Schwimmen: SGS Münster
Schwere Kritik an Plänen und Gutachten für die Coburg

Münster -

Für die SGS Münster hätte der Ausbau des Coburg-Freibades ein großer Schlag werden können: Die 50-Meter-Wettkampfbahn wäre ein Meilenstein für die Trainingsarbeit der Startgemeinschaft Schwimmen gewesen. nach einem Gutachten der Stadtverwaltung ist das Projekt nun anscheinend in weite ferne gerückt. Sehr zum Ärger des neuen Vorstandes.

Dienstag, 19.11.2019, 16:14 Uhr
Das Stadtbad Mitte ist
Das Stadtbad Mitte ist Foto: Peter Leßmann

Das vermeintliche Aus für die Überdachung der Coburg traf die SGS (Startgemeinschaft Schwimmen) Münster ins Mark. „In Schockstarre“ befänden sich die Schwimmer, schilderte SGS-Vorsitzender Markus Schnermann . Verärgert über die Reaktionen nach einem von der Stadtverwaltung vorgelegten Gutachten zeigten sich auch der Sportliche Leiter der SGS, Hans-Martin Botz sowie Eva Gerling: „So etwas kann jedes Dorf“, ereiferte sich die für Finanzen zuständige Gerding.

Hintergrund: Seit Jahren wird diskutiert, das Freibad an der Grevener Straße mit einer Traglufthalle zu überdachen und damit unter anderem den Leistungssportlern bessere Trainingsmöglichkeiten auf der 50-Meter-Bahn zu bieten. Nachdem die Verwaltung den Ratspolitikern die Ergebnisse ihrer Prüfung („viel zu klimaschädlich“) vorgestellt hat, haben die Fraktionen von Grünen und SPD im Rat den Daumen für das Vorhaben gesenkt. In der CDU-Fraktion sei die Tendenz ebenfalls nicht positiv. „Unter Klimaschutzaspekten ist das nicht darstellbar“, sagt der sportpolitische Sprecher der Grünen im Rat, Klaus Rosenau, dieser Zeitung. Gerade die Grünen hatten das Projekt, dem nun das Aus droht, lange unterstützt. „In Gladbeck, Bochum, Senden hat es funktioniert, nur in Münster nicht“, ereiferte sich Schnermann und ergänzte: „Bäder sind nie klimaneutral zu betreiben.“

Dem neuen SGS-Vorstand geht es natürlich um erweiterte Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten auf den „langen“ Bahnen, aber nicht nur: „Schwimmen zu lernen ist fast ein Grundrecht“, sagte Schnermann und angesichts des Bevölkerungswachstums in der Stadt sei „mehr Trainingsfläche“ immens wichtig – nicht nur für die SGS.

Die trifft das vermeintliche Aus des Coburg-Ausbaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach kurzer Stagnation in den älteren Jahrgängen vermittelt die SGS (bestehend aus TuS Hiltrup, SV Münster 91 und TSV Handorf) neue Stärken. „Wir haben eine sehr, sehr starke Jahrgangsstruktur und werden im kommenden Jahr sicherlich mit 15 bis 20 Athleten zu den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften fahren können“, betonte Botz, der auch den münsterischen Landesleistungsstützpunkt des NRW-Schwimmverbandes leitet. Auch die Bundesliga scheut Botz nicht zu erwähnen – zurzeit sind die münsterischen Damen- und Herren-Riegen in den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften Zweitligisten.

Die neuen SGS-Vorständler sehen die Startgemeinschaft ohnehin gut aufgestellt, den 20-köpfigen Trainerstab unter „Chef“ Jens Okunneck ambitioniert und die Athleten sehr talentiert: „Ein bis zwei Riegen sollten schon ins Bundesfinale kommen, bei den Deutschen und Deutschen Jahrgangsmeisterschaften sollen auch die offenen Klassen mit Münsteranern besetzt werden.“ Angesichts der Talentfülle seien diese Ziele keineswegs utopisch, sagt Botz, der selbst einmal nur knapp die Olympia-Teilnahme (1988 in Seoul) über 200 Meter Schmetterling und 400 Meter Lagen verpasst habe.

Altbekannte Probleme bleiben: Der Status als Landesleistungsstützpunkt wird demnächst für den folgenden Olympia-Zyklus vergeben. Ist Münster (trotz fehlender überdachter 50-Meter-Bahn) dabei? Und: Können die Athleten, wenn sie ein national relevantes Niveau erreicht haben, in Münster gehalten werden? In „Schockstarre“, das wissen und das vermitteln die drei neuen Vorständler, werden die Probleme allerdings nicht gelöst.

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