Fotoserie: „Die gute, alte Zeit“
Tiki-Taka bei Preußen Borghorst

Borghorst -

Zur Fotoserie „Die gute, alte Zeit“ bekam unsere Redaktion kürzlich einen Beitrag aus Spanien, wo Dirk Segbers lebt und arbeitet. Er erinnerte sich an einen legendären Trainer von Preußen Borghorst, der bereits Mitte der 1990er Jahre Tiki-Taka spielen ließ.

Dienstag, 08.12.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 11:26 Uhr
Die A-Junioren des SC Preußen in der Saison 96/97:
Die A-Junioren des SC Preußen in der Saison 96/97: Foto: SCP/Eugen Oskamp

Die Bilder und Geschichten aus früheren Zeiten des Vereinssport in unserem Verbreitungsgebiet scheinen ins Herz getroffen zu haben und ziehen weite Kreise. Jetzt erreichte die Redaktion einen Mail aus Spanien, genauer aus Miranda de Ebro, wo Dirk Segbers lebt. Es ist der Heimatort seiner Frau, die er dort kennen gelernt hat. Segbers arbeitet hauptberuflich als Übersetzer und nebenberuflich als Autor von Fußballtexten, hauptsächlich im Bereich spanischer Fußball. Er erinnerte sich an die Zeit, als Eugen Oletti Trainer der A-Junioren in Borghorst war.

„In der Saison 1996/1997 waren Pep Guardiola und Jürgen Klopp noch als Spieler beim FC Barcelona beziehungsweise beim FSV Mainz aktiv und meilenweit von ihren Karrieren als Trainer entfernt. Eugen Oletti hatte zu jenem Zeitpunkt schon einige Jahrzehnte als Coach hinter sich und war gewissermaßen seiner Zeit voraus. Er verband Elemente des Tiki-Taka mit Ballbesitz: Balleroberung, lange Bälle hinter die Abwehr auf die Außenstürmer, Hereingabe, Abschluss.

Sein taktisches Schema würde man heute so beschreiben: eine „Dreierkette“ aus Libero und zwei Außenverteidigern, davor zwei defensive Mittelfeldspieler, zwei Mittelfeldspieler auf den Außen, ein „Zehner“, zwei Außenstürmer. Dazu klare Vorgaben, die bei jedem Training aufs Neue eingeübt wurden. Kontrollierte Ballannahme, Kopf hoch, „nächsten Mann suchen“. Ballzirkulation durch Abwehr und Mittelfeld, bis die Außenstürmer Sven Berning und Daniel Ballering freigespielt wurden, Durchbruch bis zur Grundlinie, flacher Rückpass, Abschluss. Alternativ kamen wir durch die Mitte, Doppelpass an der Strafraumkante zwischen Außenstürmer und Zehner, Abschluss. Jeder wusste genau, was er auf dem Platz zu tun hatte. Für die technisch weniger versierten Abwehrspieler war die Vorgabe vonseiten des Trainers ohnehin klar: „Mach dat, watte kanns!“

Mit diesem klaren taktischen Korsett dominierten wir die Leistungsliga. Von 20 Spielen gewannen wir 19 und trafen dabei 75 Mal ins Schwarze. Nur ein Auswärtsspiel auf Asche in Nordwalde endete unentschieden. Unser Zehner, Bora Der, war allein für mindestens die Hälfte der Treffer verantwortlich. Obwohl man es bei seiner vergleichsweise geringen Körpergröße nicht erwarten würde, traf er zigmal per Kopf. Bora besaß eine enorme Sprungkraft und vor allem ein ausgezeichnetes Timing. Dazu hatten wir noch etwas, das man heute vielleicht als „signature move“ beschreiben würde: Einen simplen, aber sehr effektiven Freistoßtrick. Einer der Stürmer platzierte sich außen in der Mauer des Gegners. Der Ausführende legte den Ball an der Mauer vorbei, statt wie vom Gegner erwartet aufs Tor zu schießen, und schon stand der Stürmer frei vor dem Kasten.

In der Aufstiegsrunde konnten wir jedoch nicht an unsere Form anknüpfen, was unter anderem auch daran lag, dass Stammtorwart Jochen Oletti verletzt ausfiel. Ein Punkt aus sechs Duellen lautete die magere Ausbeute: kein Aufstieg. Aber jene Meistersaison 96/97 unter dem mittlerweile verstorbenen Eugen Oletti, die wird keiner von uns vergessen.“

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