Fußball: Westfalenliga
„Chaos und Stress“ bei Westfalia Kinderhaus

Münster -

Turbulente Tage beim Fußball-Westfalenligisten Westfalia Kinderhaus: Erst die Ankündigung von Trainer Marcel Pielage, im nächsten Sommer aufzuhören. Dann die Vorstellung des Nachfolgers. Kurz darauf der sofortige Rücktritt des kompletten Trainerstabes. Und nun die Feststellung des Fußball-Obmannes, dass weder die Abteilung noch der Gesamtvorstand in die Vorgänge involviert gewesen seien. Es ist Dampf unter dem Kessel.

Mittwoch, 25.11.2020, 17:18 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 18:56 Uhr
Hat in Kinderhaus mit sofortiger Wirkung gekündigt: Trainer Marcel Pielage.
Hat in Kinderhaus mit sofortiger Wirkung gekündigt: Trainer Marcel Pielage.

In der Fußball-Abteilung von Westfalia Kinderhaus ist Feuer unter dem Dach. Seit Beginn dieser Woche überschlagen sich die Ereignisse förmlich beim Westfalenligisten. Am Montag machte der erfolgreiche Trainer Marcel Pielage seinen Abschied zum 30. Juni 2021 öffentlich. 24 Stunden später scherten er – und seine Assistenten Gerrit Göcking sowie Ahmed Ali – dann sogar mit sofortiger Wirkung aus. In einem Offenen Brief begründete das Trio, das schon für die Vergangenheit „einige Unstimmigkeiten“ reklamierte, seinen Entschluss. Es fehle an Vertrauen und Wertschätzung, heißt es. Zudem hat es die Unterzeichner offenbar überrascht und befremdet, aus der Presse zu erfahren, dass im Ascheberger Holger Möllers bereits ein Nachfolger zur kommenden Saison parat stehe. Was wiederum Alfred Fislage , Mäzen und in der öffentlichen Wahrnehmung mächtigster Mann auf den Kinderhauser Fußball-Plätzen, „sehr erstaunt und enttäuscht. Ich kann mir in der Sache wirklich keinen Vorwurf machen. Marcel hat gewusst, dass sein Engagement bei uns zu Ende geht und wir einen Nachfolger suchen“, sagte er am Mittwoch.

Fislage versichert, dass er Pielage „vor etwa drei Wochen“ in einem Telefonat von der Entscheidung, die Zusammenarbeit „nach vier wirklich tollen Jahren“ beenden zu wollen, unterrichtet habe. Dies sei in Absprache mit dem Sportlichen Leiter Dieter Hanebuth geschehen. „Wir waren der Meinung, dass es frische Impulse braucht“, erklärte Fislage die Neuorientierung. Offen sei in dem Gespräch mit dem Trainer das zeitliche Ende der Zusammenarbeit geblieben. „Ob schon in der Winterpause oder nach Ablauf der Saison, das wollten wir Marcel überlassen. Wichtig war mir, frühzeitig klare Kanten zu schaffen, um sowohl ihm als auch dem Verein Zeit zu geben, die Zukunftzu gestalten“, so Fislage.

Das ging im Fall des Clubs sehr schnell. Bereits zu Beginn dieser Woche stellte ­Hanebuth den Ascheberger Holger Möllers als Mann für Westfalias Zukunft vor. Im Sommer sollte der 48-Jährige beim Westfalenligisten übernehmen. Nach der Demission von Pielage könnte es nun noch schneller gehen. Damit rechnet zumindest Fislage: „Ich denke, dass wir das jetzt vorziehen.“ Möllers, der momentan ohne Amt ist, signalisierte am Mittwoch grundsätzlich Bereitschaft.

Brisanz erhalten die personellen Schachzüge durch, nennen wir es „Unstimmigkeiten“ in der internen Kinderhauser Kommunikation. Ingo Hennemann, Westfalias Fußball-Obmann, erklärte, erst am Montag über mediale Flüsse von den Vorgängen erfahren zu haben. „Bis dahin habe ich weder etwas von der Trennung gehört. Noch war mir der Name Möllers bekannt“, sagt er. Gleiches gelte für seine Abteilungskollegen und den Gesamtvorstand. Hennemann fühlt sich „überfahren“ und sieht „einen Alleingang an den gewählten Gremien vorbei“. Für die nächsten Tage kündigte er eine gemeinsame Stellungnahme von Abteilungsführung und Vorstand an. Mehr mochte er nicht sagen, nur noch dies: „Verträge werden in der Regel von gewählten Mandatsträgern gemacht und unterschrieben. So möchten wir das auch in Kinderhaus pflegen.“

Fislage kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Er versichert, bereits am Mittwoch der vergangenen Woche zunächst Mannschaftskapitän Nick Rensing und einen Tag später Thomas Borker, zweiter Vorsitzender des Vereins, über die personellen Wechsel informiert zu haben. Mit dem Wunsch, es an die Mannschaft und an den Vorstand weiterzugeben.

Tatsächlich war Rensing schon länger informiert. Vor drei Wochen habe ihn Fislage über die Pläne informiert. „Ich fand die Offenheit sehr lobenswert, danach allerdings haben viele Kommunikationswege nicht mehr gepasst. Nun gibt es viel Stress und Chaos im Verein“, konstatiert das Westfalia-Urgestein. Persönlich enttäuscht war er darüber, „zu keinem Zeitpunkt in die Suche nach dem neuen Trainer eingebunden gewesen zu sein. Da hätte ich mir als Kapitän des Teams schon ein offenes Wort und auch eine gewisse Beteiligung gewünscht“, so Rensing. Wichtig sei jetzt, möglichst schnell die Wogen zu glätten. Rensing: „Ich bin zuversichtlich, dass der Verein das schafft. Wir als erste Fußballmannschaft stehen geschlossen zusammen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7694922?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F3814580%2F
Nachrichten-Ticker