Regionalliga: Sportfreunde Lotte beantragen Kurzarbeitergeld für ihre Fußballer
Unsicherheit und viele Fragen

Lotte -

Die Corona-Krise erschüttert Vereine wie die Sportfreunde Lotte bis ins Mark. Die Geschäftsführungs-GmbH ergreift außergewöhnliche Maßnahmen.

Freitag, 20.03.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 16:40 Uhr
Noch enger zusammenrücken werden die Sportfreunde in den kommenden Wochen, wenn es auch mithilfe von Kurzarbeitergeld darum gehen wird, die durch die Corona-Krise sich verschärfende finanzielle Lage zu meistern.
Noch enger zusammenrücken werden die Sportfreunde in den kommenden Wochen, wenn es auch mithilfe von Kurzarbeitergeld darum gehen wird, die durch die Corona-Krise sich verschärfende finanzielle Lage zu meistern. Foto: Manfred Mrugalla

Die Geschäftsführungs-GmbH des Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Lotte wird Kurzarbeitergeld für seine Fußballer und Geschäftsstellen-Mitarbeiter bis Saisonende beantragen. „Wir befinden uns in der letzten Phase der internen Prüfung und Abstimmung. Klar ist: Anders als mit Kurzarbeit wird es nicht funktionieren“, sagt Geschäftsführer Thorsten Cloidt .

In Kürze, so der Geschäftsführer, werden die entsprechenden Anträge bei der Bundesagentur für Arbeit in Rheine eingereicht. „Wir rechnen damit, dass das Genehmigungsverfahren innerhalb einer Woche abgeschlossen sein wird. Dann haben wir die Situation, dass wir gut hinkommen. Wir sind guter Dinge, die Geschäfte dann wie gehabt fortführen zu können“, sagt Cloidt.

Wenn die Mannschaft in den Trainings- und Spielbetrieb zurückkehrt, endet die Kurzarbeit. Die Angestellten würden dann wieder von den Sportfreunden die in den Verträgen vereinbarten Bezüge erhalten. Am Mittwoch hatte der Westdeutsche Fußballverband in einer Telefonkonferenz mit den Vereinen der Regionalliga West beschlossen, den Spielbetrieb bis zunächst 19. April auszusetzen.

In der 3. Liga haben Vereine wie Eintracht Braunschweig, Carl Zeiss Jena, der SV Meppen, FSV Zwickau und der 1. FC Kaiserslautern bereits Kurzarbeit beantragt. Weitere Drittligisten und ebenso zahlreiche Regionalligisten prüfen derzeit intensiv, diesen Weg zu gehen. Auch der Tabellenzweite der Regionalliga Nordost, Lok Leipzig, gab am Donnerstag bekannt, auf die Hilfe des Staates zu setzen. „In der Bundesliga und 2. Bundesliga haben einige Vereine Reserven gebildet. Für alle anderen Clubs wird es schwierig“, sagt Cloidt, der darauf setzt, dass die Sponsoren die Sportfreunde weiterhin unterstützen.

Am Freitag hatte der Bundestag eine neue Sonderregelung erlassen, die die Bewilligung von Kurzarbeitergeld vereinfacht. Wenn die Kurzarbeit bewilligt wird, erhalten die Lotter Angestellten ab dem betreffenden Tag nur noch 60 Prozent ihrer Nettogehälter. Angestellte mit Kindern erhalten 67 Prozent. „Wir haben mit allen Spielern gesprochen“, sagt Cloidt. „Natürlich gab es zunächst Unsicherheit und viele Fragen. Jeder wollte wissen, wie es mit ihm und der Mannschaft weitergeht. Ich bin überzeugt, dass wir den Spielern die Situation gut nähergebracht haben.“ Dass die Arbeitsagentur neuerdings zu 100 Prozent die Sozialabgaben übernimmt, die Arbeitgeber zuvor auch für die Kurzarbeit abführen mussten, nennt Cloidt „äußerst positiv für uns“.

Vor zwei Wochen hatte Cloidt die Geschäftsführung der Spielbetriebs-GmbH übernommen. „Seitdem haben wir nur zwei Themen: Corona und die Finanzen“, sagt der 26-jährige angehende Rechts-Referendar.

Nicht von der Kurzarbeit betroffen wäre übrigens Andy Steinmann als Interimstrainer der Regionalliga-Mannschaft. Er ist weiterhin offiziell Trainer der U 19, die weiterhin dem Verein und nicht der GmbH angehört.

Seit dem Abstieg im Mai aus der 3. Liga plagen die Sportfreunde Lotte Liquiditätssorgen. Die Gemeinde hatte im Oktober vom Verein die Rechte an der Geschäftsstelle, der Turn- und Gymnastikhalle und der Umkleiden der Westtribüne für gut eine halbe Million Euro erworben. Bedingung dafür war die Ausgliederung des Profifußballs, die der Gesamtverein vor kurzem vollzogen hat.

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