Tennis: Verband plant Sommersaison
Falsches Signal oder Chance?

Münster -

Der Sommer, soviel steht fest, kommt. Im Moment sieht es so aus, als gäbe es passend dazu auch die gleichnamige Saison im Tennis. Der Westfälische Tennisverband zumindest hat diese Planung jetzt angestoßen. Spieler und Clubs sehen den Spielen allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen.

Mittwoch, 13.05.2020, 19:26 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 17:41 Uhr
Tennis darf in NRW seit einer Woche wieder gespielt werden, auch der WTV gab Grünes Licht für die Mannschaftsspiele. Ob Sinn oder Unsinn, darüber gibt es verschiedene Meinungen.
Tennis darf in NRW seit einer Woche wieder gespielt werden, auch der WTV gab Grünes Licht für die Mannschaftsspiele. Ob Sinn oder Unsinn, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Foto: imago-images

Nun also doch: Am Montag teilte der Westfälische Tennis-Verband (WTV) seinen gemeinsam mit den Verbänden Mittel- und Niederrhein getroffenen Entschluss mit, die Sommersaison durchziehen zu wollen. Ab dem 10. Juni sollen von der Westfalenliga bis zur Kreisklasse die Mannschaftsspiele über die rote Asche gehen. Drei Spieltage sieht der neue Rahmenterminplan vor den Sommerferien vor, vier weitere danach. Immer unter der Voraussetzung, dass die Behörden ihr in der vergangenen Woche erteiltes Placet zur Nutzung von Tennisanlagen nicht wieder einkassieren.

Die Entscheidung, die Mannschaftsspiele anzubieten, wurde zuvor im erweiterten WTV-Präsidium mit den Bezirksvorständen kontrovers diskutiert – und dann mehrheitlich abgesegnet. Die Meinungen gehen auch bei Münsters Vereinen und Spielern angesichts der schwierigen Situation während der Corona-Pandemie auseinander. Als falsches Zeichen sehen es die einen, als Chance auf etwas Normalität sehen es die anderen.

Normal ist anders

Doch mit Normalität wird die vom WTV als „Übergangssaison 2020“ bezeichnete Spielzeit nicht viel gemein haben, schon allein sportlich nicht. So gibt es in diesem Jahr keine Absteiger, in eine höhere Liga aber kann es dagegen gehen. Und die individuellen Ergebnisse haben Bedeutung für die DTB-Rangliste und die Leistungsklassen. „Die Spiele sollen nicht nur freundschaftlichen Charakter haben, ein sportlicher Anreiz muss gegeben sein“, erklärt WTV-Sportwart Lutz Rethfeld (THC Münster), der aber Verständnis für mögliche Absage von einzelnen Mannschaften hat. „Daher haben wir ja sportliche Sanktionen ausgesetzt und großzügige Regelungen getroffen. Alle Mannschaften behalten ihre Ligazugehörigkeit auch 2021.“ Bis zum 20. Mai können sich die Teams überlegen, ob sie dabei sein wollen.

Viele Fragen offen

Schließlich wird sich das Drumherum angesichts der aktuell weiter geltenden Abstands- und Hygieneregeln deutlich von den gewohnten Abläufen der vergangenen Saisons unterscheiden, wichtige Fragen bleiben zudem offen: Wie viele Spieler dürfen in einem Auto zu den Spielen anreisen? Sind die Umkleidekabinen geöffnet? Darf nach den Matches geduscht werden? „Es ist einfach zu viel in der Schwebe, zu viele Dinge sind unabwägbar. Ich habe daher eine klare Meinung und halte es für Unsinn, in diesem Sommer eine Saison zu spielen“, sagt Thomas Heilborn , Trainer beim TC Union Münster. Für die Zweitliga-Damen des TCU kam die Absage vom Deutschen Tennis-Verband bereits im März, ob die zweite Mannschaft in der Westfalenliga antreten wird, lässt er das Team entscheiden. „Wir als Verein überlassen es den Mannschaften, ob sie spielen wollen. Alle sollen bedenken, was es nach sich zieht und dann abwägen“, meint Heilborn.

Kommentar

Der WTV hat Fakten geschaffen: Ja, es wird eine Saison mit Mannschaftsspielen geben. Nein, es wird keine Absteiger geben. So weit. So gut? Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Macht es Sinn und vor allem Spaß, bei all den Unwägbarkeiten und mit Abstandsregeln durch Westfalen zu fahren und Tennis zu spielen? Schließlich gehört bei den Mannschaftsspielen Teamgeist unbedingt dazu. Diesen zu wecken, könnte im Sommer 2020 schwer werden. Henner Henning

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Skepsis schwingt auch bei Carlo Bückmann, Mannschaftsführer bei den Herren des 1. TC Hiltrup, mit. „So richtig Hand und Fuß hat es nicht bei den vielen Fragezeichen.“ Einen Verzicht scheint Münsters höchstklassige Männer-Truppe aber nicht üben zu wollen. „Ich denke, dass wir wohl spielen. Was für einen sportlichen Wert die Saison haben wird, werden wir sehen.“

Regionalligen noch nicht terminiert

  • Im Gegensatz zu den WTV-Ligen sind die Ansetzungen für die Regionalligen (Herren 30 des THC und des TCU, Damen 50 und Herren 55 des THC, Damen 65 und Herren 65 des TC St. Mauritz) noch nicht terminiert. Allerdings steht noch nicht fest, ob die Regionalligen gespielt werden. Das Präsidiums des DTB wird voraussichtlich am 18. Mai darüber entscheiden.
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