Jürgen Lütkehaus, ehemaliger Assistent von Christian Schräer
In Ahaus anders als in Bilk

Steinfurt -

Kreisschiedsrichterobmann Jürgen Lütkehaus, früher in der Regional- und Verbandsliga aktiv, kennt alle Modalitäten seiner Spiele im Vorfeld sehr genau – nur manchmal den Ort nicht wirklich.

Donnerstag, 12.11.2020, 16:28 Uhr
Manchmal muss man als Schiedsrichter energisch durchgreifen. Jürgen Lütkehaus unterstützt dies beim Hallenturnier in Borghorst sogar mit Gesten der Hand.
Manchmal muss man als Schiedsrichter energisch durchgreifen. Jürgen Lütkehaus unterstützt dies beim Hallenturnier in Borghorst sogar mit Gesten der Hand. Foto: Vera Szybalski

Jürgen Lütkehaus ist Schiedsrichterobmann (KSO) des Fußballkreises Steinfurt und als solcher auch für die Ansetzungen der Unparteiischen an jedem Wochenende zuständig. Aktuell pfeift der 62-Jährige meist „nur“ noch in der Kreisliga, vor 20 Jahren stand er an der Seite von Christian Schräer aus Emsdetten (Assistent von Dr. Markus Merck in der Bundesliga und auch international an der Seitenlinie aktiv) auf dem Platz und war als Assistent in der Regionalliga unterwegs. Als spielleitender Referee pfiff Lütkehaus lange Zeit Begegnungen in der Verbandsliga.

Wie selbstverständlich sagt der Wettringer, dass es zu einer „ordentlichen Spielvorbereitung dazu gehört“, dass man sich mit allen Modalitäten und Eventualitäten einer Partie auch im Vorfeld beschäftigt. „Es ist nicht ganz unwichtig, ob wir den ersten oder den letzten Spieltag haben, ob der Erste gegen den Zweiten spielt oder Achter gegen Neunten. Das alles sind Kriterien, die zur Art und Weise der Spielleitung beitragen. Der Spielcharakter lässt gewisse Freiheiten zu“, schaut Lütkehaus vor Anpfiff einer Begegnung natürlich auch auf die Tabelle.

„Bei Acht gegen Neun ziehe ich bei einem taktischen Foul an der Mittellinie nicht schon nach zehn Minuten die Gelbe Karte, sondern belasse es bei einer deutlichen Ermahnung“, sagt er, weil der Spieler ansonsten bei der zweiten Gelben in einem eher „unwichtigen“ Spiel früh ausscheiden müsste und Lütkehaus selbst als Schiri unter Zugzwang stünde. „Wenn es um die Wurst geht, kann das auch mal ein Harakiri-Spiel werden“, sagt der KSO. Platzbeschaffenheit, Wetter, Zuschauer – dies alles müsse man im Vorfeld der Austragung berücksichtigen.

Und natürlich auch, wo gespielt werde. Alstätte in der Nähe von Ahaus oder Alstätte in der Nähe von Rosendahl? „Das ist mir einmal in meiner Laufbahn passiert. Das war bei einem Spiel in der Bezirksliga, da war ich im falschen Alstätte und habe an irgendwelchen Häusern geklingelt und nach dem Fußballplatz gefragt. Zehn Minuten vor dem offiziellen Anstoß war ich dann erst im anderen Alstätte am Platz“, erinnert sich Lütkehaus schmunzelnd.

Heutzutage sei es ihm egal, ob er ein Spiel der D-Jugend leiten müsse oder eines in der A-Liga. „Ich bin dann nicht weniger aufmerksam als bei anderen Spielen. Man sollte als Schiedsrichter immer aufmerksam sein“, versucht Lütkehaus bei jeder Partie, sein Bestes zu geben.

„Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich in Ahaus pfeife oder in Bilk. Dort, auf dem sehr kleinen Platz, stehen die Zuschauer direkt am Spielfeldrand. Oder auch im Neuenkirchener Waldstadion, da hat man als Unparteiischer eh einen schweren Stand“, weiß der 62-Jährige aus Erfahrung. Aber: „Je mehr Theater, umso ruhiger werde ich,“ was ihm von Spielern und Zuschauern manchmal als Arroganz ausgelegt wird.

„Ich erinnere mich an ein Spiel vor circa 20 Jahren, als die Ansetzungen noch per Einladungspost verschickt wurden. Ich sollte FC Recklinghausen gegen Sinsen 05 in der Landesliga pfeifen. Das war ein Nachbarschaftsderby, auf das ich schon die ganze Woche über mit Vorfreude hingefiebert habe“, sagt der gebürtige Borghorster. Mit einer Checkliste, auf der bestimmte Punkte vermerkt waren, hat er sich mit seinen Assistenten auf jedes Spiel vorbereitet. Verhalten gegenüber Trainern, Spielerwechsel oder Abseitsstellungen, um nur einige Dinge zu nennen, seien vor dem Anpfiff abgehakt worden. Das sei heute alles einfacher geworden, vor allem durch den Videobeweis in den oberen Ligen sei „der Fußball gerechter“ geworden, um einiges sogar.

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