Dies weiß er seit seiner Einstellung. Damals sagte er: „Der zweite Schuss muss sitzen.“

Der Satz impliziert, dass der erste nicht saß. Es ist ein Stück später Selbstkritik. Beim BVB stolperte Bosz auch über seinen Starrsinn. Als sich die Dinge wendeten, auf großen Erfolg dramatischer Misserfolg folgte und das Selbstvertrauen der Spieler gegen null steuerte, hielt der Coach stur an seinen taktischen Forderungen fest. Das war abenteuerlich bis selbstmörderisch, tatsächlich benötigten Punktediebe nur das kleine Besteck, um den Fußball-Park auszuräumen.

Nun arbeitet Bosz in Leverkusen. Die Fehler von Dortmund dürfe er dort nicht mehr machen, hat er im Januar gesagt – ohne konkret zu werden. An alter Arbeitsstätte steht er an diesem Samstag unter besonderer Beobachtung. Dies gilt auch für den Kollegen Favre, der sich noch immer nicht zum großen BVB-Ziel bekennt. Er sollte es schleunigst tun und den Glauben daran aktiv vorleben. Ein Hasenfuß ist noch nie Deutscher Meister geworden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6923509?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F3814580%2F
Frau bei Verkehrsunfall gestorben
(Symbolfoto) 
Nachrichten-Ticker