Appell
Stadtsportbund: Einzelne Sportarten trotz Coronavirus erlauben

Münster -

Seit sechs Wochen sind alle Sportstätten in Münster wegen des Coronavirus geschlossen. Doch wie lange soll das noch so bleiben? Der Stadtsportbund wendet sich mit einem klaren Appell an den Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung.

Mittwoch, 22.04.2020, 11:45 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 16:10 Uhr
Appell : Stadtsportbund: Einzelne Sportarten trotz Coronavirus erlauben
Es gilt sowieso Maskenpflicht: Der Stadtsportbund könnte sich vorstellen, dass Fechten wieder stattfinden kann. Foto: dpa (Symbolbild)

Der Stadtsportbund Münster fordert den Oberbürgermeister, die politischen Gremien der Stadt und die Stadtverwaltung dazu auf, sechs Wochen nach Schließung aller Sportstätten den organisierten Sport verstärkt in den Blickpunkt des Handelns zu nehmen.

„Das Prinzip 'Stay at home' hat in Münster auch deshalb so erfolgreich funktioniert, weil unsere 200 Sportvereine und ihre 95.000 Mitglieder ausnahmslos mitgezogen haben“, sagt der SSB-Vorsitzende Michael Schmitz in einer Pressemitteilung. „Einmal mehr hat sich gezeigt: Auf seine Sportlerinnen und Sportler und auf seine Sportvereine kann sich Münster verlassen.“

Gemeinsinn von Einzelinteressen

Aus Sicht des SSB Münster hätte es bereits Mitte März eine Reihe von sehr guten Argumenten für das Fortführen vereinzelter Sportangebote gegeben. „Wir haben diese Argumentation aber bewusst zurückgestellt, weil wir damit nicht den solidarischen Ansatz des 'Stay-at-Home' gefährden wollten“, so Schmitz: „Hier galt und gilt selbstverständlich weiterhin Gemeinsinn vor möglichen Einzelinteressen.“

Weil die Komplettschließung aller Sportstätten in Münster am Montag in die nunmehr siebte Woche gehe, sei es jetzt aber Zeit für eine differenzierte Betrachtung, so die einhellige Auffassung im Dachverband der münsterischen Sportvereine. Schmitz macht dies in seinem Schreiben an OB Markus Lewe an einer Fülle von Beispielen fest: „Wenn sich doch zwei Menschen zum Spazieren verabreden dürfen, spricht auch nichts dagegen, wenn sie gemeinsam eine Runde Golf spielen oder sich beim Speckbrett oder Tennis begegnen.“

Vorsichtiger Restart auch in der Halle

Einen vorsichtigen Restart sieht Schmitz nicht nur bei Outdoor-Sportarten: „Beim Fechten gilt ja bereits die Maskenpflicht. Und was spricht dagegen, dass unsere Deutschen Meister im Tanzen, David Jenner und Elisabeth Tuigunov, ihr Training zu zweit ausüben, ggf. mit den Anweisungen eines Coaches in einer gewissen Distanz? Der Besuch eines Baumarktes mit Kunden in dreistelliger Zahl dürfte deutlich riskanter sein.“

Die wichtigsten Infos zur Maskenpflicht in Münster

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  • Die Stadt Münster hat als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen eine Maskenpflicht eingeführt. Sie gilt ab dem 27. April. Doch wo werden die Masken überall zur Pflicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

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  • Wann muss ich die Maske tragen?

    Immer dann, wenn eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden.

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  • Wo muss ich die Maske tragen?

    Die Maskenpflicht gilt beim Einkaufen, im öffentlichen Personennahverkehr und in städtischen Gebäuden mit Publikumsverkehr, teilt die Stadt mit. Also zum Beispiel in Einzelhandelsgeschäften, auf dem Markt, in der Bank, in Möbelhäusern, in Bussen, im Bürgerbüro Mitte, in der Kfz-Zulassungsstelle, im Jobcenter und im Sozialamt.

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  • Wer muss eine Maske tragen?

    "Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres", heißt es in der Mitteilung der Stadt.

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  • Welche Art von Maske muss ich tragen?

