Rudern: U-23-EM in Duisburg
EM-Gold wie aus dem Bilderbuch für Ole Kruse und Floyd Benedikter

Münster -

Zugegeben: In Sachen Spannung war der letzte und wichtigste Lauf der U-23-Europameisterschaften im Rudern ein rechter Rohrkrepierer. Da hatten die Jungs im Deutschland-Achter ganz andere Prioritäten. Mit deutlichem Vorsprung ruderten Ole Kruse und Floyd Benedikter mit ihren Kollegen zu EM-Gold.

Sonntag, 06.09.2020, 19:42 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 15:23 Uhr
Die Münsteraner Ole Kruse (5.v.r.) und Floyd Benedikter (4.v.l.) ruderten bei der U-23-EM mit dem deutschen Achter souverän zur Goldmedaille.
Die Münsteraner Ole Kruse (5.v.r.) und Floyd Benedikter (4.v.l.) ruderten bei der U-23-EM mit dem deutschen Achter souverän zur Goldmedaille. Foto: Detlev Seyb

Von null auf Gold in zwei blitzsauberen Rennen. Ole Kruse und Floyd Benedikter haben einen der seltenen Höhepunkte dieser Corona geschüttelten Rudersaison mit einem historischen Finale zu einem glänzenden Ende gebracht. Im U-23-Achter des Deutschen Ruderverbandes ruderten die beiden Athleten des RV Münster auf der Wedau in Duisburg die kontinentale Konkurrenz in Grund und Boden. Beim letzten Rennen der zweitägigen Junioren-EM hatte der deutsche Achter bereits nach 250 Metern die Spitze übernommen und ruderte anschließend der Konkurrenz auf und davon. Die Kollegen aus Italien und Bulgarien mussten sich früh mit dem Duell um Platz zwei begnügen, während der deutsche Achter vorneweg einsam seine Bahn zog. „Ein Bilderbuchrennen“, so das Fazit von Floyd Benedikter. „Einfach geil“ kommentierte Teamkamerad Ole Kruse – ebenso knapp und ebenso treffend.

Recall-Zettel im Gepäck

Bundestrainer Christian Viedt und auch RVM-Heimcoach Thorsten Kortmann hatten sich im Vorfeld schwer getan, das Leistungsvermögen der europäischen Konkurrenz abzuschätzen – hinterher waren beide schlauer: In Deutschland muss sich niemand Sorgen um die Zukunft des nationalen Flaggschiffs machen. Bei dieser inoffiziellen Casting-Show für die Olympischen Spiele 2024 in Paris dürften alle acht Ruderer nebst Steuermann neben EM-Gold auch ihren Recall-Zettel mit im Gepäck haben.

Schon am Samstagvormittag wurden die Weichen Richtung Titel gestellt: Zwar gelten auch auf der Duisburger Wedau die grundlegenden Regeln der Geometrie – und der kürzeste Weg zwischen A und B bleibt nun mal die Gerade. Und die ist zwischen Start und Ziel der Regattastrecke exakt 2000 Meter lang.

Traumlauf schon zum Auftakt

Wie Florian Koch, Steuermann des Deutschland-Achters, dennoch eine spürbare Abkürzung für das von ihm gesteuerte Boot finden konnte, bleibt sein Geheimnis. Beim WM-Auftakt legte das deutsche Boot mit Koch am Steuer und dem münsterischen Duo als zentralem Antrieb einen Traumlauf hin, steuerte mit Bestzeit direkt das Sonntagsfinale an und sparte sich den Hoffnungslauf am Nachmittag. Viedt hatte seine Freude am jungen Team, musste aber ob der eindrucksvollen Machtdemonstration zunächst kräftig auf die Euphoriebremse treten. „Das war ein super Rennen,“ lobte der Chefcoach, um direkt die Warnung hinterherzuschicken: „Wichtig ist nun, nicht groß zu träumen. Erst am Sonntag werden die Medaillen verteilt.“

Im Nachhinein eine komplett überflüssige Warnung, weil der „kleine“ Deutschland-Achter unbeirrbar auf der Spur des „großen“ blieb, der jetzt schon seit Jahren die internationalen Maßstäbe setzt. Doch die nächste Generation steht mit dem Riemen bei Fuß – mit doppelter Antriebskraft aus Münster.

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