2. Liga: Verunsicherte Osnabrücker erleben 2:6-Debakel gegen Wehen
Planlos, hilflos, mutlos: So steigt der VfL Osnabrück ab

Osnabrück -

Das war nichts und grenzte an einen sportlichen Offenbarungseid. So wie sich der VfL Osnabrück in der ersten Halbzeit gegen Mit-Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden präsentierte, wird der Klassenerhalt in der 2. Liga nicht zu schaffen sein.

Freitag, 06.03.2020, 20:54 Uhr
Osnabrücks Benjamin Girth (Nr. 30) brachte den VfL Osnabrück zwar schon in der dritten Minute in Führung, doch am Ende gingen die Lila-Weißen gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 2:6 unter.
Osnabrücks Benjamin Girth (Nr. 30) brachte den VfL Osnabrück zwar schon in der dritten Minute in Führung, doch am Ende gingen die Lila-Weißen gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 2:6 unter. Foto: Tobias Mönninghoff

Welch ein Drama, welch eine Demütigung. Die Talfahrt des VfL Osnabrück in der 2. Liga nimmt rasante Ausmaße an. Auch gegen den SV Wehen Wiesbaden gelang der Mannschaft von Trainer Daniel Thioune nicht die erhoffte Wende. Eine vor allem in der ersten Halbzeit völlig konfuse Leistung mündete am Ende in eine 2:6 (2:5)-Niederlage, die einem Debakel gleichkam. Planlos, hilflos, mutlos – so steigt der VfL ab, mit einer solchen Leistung wie der gegen Wehen Wiesbaden wird der Klassenerhalt nicht zu schaffen sein.

Dabei begann die Partie vielversprechend für die Lila-Weißen. Nach einem Freistoß von Niklas Schmidt schoss Marcos Álvarez den Ball an die obere Torstange, Benjamin Girth war zur Stelle und lenkte den abprallenden Ball per Kopf zur 1:0-Führung in die Maschen.

Der Treffer verlieh dem VfL jedoch nicht die erhoffte Sicherheit. Nur zwei Minuten später unterlief Maurice Trapp ein Fehlpass. Stefan Aigner zog über die Außenbahn in den Strafraum, legte auf Manuel Schäffler ab, der zum 1:1 einschoss. Der Treffer hinterließ Wirkung bei den Osnabrückern. In der siebten Minute nahm Schäffler einen Pass aus der Tiefe auf und bediente Maximilian Dittgen – 2:1 für die Gäste aus Hessen.

Der VfL verlor mit zunehmender Spielzeit völlig die Orientierung, agierte verunsichert und lud die Wiesbadener förmlich zu weiteren Treffern ein. In der 15. Minute rutschte Felix Agu auf dem regendurchtränkten Rasen aus, sodass Dittgen auf Aigner flankte, der unbedrängt zum 3:1 einköpfte.

Thioune reagierte und brachte Kevin Wolze für Felix Agu, der völlig von der Rolle war. Doch die Einwechslung des früheren Duisburgers brachte keine Ordnung in das Osnabrücker Spiel. In der 26. Minute passierte Wolze ein ähnliches Missgeschick wie seinem Vorgänger Agu, indem er vor dem eigenen Strafraum wegrutschte, sodass Aigner in Ballbesitz kam und Schäffler bediente, der aus kurzer Distanz zum 1:4 abstaubte. Es brachen nun alle Dämme, der VfL ging unter – begünstigt weniger von der Spielkunst des Gegners, sondern vielmehr von einer Vielzahl haarsträubender eigener Fehler.

Gegen Ende der Halbzeit schien die Elf etwas mehr Sicherheit zu bekommen. In der 31. Minute verfehlte Girth nach Linksflanke von Wolze nur knapp den Torgiebel, und sechs Minuten später hatte der VfL-Angreifer ein weiteres Mal Pech, als er die Kugel nach Freistoß von Schmidt mit der Brust annahm und den Ball anschließend um Zentimeter über das Tor beförderte.

Doch diese Chancen waren nur ein kurzes Aufbegehren. Die eklatanten Schwächen im Abwehrverhalten kaschierten sie nicht. In der 45. Minute war es Álvarez, der sich einen Ballverlust im Spielaufbau leistet. Daniel-Kofi Kyereh zog von der Strafraumgrenze ab. Den scharf geschossenen Ball lenkte VfL-Keeper Philipp Kühn nach links ab, sodass der heranstürmende Schäffler mit seinem dritten Treffer zum 5:1 vollendete.

Der Wahnsinn an der Bremer Brücke hatte damit aber noch kein Ende gefunden. Denn in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nahm Moritz Hayer eine Hereingabe von Wolze auf und verkürzte auf 2:5. Und noch vor der Pause hätte Álvarez, sogar den dritten Treffer anbringen müssen, doch völlig unbedrängt jagte er das Leder acht Meter vor dem Tor am linken Pfosten vorbei.

Im zweiten Durchgang war dem VfL zugutezuhalten, dass sich die Mannschaft nicht aufgab. Sie näherte sich auch das eine oder andere Mal dem gegnerischen Tor, ohne jedoch entscheidend zum Abschluss zu kommen. Im Gegenteil: In der Nachspielzeit erhöhte Kyereh sogar noch auf 6:2 für die Hessen. Nach dem Desaster blieb es bei der bitteren Erkenntnis: So darf es nicht weitergehen – auch wenn der Gegner am kommenden Freitag Arminia Bielefeld heißt.

VfL Osnabrück:Kühn – Heyer, Gugganig, Trapp – Köhler (46. Ajdini), Agu (22. Wolze) – Blacha (75. Heider), Schmidt, Henning – Girth, Alvarez. –SVW Wiesbaden:Lindner – Mockenhaupt, Dams, Röcker – Mrowca (46. Kuhn), Schwede – Chato – Aigner (83. Titsch Rivero), Kyereh, Dittgen – Schäffler (78. Tietz). –Tore:1:0 Girth (3., 1:1 Schäffler (5.), 1:2 Dittgen (7.), 1:3 Aigner (15.), 1:4 Schäffler (26.), 1:5 Schäffler (45.), 2:5 Hayer (45.+2), 2:6 Kyereh (90). –Schiedsrichter:Benedikt Kempkes (34, Thür). –Gelbe Karten:Mockenhaupt (38.), Mrowca (43.), Kuhn (67.). –Zuschauer:13 000.

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