Fußball: EM-Qualifikation
5G für Deutschland gegen Nordirland – mit Gnabry und Goretzka

Frankfurt -

Das war mal eine Demonstration der deutschen Nationalmannschaft. 6:1 gegen Nordirland zum Ende der EM-Quali, damit Erster der Gruppe C und plötzlich scheinbar in Top-Form. Heraus stachen Serge Gnabry mit drei und Leon Goretzka mit zwei Toren. Das war quasi flächendeckendes 5G.

Dienstag, 19.11.2019, 23:06 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 16:17 Uhr
Die Haupttorschützen klatschen inmitten ihrer Kollegen: Leon Goretzka (l.) und Serge
Die Haupttorschützen klatschen inmitten ihrer Kollegen: Leon Goretzka (l.) und Serge Foto: Uwe Anspach/dpa

Große Gefühle? Echte Gefühle? Nun gut, soweit sollte man nach diesem fest eingeplanten Heimsieg nicht gehen. Doch zumindest nahm die deutsche Nationalelf das von Bundestrainer Joachim Löw erwünschte „gute Gefühl“ mit in die folgende Länderspielpause sowie das Wissen, mit Serge Gnabry wieder einen Spieler für die gewissen Momente in den eigenen Reihen zu haben. Der 6:1 (2:1)-Erfolg über Nordirland rundete nicht nur das zehnteilige Länderspieljahr ab, sondern bescherte den Löw-Schützlingen auch den ersten Platz in der EM-Qualifikation der Gruppe C – vor den Niederlanden, denen der prestigeträchtige Hüpfer auf Rang eins dieser Vorrunde somit verwehrt blieb.

Auch ein früher 0:1-Rückstand durch Michael Smith (7.) warf die DFB-Auswahl nicht aus der Bahn. Wer sonst als „Wonderboy“ Serge Gnabry (19., 47. und 60.) drehte gemeinsam Bayern-Teamkollege Leon Goretzka (43. und 73.) die Begegnung? Das war bei 77 Prozent Ballbesitz auch erwartbar, oder?

Da prallten zwei Fußballwelten aufeinander, der Weltranglisten-16. aus Deutschland erfüllte die Rollenvorgabe gegen die auf Platz 34 positionierten Kicker von der grünen Insel ohne Wenn und Aber.

Nun gut, das Fußballjahr ganz im Zeichen des Umbruchs der deutschen Nationalelf, ist geschafft. Gar nicht mal so schlecht ist es gelaufen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Es war das zehnte Länderspiel, nur die Heimpartie gegen Holland (2:4) wurde verloren, zwei Partien endeten ohne Sieger.

Die Bilanz passte zum ambitionierten Neuanfang, der natürlich nicht am Nullpunkt begann, die große Euphorie brach dementsprechend (noch) nicht aus. „Die Mannschaft“, wie der DFB die Nationalelf als Nonplusultra zu stilisieren versuchte, machte ihr Zeug. Die Pflichtaufgaben – wie gegen Nordirland – löste der vierfache Weltmeister im Zuge der Generalüberholung ohne Fehl und Tadel. Ab und an blitzte übers Jahr auch so etwas wie exzellente Klasse in Halbzeiten gegen die Niederlande oder Argentinien auf, Schwächephasen waren aber auch unübersehbar. Es gibt noch was zu tun. Vor allem in der Abwehr wird Löw seine Top-Lösungen noch finden müssen.

Vom früher sonst üblichen Status eines Favoriten für die kontinentalen Titelkämpfe im nächsten Jahr, diesem Roadtrip durch zwölf Länder mit Ziel in Wembley am 12. Juli, ist die DFB-Auswahl noch ein Stück entfernt, für die Prinzenrolle des Geheimfavoriten reicht das vielleicht schon eher, weil mit Gnabry ein Superstar in spe bereitsteht. Dass die 13. Qualifikation in Serie selbstverständlich war, keine Frage, erwartbar selbst von einer kriselnden Fußballnation wie Deutschland.

Kurz vor 21 Uhr schien dabei der Gruppensieg in weite Ferne gerückt, als Routinier Toni Kroos eine Kopfballvorlage für die nordirische Führung produzierte. Michael Smith traf und verhagelte dem Neuer-Vertreter Marc-Andre ter Stegen die „Nullnummer“. 0:1 – das hörte sich noch nicht gut an. Auf den Rängen hatten einige Tausend Nordiren längst das Kommando übernommen, einem makellosen „Spirit in the Sky“-Chorgesang im Sinne von T. Rex konnte eine deutsche Blaskapelle nur beinahe niederländische Fußball-Folkore entgegenhalten. Auf dem Rasen sah das ganz anders aus.

Gegen biedere Nordiren waren die deutschen Treffer nur eine Frage der Zeit. An diesem Abend hatte Deutschland bereits flächendeckend 5G. Ein „B“ mischte sich ganz zum Schluss auch noch ein. Julian Brandt markierte den Endstand (90.+3). Gnabry markierte mit einem tollen Drehschuss früh den Ausgleich, kurz vor der Pause stocherte Goretzka den Ball über die Linie. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ja, dieser Gnabry ließ nicht locker und drehte seine Kreise. Gemeinsam mit dem verletzten Leroy Sane dürfte er die DFB-Offensive der Zukunft dominieren. Und das ist etwas, was sich gut anfühlt. Schon heute.

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