Leichtathletik: Bestzeit um vier Minuten auf 2:23,03 Stunden gedrückt
Der perfekte Marathon des David Schönherr

Münster -

Ein Phänomen, dieser David Schönherr. Sein Marathon-Lauf in Sevilla war so nicht geplant. Nur ein Trainingslauf stand auf der Agenda. Dann absolvierte er die 42,195 Kilometer in 2:23,03 Stunden – nie war der 30-Jährige schneller unterwegs.

Dienstag, 25.02.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 16:58 Uhr
Nicht nur auf heimischem Pflaster schnell: David Schönherr, der in Sevilla den Marathon in 2:23,03 Stunden absolvierte.
Nicht nur auf heimischem Pflaster schnell: David Schönherr, der in Sevilla den Marathon in 2:23,03 Stunden absolvierte. Foto: Jürgen Peperhowe

Geplant war davon eigentlich nichts. Eigentlich wollte David Schönherr unter der Sonne Andalusiens praktisch nur einen Trainingslauf unter Wettkampf-Bedingungen bestreiten. Er, der am 28. März bei den Deutschen Meisterschaften über 100 Kilometer starten wird. Ja genau. Das entspricht ungefähr einem Lauf von Münster nach Marl und wieder zurück. Nur das kommt erst im März.

Am Sonntag fand sich Schönherr an der Startlinie beim Zurich Maratón de Sevilla wieder. Nun ist die Stadt wirklich eine Reise wert. Ein Spaziergang durch die Altstadt und Besichtigung des Alcázar, des königlichen Palastes, der Schauplatz von vielen Hollywood-Filmen war und auch bei „Game of Thrones“ eine Rolle spielt, drängen sich auf. Oder man macht eine Radtour zum Expo-Gelände, an bestimmten Tagen lohnt sich auch der Besuch von Betis Sevilla bei einem Heimspiel der La Liga im Estadio Benito Villamarin – Vorsicht, die Tribünenkarte über die Vermittlung des Fremdenverkehrsvereins kostet rund 120 Euro. Die Arena ist dabei eine Fußball-Ruine . . .

All das spielte für Schönherr eine untergeordnete Rolle, der seinen Familien-Urlaub, gepaart mit einem harten Trainingsprogramm, in Spanien verbrachte. Der Marathon von Sevilla kam ihm gerade recht. Sein überwältigendes Fazit: „Das war der beste Marathon meines Lebens. Ich bin ohne Druck in das Rennen reingegangen und 42 Kilometer locker geblieben.“ Nach 2:23,03 Stunden blieb die Uhr stehen. Und: „Meine persönliche Bestzeit habe ich um fast vier Minuten verbessert.“ Ein Quantensprung.

Schönherr wäre nicht Schönherr, wenn das nicht eine weitere Motivation wäre. Klar, die DM über 100 Kilometer steht an, aber nun lockt die nächste Schallmauer: „sub 2:20“, unter 2:20 Stunden einen Marathon laufen. Schon mit der aktuellen Zeit dürfte sich Schönherr am Ende des Jahres bundesweit unter den Top 20 einordnen.

Rosenmontag verbrachte der Aktive von LSF Münster im Ruhemodus in Spanien. Noch stehen neun Urlaubstage auf dem Programm, nach drei, vier Tagen Ruhe nimmt er wieder das Training auf. Mit dem Wissen, dass in Sevilla alles top gelaufen ist. Er sei ohne großen Plan in das Rennen gegangen, die ersten fünf Kilometer etwas verhalten angegangen. „Aber dann habe ich die Spitzengruppe des Frauenfeldes gesehen und die 200-Meter-Lücke geschlossen.“ Am Ende gewann Juliet Chekwel aus Uganda in 2:23,13 Stunden. Für Schönherr war es genau die richtige Gruppe. Durchschnittlich 17 Minuten benötigte die Laufgemeinschaft in Sevilla, und zwar für die Fünf-Kilometer-Abschnitte. Und das achtmal hintereinander.

Schönherr war happy, von nichts hatte er sich aus der Ruhe bringen lassen. Die Autopanne vor dem Rennen auf der Autostrada warf ihn genauso wenig aus der Bahn wie die schon windigen Bedingungen. Am Ende gewann Mekuant Ayenew Gebre in 2:04,46 Stunden das Rennen, Hendrik Pfeifer war nicht nur der schnellste Deutsche in 2:10,28 Stunden, sondern unterbot auch die Olympianorm für die Spiele in Tokio. Schönherr belegte im Weltklassefeld Rang 57. Und war stolz wie Oskar. Schließlich müsse er nicht nur Familie und Beruf, sondern auch das Training unter einen Hut bekommen. Wie gesagt, in seiner Welt ein perfekter Tag, wo er „vom ersten bis zum 42. Kilometer perfekt“ durchgelaufen sei.

Es bleibt noch die kurze Pause, dann nimmt er bald das Training für den 100er auf. Wobei, wie er sagt, nicht mehr so viele Trainingseinheiten vor dem sogenannten „Tapering“, der Erholungsphase nach einer mehrmonatigen Vorbereitung, anstehen. Ach ja, einen hat er noch, vielleicht zum Ende des Urlaubs gar. Dann rennt er im Training 60 Kilometer. Wenn es mehr nicht ist . . .

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