Fußball: Wie Hans-Dimitri Nguile nach Deutschland kam
Von Kamerun zum SV Burgsteinfurt

burgsteinfurt/laer -

Es ist schon merkwürdig, wie so manche Lebenswege entstehen. Einen seltenen und äußerst bemerkenswerten hat Hans-Dimitri Nguile vom SV Burgsteinfurt hinter sich, geprägt von einen Zufällen.

Montag, 07.12.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 16:51 Uhr
Hans-Dimitri Nguile, hier im Dress des SV Burgsteinfurt, kommt aus Kamerun und hat über einige Umwege in Erkenschwick, Neuenkirchen und Horstmar seinen Weg nach Stemmert gefunden und letztlich zum SV Burgsteinfurt.
Hans-Dimitri Nguile, hier im Dress des SV Burgsteinfurt, kommt aus Kamerun und hat über einige Umwege in Erkenschwick, Neuenkirchen und Horstmar seinen Weg nach Stemmert gefunden und letztlich zum SV Burgsteinfurt. Foto: Thomas Strack

Der Zufall kann manchmal die Richtung eines ganzen Lebens bestimmen. Bei Hans-Dimitri Nguile Inenguini war das wohl so – zumindest drei Mal in seinen bisherigen 26 Lebensjahren. Wenn auch nicht gänzlich ohne sein Zutun, denn zwei Mal hat er den Zufall beim Schopf gepackt und – freundlich, offenherzig und redselig, wie er ist – damit seinen weiteren Lebensweg beeinflusst – bis nach Deutschland und zum SV Burgsteinfurt .

Keineswegs vom Zufall bestimmt ist allerdings sein Name, denn sowohl Hans als auch Dimitri hat ihm sein Alter Herr eingebrockt. „Mein Vater hat in Tel Aviv Wirtschaft studiert und hatte einen Lehrer, der später sein Freund wurde, der Hans hieß. Mein zweiter Vorname, Dimitri, kommt von einem bekannten Chemiker: Dimitri Mendelejew“, erklärt Nguile mit einem schelmischen Unterton. Mendelejew lebte von 1834 bis 1907 in St. Petersburg und war – mehr oder minder – der Erfinder des Periodensystems.

Um gleich danach auch noch zum Besten zu geben, dass sein eigentlicher Nachname mitnichten Inenguini lautet, sondern Nguile. „Das ist der Name meines Vaters. Mein Großvater war Inenguini“, kommt die Erläuterung. Beim Kicken in Stemmert heißt er einfach nur Dimi, da Fußballer im Allgemeinen einen Hang zu Kurzformen und Verniedlichungen haben. Außerdem ist Hans-Dimitri für eine bestimmte Handlungsanweisung quer übers Spielfeld einfach zu lang. Bis dahin hat der Gegner den Ball durch Gegenpressing schon wieder an seinen Füßen.

Zufall Nummer eins spülte den Kameruner nach Deutschland, denn bei einem Urlaub in Nepal lernte er eine Frau aus Münster kennen, die ihm nach demselben mitteilte, dass sie eine Kind von ihm erwarte. Als er schließlich in Deutschland angekommen war, hatte er einen Vertrag als Profifußballer in Ungarn in Aussicht, blieb aber im Lande, weil die Mutter seines Sohnes nichts nach Ungarn zog.

So landete Nguile nach einem ersten erfolglosen Probetraining bei Preußen Münster beim SV Erkenschwick. „Die Erkenschwicker spielten damals, im April 2017, wie Neuenkirchen in der Oberliga. Bei einem Spiel in Neuenkirchen habe ich Nico Haverkamp und Daniel Seidel am Platz getroffen und einfach angesprochen. Ich wusste gar nicht, wo Neuenkirchen liegt. Erst als ich mit dem Auto hinfahren wollte, habe ich gemerkt, dass das in der Nähe ist“, erzählt der 26-Jährige von seiner (Navigations)Odyssee zum SuS, wo er schließlich ein Jahr lang spielte.

Danach bestand für ihn erneut die Möglichkeit, bei einem ungarischen Fußballverein Fuß zu fassen. Nguile absolvierte ein Probetraining und meldete sich in Neuenkirchen ab: „Das war hart. Ich habe mich dort wohlgefühlt und mich mit Tube (Trainer Tobias Wehmschulte, Anm.d.Red.) gut verstanden. Es lief super in Neuenkirchen, aber dann kam wieder Stress mit meiner Freundin auf“, zeigte sich Nguile verantwortungsbewusst und sagte bei dem ungarischen Verein ab, denn er wollte wegen seines Kindes in Deutschland bleiben.

Dumm nur, dass die Wechselfrist zu dem Zeitpunkt abgelaufen war. Also stand der Stemmerter Sechser ohne Verein da. Doch jetzt kommt erneut der Zufall ins Spiel. „Ich wohne in Laer und habe mich in Horstmar am Platz fit gehalten. Beim Joggen habe ich dort Matthias Wernsmann (Abteilungsleiter) getroffen. Wir haben miteinander geredet, und später habe ich in Horstmar mittrainiert. Ich habe sogar den Schlüssel vom Materialraum bekommen“, hat sich der Kameruner über das entgegen gebrachte Vertrauen gefreut.

Patrick Kapke, Torwarttrainer in Neuenkirchen, Ex-Keeper des SVB und somit gut vernetzt mit Trainer Christoph Klein-Reesink, hat Nguile schließlich nach Burgsteinfurt gelotst. „Patti hat den Kontakt zu Christoph hergestellt. Das war im September 2017“, erzählt Nguile, der zu diesem Zeitpunkt schon in Laer wohnte, arbeitete und nebenbei noch 20 Stunden in der Woche mit Sprach- und Integrationskursen befasst war.

Während er schon in Stemmert trainierte, ploppte ein Angebot von einem Verein aus Südafrika auf, initiiert durch seinen Onkel, den Vater des Bayern-Spielers Eric Choupo Moting. Doch daraus wurde nichts, weil die Mutter seines Sohnes nicht aus Deutschland wegwollte. Also heißt es für ihn weiter „Stemmert statt Kapstadt“ – aber dafür hat er seinen Sohn in der Nähe. „Ein Kind ist eine Verantwortung“, ist Nguiles Credo.

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