Warum Markus Hermann nach nur sechs Monaten als Betreuer bei den Sportfreunden Lotte aufhörte
Falsche Ausfahrt am Lotter Kreuz

Lotte/Rheine -

Es war nur ein kurzes Intermezzo. Die „Liaison“ zwischen Markus Hermann und den Sportfreunde Lotte endete eher als gedacht. Nach nur sechs Monaten hat sich der Betreuer des Regionalligateams wieder verabschiedet. Wie beleuchten die Gründe für den vorzeitigen Abgang.

Donnerstag, 06.02.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 18:50 Uhr
Auswärtsspiel beim 1. FC Köln 2: Die Rheinenser Markus Hermann und Melanie Hubert im Regionalliga-Einsatz für die Sportfreunde Lotte.
Auswärtsspiel beim 1. FC Köln 2: Die Rheinenser Markus Hermann und Melanie Hubert im Regionalliga-Einsatz für die Sportfreunde Lotte. Foto: Frank Diederich

Schneller als erwartet endete für Markus Hermann der Traum vom Profifußball. Noch im vergangenen Sommer war der 44-Jährige geradezu euphorisch, als sich ihm die Möglichkeit eröffnete, als Teambetreuer bei den Sportfreunden Lotte anzufangen. Zwar kickt der Club nach dem Abstieg „nur“ noch in der viertklassigen Regionalliga West, doch Duelle gegen Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen oder Fortuna Köln rühren das Herz jedes Fußball-Nostalgikers. Auch das von Hermann, der seinen Job als Kraftfahrer an den Nagel hängte, um in Lotte durchzustarten.

Als „Vorhut“ reiste er bei Auswärtsspielen früher an, bereitete das Material (Trikots, Hosen, Stutzen, Schuhe) vor, entschied mit, in welcher Trikotfarbe gespielt oder eben nicht gespielt wurde, sorgte für Getränke und kümmerte sich um die Logistik im weiteren Sinne.

Sechs Monate später ist der Traum geplatzt und Markus Hermann zurück in der Kreisliga B. Trotzdem blickt der Sportleiter der Sportfreunde Gellendorf nicht im Groll zurück: „Es war ein tolles halbes Jahr! Eine ganz andere Welt, wenn man aus dem Amateurfußball kommt. Alles war größer, alles imposanter.“ Bis zum 15. November. An diesem trüben Herbsttag zitierte Manfred Wilke, Fußball-Obmann und allmächtiger Boss der Sportfreunde Lotte , Hermann in sein Büro und forderte aufgrund von Liquiditätsproblemen ihn und andere Mitarbeiter des Vereins auf, auf 25 Prozent ihres Gehalts zu verzichten.

Es war ein ganz tolles halbes Jahr.

Markus Hermann

Das allein war nicht der Trennungsgrund. Vielmehr lief schon vorher einiges aus dem Ruder. Im Oktober 2019 erhielt Hermann sein Gehalt verspätet, im November plötzlich nur noch zur Hälfte. Auch Putzfrauen, Funktionsteam, Spieler und Angestellte der Geschäftsstelle mussten Einbußen hinnehmen, obwohl sie gültige Verträge hatten.

„Es sollte ein bestimmtes Budget eingespart werden. Dass es so endete, war ein wirtschaftliches Problem“, erinnert sich Hermann an unruhige Wochen, in denen vertragliche Absprachen nicht eingehalten wurden. Im Kern stand die wirtschaftliche Existenz auf der Kippe, was nach einigem arbeitsrechtlichem Hin und Her schließlich im Ende des Arbeitsverhältnisses mündete.

Im Dringlichkeitsverfahren beschäftigte sich die Gemeinde Lotte mit der finanziellen Situation des Lotter Profi-Vereins, die vorhandenen Liquiditätsprobleme wurden unter anderem dadurch gelöst, dass die Gemeinde die Rechte an den Gebäuden des Tabellensiebten erwarb. Nächster Schritt soll nun die Ausgliederung des Profifußballs aus dem Gesamtverein sein, die eine Voraussetzung für die Rechteübernahme seitens der Gemeinde ist.

Für mich war es wichtig, im Guten aus Lotte wegzugehen.

Melanie Hubert

Mit Markus Hermann packte auch Melanie Hubert ihre Sachen. Auf Vermittlung der Physiotherapeutin war der Sportleiter der SF Gellendorf überhaupt erst ans Autobahnkreuz gekommen („Melanie stellte den Kontakt her.“). Seit Jahresbeginn arbeitet die Rheinenserin nun für den SV Meppen in der 3. Bundesliga. „Für mich war es wichtig, im Guten aus Lotte wegzugehen“, hatte der Abschied der 31-Jährigen nach acht Jahren einen anderen Hintergrund. Der aktuelle Tabellenachte Meppen bot ihr ein breiteres Aufgabenspektrum und mehr Verantwortung.

„Der Physiotherapeut ist das wichtigste Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerteam“, liebt die Kapitänin von Grün-Weiß Rheine ihren Beruf, ihre Fähigkeiten in Sachen Rehabilitation, Regeneration und Ernährungswissenschaft werden von zahlreichen Profis hochgeschätzt. Für Melanie Hubert geht der Traum vom Profifußball weiter, für Markus Hermann vorerst nicht. „Ich würde so was sofort wieder machen“, möchte der Gellendorfer die Regionalligazeit dennoch nicht missen, freut sich aber auch auf regelmäßigere Heimspiel-Besuche am Goldhügel. Auch in der Kreisliga B gibt es viel zu tun. Zumal in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen der Sportfreunde ansteht – der aus Gellendorf, nicht aus Lotte.

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