Serie: Juniorsportler des Jahres
Sven Ditzel und Felix Brummel setzen Rudertradition fort

Münster -

Beide haben sich vom Rudersport verabschiedet, beide sind zufrieden mit ihrem Leben auf dem Trockenen. Aber zwischen den beiden Abschieden liegen immerhin fünf Jahre. Nach WM-Silber im Jahr 2015 trennten sich die Wege von Felix Brummel und Sven Ditzel. Jetzt könnten die Juniorsportler des Jahres 2012 wieder zusammenfinden..

Mittwoch, 13.01.2021, 17:02 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 18:39 Uhr
Lange Zeit unzertrennlich: Felix Brummel und Sven Ditzel (r.)
Lange Zeit unzertrennlich: Felix Brummel und Sven Ditzel (r.) Foto: Jürgen Peperhowe

Plovdiv ist auf den ersten Blick nicht gerade das Ziel aller touristischen Träume, aber es lohnt sich dennoch, einen genaueren Blick auf die südbulgarische Stadt an den Ufern der Mariza in der thrakischen Tiefebene zu werfen. Mit 340 000 Einwohnern ist sie etwas größer als Münster und mit einer ersten urkundlichen Erwähnung im sechsten Jahrtausend vor Christus viel älter – allerdings haben beide Städte eine lange und erfolgreiche Rudertradition gemein. Sven Ditzel und Felix Brummel verbinden mit Plovdiv beste und wegweisende Erinnerungen, die die beiden erfolgreichen Ruderer des RV Münster allerdings sehr unterschiedlich verarbeitet haben. Für Sven Ditzel bedeutete WM-Silber im deutschen U-23-Vierer im Jahr 2015 Höhepunkt und perfektes Ende seiner Ruderkarriere, für Felix Brummel war der Erfolg in Bulgarien die Motivationsspritze für eine lange und erfolgreiche Reise an den Riemen.

Stapellauf in der Schul-AG

Vier Jahre zuvor hatten die beiden Schüler des Annette-Gymnasiums ihre gemeinsame Karriere auf dem Wasser gestartet: Aus der Ruder-AG zum RV Münster – und hier wie dort in bester Obhut bei Lehrer und Trainer Thorsten Kortmann - ging es dann schnell weiter in den Landeskader. 2012 wurden die beiden 16-Jährigen sowohl im Vierer als auch im Achter deutsche Junioren-Meister. Ende des Jahres führte bei der Sportlerwahl dann kein Weg an dem schlagkräftigen Duo vorbei, das mit großem Abstand zu Münsters Juniorsportlern des Jahres gekürt wurde. Gemeinsam mit den Vorjahressiegern Richard Bensmann und Maximilian Wagner dominierten beide in den kommenden Jahren die nationale Ruderszene im U-17-Bereich. Ditzel und Brummel saßen immer im gleichen Boot, bis sich 2015 die Wege der Unzertrennlichen dann noch trennten.

Studium hat Vorrang

„Ich habe mich da entschieden, mich aufs Studium zu konzentrieren“, erinnert sich Sven Ditzel. „Als Vize-Weltmeister aufzuhören, das klang so schlecht nicht.“ Stattdessen startete er nach einem freiwilligen sozialen Jahr im RVM und im Teil-Internat Rudern sein Maschinenbau-Studium in Hamburg. Nicht nur geografisch dicht am Wasser: „Ich habe da natürlich gleich geschaut, wo man rudern kann.“ Mit dem RV Alemannia Hamburg ruderte Ditzel dann unter anderem in der Ruder-Bundesliga und sicherte sich einen Startplatz bei der Regatta um den Royal-Henley-Cup auf der Themse – dem Sehnsuchtsort aller Ruderer. „Ein großartiges Erlebnis“, sagt Ditzel heute. In diesem Jahr will der angehende Maschinenbauer seine Masterarbeit schreiben, anschließend gerne zurück Richtung Heimat. „Münster wäre natürlich schön, da muss ich halt sehen, wie nachgefragt Ingenieure da sind.“ Rudern bleibt natürlich weiter ein Thema. „Auf Freizeitbasis. Da sucht man sich die Tage mit gutem Wetter aus.“ Auch, wenn der persönliche Kontakt seltener wurde, verfolgte Ditzel die Karriere seines langjährigen Mitstreiters sehr aufmerksam. „Das hat Felix mir ja auch leicht gemacht.“

Brummel wird zum schweren Jungen

Denn der blieb in den Schlagzeilen, zählte bis zu seinem Abschied 2020 zur deutschen Eliteklasse. Als die Leichtgewichtsruderer 2018 aus dem Olympischen Programm gestrichen wurden, futterte sich der Münsteraner 15 Kilo an, die er mit gezieltem Training in Muskelmasse umbaute. Als schwerer Junge enterte Brummel noch mehrfach die Bühne bei Münsters Sportlerwahl und wurde zum heißen Kandidaten für den Deutschland-Achter. Ende 2019 rutschte er unter sehr unglücklichen Umständen aus dem Boot und entschloss sich zum Abschied vom Profisport. Seit März 2020 hat Felix Brummel die Prioritäten neu sortiert. Ein halbes Jahr später beurteilt er seinen Entschluss exakt so, wie fünf Jahre zuvor Sven Ditzel: „Ich bin zufrieden mit der Entscheidung.“ Drei Semester hat er jetzt noch vor sich, um das Studium „Sales Engineering und Product-Management“ in Bochum abzuschließen.

Rudern spielt aktuell keine Rolle. „Aber ich werde sicher wieder ins Boot steigen“, ist Felix Brummel überzeugt. Dann vielleicht wieder an der Seite von Sven Ditzel.

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