    Grundsätzlich gilt es, Mund und Nase zu verdecken. Dafür können laut Stadtverwaltung OP-Masken genutzt werden, wie sie zum Beispiel in Apotheken erhältlich sind. Doch auch selbstgenähte Masken, Tücher oder Schals können zum eigenen wie auch zum Schutz der Mitmenschen genutzt werden. Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs, bittet sogar darum, zertifizierte Masken Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorzubehalten.

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  • Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

    Wer keine Maske trägt, darf aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Es ist vorerst allerdings nicht vorgesehen, Bußgelder zu verhängen.

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  • Welche Regelung gibt es für Schulen?

    Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die ab kommenden Donnerstag (23. April) zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs, schon ab diesem Datum in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. 

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  • Wie kann ich mir eine Maske selbst nähen?

    Die Stadt Münster hat auf ihrer  Homepage  eine Nähanleitung in gleich mehreren Sprachen veröffentlicht. Zudem gibt es auch Videos im Netz, in denen das Nähen erläutert wird.

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Wichtig sei in jedem Fall, dass die „Leitplanken“, die die Sportverbände bundesweit für eine Wiederaufnahme des Sportbetriebs definiert hätten, eingehalten werden. Das Umziehen und Duschen sollte daheim erfolgen, enger Körperkontakt vermieden werden. Hygieneregeln sind selbstverständlich einzuhalten.

Es gilt jetzt für alle Sportarten konkrete Konzepte zu erarbeiten.

SSB-Vorsitzende Michael Schmitz

Der SSB will mit seinem Vorstoß nach eigenen Angaben eine konstruktive und kreative Diskussion für einen vorsichtigen Neustart einleiten: „Dazu haben wir leider bisher weder aus der Bundes- noch Landespolitik etwas Brauchbares gehört.“

Und auch in Münster müsse sich das städtische Handeln nach sechs Wochen Shutdown, die wir ausdrücklich begrüßt haben, weiterhin darauf beschränken, nur die Schlösser der Sportstätten auszutauschen, damit Unbefugte vom Betreten ferngehalten werden: „Es gilt jetzt für alle Sportarten konkrete Konzepte zu erarbeiten. Der SSB wird diesen Weg aktiv begleiten; viele Vereine haben sich hier auch schon auf den Weg gemacht", so Schmitz in der Mitteilung weiter.

Größte Krisensituation seit 1945

Auch wenn die Auswirkungen noch nicht konkret benannt und beziffert werden können - dies ist ja wesentlich von der Länge der Pandemie abhängig – ist es für den SSB Münster, gewiss, dass sich der organisierte Sport in der Stadt in der mit weitem Abstand größten Krisensituation seit 1945 befindet. Dies betreffe die Sportvereine in ihrer gesamten Struktur und Finanzkraft, aber auch die Frage, ob und wie zukünftig weiter flächendeckend Breitensportangebote aufrechterhalten werden können, gerade auch mit Blick auf die Risikogruppen.

Ebenfalls völlig offen sei, wie und in welchem Umfang der Leistungssport in der Stadt nach Corona gesichert werden kann, so Schmitz: „Wir werden nach der Krise eine andere Leistungssport-Szene erleben als vor der Krise. Schon jetzt ist für viele Kaderathleten fast ein Ding der Unmöglichkeit, ihr Fitnessniveau zu halten. Eine weitere Frage ist: „Wie sichern wir die beruflichen Existenzen von Trainern, Übungsleitern und hauptamtlichen Geschäftsstellenmitarbeiter und verhindern ihr Abwandern aus dem Sport“, so der SSB-Vorsitzende.

Kritik an Schulöffnung ohne Sportunterricht

Der Stadtsportbund bemängelt zudem, dass auch bei der sukzessiven Schulöffnung ab dem 4. Mai der Sport offensichtlich nicht mitgedacht wurde – dabei gehörten doch Bewegung und Bildung untrennbar zusammen.

Die neuen Corona-Vorschriften für NRW

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  • KITA UND SCHULE: Grundsätzlich müssen alle öffentlichen Schulen, Kitas und Kindertagespflegestellen zunächst bis zum 3. Mai geschlossen bleiben. Eine Ausnahme gilt ab Donnerstag an den weiterführenden Schulen für Prüflinge. Darüber hinaus gibt es an Schulen - in der Regel für die Klassen 1 bis 6 - und an Kitas Notbetreuungen für Kinder von Eltern, die in gesellschaftlich unverzichtbaren Berufen arbeiten und keine andere private Betreuungsmöglichkeit haben.

