Volleyball: Bundesliga Frauen
Das System des USC Münster ist noch störungsanfällig

Münster -

Der Rückschlag kam unerwartet und hat gesessen. Die 1:3-Niederlage gegen SW Erfurt offenbarte schonungslos, dass der USC Münster noch nicht so stabil ist, wie es die drei Siege zum Start der Rückrunde hatten vermuten lassen. Dabei spielten gegen den Tabellenvorletzten aus Thüringen auch der Druck und die Erwartungshaltung eine Rolle.

Donnerstag, 30.01.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 15:00 Uhr
Alles andere als zufrieden war USC-Trainer Teun Buijs mit seinen Schützlingen um Taylor Nelson (v.) und Demi Korevaar, die beim 1:3 gegen Erfurt um Sabrina Krause (l.v.) und Barbara Dapic einen gebrauchten Tag erwischt hatten.
Alles andere als zufrieden war USC-Trainer Teun Buijs mit seinen Schützlingen um Taylor Nelson (v.) und Demi Korevaar, die beim 1:3 gegen Erfurt um Sabrina Krause (l.v.) und Barbara Dapic einen gebrauchten Tag erwischt hatten. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Start in das neue Jahr und in die Rückrunde verlief verheißungsvoll. Drei Siege, darunter beim deutschen Meister Allianz MTV Stuttgart, weckten Hoffnungen auf einen starken zweiten Saisonteil. Doch diese haben am Mittwochabend, fast wie aus dem Nichts, einen dicken Dämpfer erhalten. Gegen den Tabellenvorletzten SW Erfurt , der bis dahin erst überschaubare vier Zähler bei einem Sieg auf der Habenseite hatte, kassierte der USC Münster eine 1:3-Niederlage, die schonungslos aufdeckte, wie störungsanfällig das grün-weiße System noch ist.

Zögernd und zaudernd traten die Unabhängigen gegen den Gast aus Thüringen auf, der mutig und frech aufspielte, aber kein übermächtiger Gegner war. Schließlich hatte Münster trotz einer unterdurchschnittlichen Leistung noch bei vier Satzbällen die Chance, den Tiebreak zu erreichen. Doch symptomatisch für diesen gebrauchten Abend war, dass sich die Schützlinge von Teun Buijs in der Endphase der Partie selbst um die Möglichkeit brachten, zumindest einen oder dann sogar zwei Zähler zu retten. Lina Alsmeier versemmelte beim Stand von 26:25 einen Aufschlag, im Ballwechsel zum Erfurter Matchball berührte der USC-Block das Netz. Bezeichnend. „Wir haben in jedem Satz fünf bis sechs unnötige Fehler gemacht“, monierte Buijs.

Diese Unzulänglichkeiten zogen sich durch das komplette Repertoire der Unabhängigen: Im Zuspiel fand Taylor Nelson nicht ihren Rhythmus, die Aktionen in Annahme und Abwehr waren oft unglücklich, dazu war von dem zuletzt aufgebauten Selbstvertrauen bei den teils zaghaften Angriffsversuchen nicht mehr viel zu sehen. „Uns hat die Lockerheit gefehlt, wir waren zu angespannt. Und dann kam die Angst vor Fehlern dazu. Dann bist du nicht frei“, sagte Buijs. Die Verunsicherung griff epidemisch um sich, die Sicherheit, die Münster beim klaren und souveränen 3:0-Erfolg am vergangenen Samstag beim Schlusslicht VfB Suhl an den Tag gelegt hatte, war spurlos verschwunden.

Bleibt die Frage, warum Münsters Gebilde wieder zu fragil war und letztlich zusammenbrach. War es das Gefühl, nach drei Siegen etwas weniger gegen Erfurt investieren zu müssen? Oder war es die Drucksituation, die der USC als Favorit gegen den Tabellenvorletzten verspürte? „Vielleicht hatten wir etwas zu viel Druck. Aber den hatten wir ja in Suhl, und da haben wir gut gespielt“, sagte Mittelblockerin Demi Korevaar, die Erfurt als Gegner, den „wir schlagen sollten“, einstufte.

Mit der Niederlage gegen die Schwarz-Weißen hat der USC seine Bonuspunkte aus dem Stuttgart-Sieg direkt wieder hergeschenkt und die Chance vertan, sich weiter an das Mittelfeld heranzurobben. Bei 17 Zählern bleibt Münster stehen, Nawaro Straubing hat zwei und die Roten Raben Vilsbiburg fünf Punkte mehr – und das bei einem Spiel weniger. Es scheint, als hätten die Unabhängigen den achten Rang zementiert, allerdings darf bei dem anstehenden happigen Programm (auswärts in Vilsbiburg und Dresden, dazwischen kommt Schwerin) der VC Wiesbaden auf Rang neun nicht außer Acht gelassen werden. „Aber nur weil wir jetzt ein Spiel gegen Erfurt verloren haben, heißt das nicht, dass wir jetzt unsere Spiele verlieren werden. Das hat nichts zu sagen, wir arbeiten weiter an uns“, sagte Libera Linda Bock, Münsters Beste gegen Erfurt.

Und dass der USC überraschen kann, hat er zu Jahresbeginn bewiesen. Allerdings weiß man seit Mittwoch auch: in beide Richtungen.

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