Steinfurt
„Schmerzempfinden ist ganz anders“

Dienstag, 15.07.2008, 17:07 Uhr

Steinfurt .
Zwei Tote und zahlreiche unterkühlte Läufer – der Zugspitz-Berglauf am Sonntag hat durch einen extremen Wetterumschwung einige Opfer gefordert. Rainer Wachsmann von Marathon Steinfurt hat schon mehrere solcher Extremläufe mitgemacht, ob Deutschlandlauf, Swiss-Jura oder wie jetzt im Juni den Graubünden-Marathon und acht Tage später den Zermatt-Marathon . 2682 Höhenmeter bis auf 2865 m im Ziel ging der eine, für den Wachsmann 6:58 std. benötigte. Eine Woche später war mit 1900 Höhenmetern der Zermatt-Marathon bis auf 2585 m im Ziel an der Reihe. „Es sollte ein Experiment werden. Ich wollte wissen, ob ich das in acht Tagen schaffen kann“, so Wachsmann als Begründung. Der Zermatt-Marathon war damit der 200. in seiner Läuferkarriere. Zu den Verhältnissen bei solchen Extremläufen stellte die WN dem Ultraläufer einige Fragen.

Frage: Können Sie verstehen, dass viele Läufer trotz des Wetterumschwungs weitergelaufen sind?

Wachmsann: Ja und nein. Nein, weil es ein fahrlässiges Verhalten der Läufer war. Ja, weil sich viele Läufer auf diesen Lauf lange vorbereitet haben und diesen auch möglichst beenden möchten.

Frage: Haben Sie als Ultraläufer selbst schon einmal solche Situationen, also Grenzerfahrung durch Kälte oder Dauerregen, erfahren?

Wachsmann: Beim Ultra Trail Mont Blanc 2006 und vor mehreren Jahren beim Röntgenmarathon in Remscheid herrschte Sturm. Allerdings sind die meisten Ultraläufer auch härter gegen sich selbst. Das Schmerzempfinden ist ein anderes. Eine Spritze beim Zahnarzt brauche ich zum Beispiel nicht.

Frage: Wie haben Sie darauf reagiert? Haben Sie ein Rennen wegen des Wetters schon einmal abbrechen müssen?

Wachsmann: Beim Ultra Trail Mont Blanc setzte kurz vor der zweiten Nacht Dauerregen ein. Eine normale atmungsaktive Jacke, wie vom Veranstalter vorgeschrieben, wäre völlig durchnässt worden. An einem Verpflegungspunkt habe ich mir eine Mülltüte zurechtschneiden lassen, diese habe ich dann angezogen und es klappte fortan recht gut.

Frage: Wie hätte sich Ihrer Meinung nach der Veranstalter verhalten sollen, als er von der Wetterlage erfahren hat?

Wachsmann: Der Wetterumsturz muss extrem gewesen sein. Frühzeitig vorm Start hätte der Veranstalter das Thema angemessene Kleidung ansprechen müssen. Trotzdem ist jeder Läufer auch für sich selbst verantwortlich.

Frage: Sie haben immer gelobt, wie gut die Kommunikation und das Verständnis der Läufer untereinander bei solchen Veranstaltungen ist. Trifft das auf Extremläufe oder Bergläufe dieser Art nicht zu?

Wachsmann: Doch das trifft auch zu. Ansonsten waren die verstorbenen Läufer allesamt erfahren und keine Neulinge. Man muss seinen Körper gut kennen, wenn man an solchen Veranstaltungen teilnimmt.

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