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  • NOTBETREUUNG: Bislang zählten bereits Berufstätige aus zehn Sektoren zum Kreis der Berechtigten, die zentrale Bereiche wie etwa das Gesundheitswesen, die Energie-, Wasser- und Lebensmittelversorgung oder die öffentliche Verwaltung aufrecht erhalten. Jetzt wurde der Kreis auf 29 weit gefasste Sparten ausgedehnt und detailreich erläutert. Ausdrücklich aufgeführt werden nun unter anderem Mitarbeiter von Tankstellen, Lebensmittelhandel, Drogerien und Hausmeister. Auch Hersteller von Hygiene-, Desinfektionsprodukten und Seifen sind systemrelevant, Müllentsorger und Erntehelfer ebenso wie Banker und Notare.

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  • AUSZUBILDENDE: Neu in der Liste sind auch «Personen, die zur Stärkung im Gesundheitswesen und im Pflegebereich aktiviert oder reaktiviert werden», darunter auch Auszubildende für medizinisch-technische oder bio-technische Assistenzstellen ebenso wie Studierende der Biologie, Biochemie, Biophysik, Veterinärmedizin und der Chemie ab dem Bachelor.

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  • REISERÜCKKEHRER: Die 14-tägige häusliche Quarantänepflicht für Reisende, die aus dem Ausland nach Deutschland heimkehren, gilt weiter. Ausnahmen gelten für Pendler und verschiedene Berufsgruppen wie Lastwagenfahrer, Piloten oder medizinisches Personal. Auch für diese Ausnahmegruppen hat NRW nun aber verfügt, dass sie innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr grundsätzlich keine Krankenhäuser, Pflege-, Reha- und ähnliche Einrichtungen betreten dürfen. Ausnahmen gelten für medizinisches Personal.

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  • FAHRSCHULEN: Fahrschulen dürfen ihre Dienste unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen und Mindestabständen weiter anbieten. Beim praktischen Fahrschulunterricht kann und muss der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen nicht eingehalten werden.

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  • SPORT: Untersagt bleibt laut Verordnung «jeglicher Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie alle Zusammenkünfte in Vereinen». Geschlossen bleiben müssen unter anderem Spiel- und Bolzplätze, Schwimmbäder und Fitnessstudios.

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  • SONNTAGSÖFFNUNG: «Geschäfte des Einzelhandels für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste sowie Geschäfte des Großhandels dürfen über die bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr öffnen», heißt es in der Schutzverordnung. «Dies gilt nicht für den 1. Mai.» Apotheken dürfen an Sonn- und Feiertagen generell öffnen.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Restaurants, Gaststätten, Imbissen, Mensen, Kantinen, Kneipen, (Eis-)Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen bleibt zunächst untersagt. Sie dürfen aber mit Speisen und Getränken beliefern, falls Hygienevorschriften und Mindestabstände eingehalten und Warteschlangen vermieden werden können. Der Verzehr von Lebensmitteln ist untersagt in einem Umkreis von 50 Metern um gastronomische Einrichtungen sowie Geschäfte oder Kioske, in denen die Ware eingekauft wurde.

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  • GELDBUßEN: Ordnungswidrigkeiten können gemäß Infektionsschutzgesetz mit Geldbußen bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Ordnungswidrig handelt demnach, wer vorsätzlich oder fahrlässig etwa unerlaubte Besuche in Gesundheits- oder Pflegeeinrichtungen abstattet, Einrichtungen betreibt, die nicht den erforderlichen Standards für Hygiene, Mindestabstände und Zutrittsregelungen entsprechen, touristische Übernachtungen anbietet oder wahrnimmt oder auch «an einem Picknick oder einem Grillen auf einem öffentlichen Platz oder einer öffentlichen Anlage beteiligt ist». Insgesamt listet die Coronaschutzverordnung, die bis zum 3. Mai gilt, 30 Ordnungswidrigkeiten auf.

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  • STRAFEN: Wer «vorsätzlich oder fahrlässig» gegen wesentliche Vorschriften der Coronaschutzverordnung verstößt und eine unzulässige Veranstaltung durchführt oder an solchen Veranstaltungen beziehungsweise Versammlungen teilnimmt, kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft.

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