Rudern: Münsteraner mit Neustart
Felix Brummel ist gut zufrieden auf dem Trockenen

Münster -

Im März ruderte Felix Brummel, Münsters Sportler des Jahres, noch angestrengt wie eh und je um eine Olympia-Chance. Der Traum von Tokio aber blieb ein solcher. Jetzt ist der Studierende ein überzeugter Ex-Sportler, der im August gezielt die Einkehr suchte und Ruhe fand.

Dienstag, 08.09.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 13.09.2020, 20:39 Uhr
Ein Bild aus alten Zeiten: Felix Brummel (r.) in einem Boot mit Nico Merget. Brummel hat den Riemen an den Nagel gehängt.
Ein Bild aus alten Zeiten: Felix Brummel (r.) in einem Boot mit Nico Merget. Brummel hat den Riemen an den Nagel gehängt. Foto: Seyb

Felix Brummel war Ende August für eine Woche komplett abgetaucht – eine Woche der Einkehr und Ruhe im Communauté de Taizé. „Das tat sehr gut, perfekt, um einmal richtig abzuschalten“, genoss der 25-Jährige die Tage mit Freunden im Kloster in der Bourgogne. Dabei war der Münsteraner schon vorher eigentlich mit sich und seinem Leben im Reinen.

Am 4. März ruderte Felix Brummel noch auf der olympischen Regattastrecke von 1972 in Oberschleißheim um seine letzte Chance auf die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Tokio – es sollte nach fast zehn Jahren Leistungssport sein letzter Einsatz auf dem Wasser sein. Die Qualifikation platzte für Brummel mehr als unglücklich, die Olympischen Spiele mussten im Nachgang verschoben werden, Corona legte die Sportwelt komplett lahm – viel Zeit zum Nachdenken für Münsters amtierenden Sportler des Jahres. Brummel entschloss sich nach reiflicher Überlegung, seine Spitzensport-Karriere zu beenden und sein Studium wieder anzuschieben, das für den Sport so manche Auszeit hatte erdulden müssen. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert.

„Tatsächlich habe ich seitdem nicht mehr in einem Boot gesessen“, sagt Brummel heute, der stattdessen an der Uni in Bochum wieder den Hörsaal aufsuchte und mit zunächst zwei Vorlesungen langsam wieder in die Tiefen des „Sales Engineering und Product-Management“ eintauchte. Im bevorstehenden Wintersemester will er sich mit Hochdruck dem Masterstudium widmen – drei Semester sind es noch bis zum Abschluss.

Das sind die neuen Ziele des Münsteraners, die er genau so konsequent verfolgen will wie zuvor seine Ruderkarriere. Noch hat er seinen Entschluss nicht für einen Moment bereut, das Rudern nicht für einen Moment vermisst. „Natürlich werde ich irgendwann wieder im Boot sitzen“, sagt Brummel – doch noch fühlt er sich auf dem Trockenen pudelwohl, Wasser braucht er bestenfalls für die Bahnen im Schwimmbad. Sein Wettkampfgewicht hat er auf dem Ergometer und, so oft es ging, auf dem Rennrad in Form gehalten.

Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen ist noch nicht abgerissen, vor allem mit seinem langjährigen Kleinboot-Partner Nico Merget tauscht sich Brummel regelmäßig aus, natürlich auch über die Entwicklungen im deutschen Ruderverband. Den plagen nicht nur im Vorzeigeboot erste Verschleißerscheinungen und plötzlich wäre ein Comeback der Ruderpensionäre durchaus eine Option. „Aber das ist nicht mehr meine Sorge“, bleibt Brummel seinem Entschluss treu – auch nach sieben Tagen Einkehr im Kloster von Taizé ...

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