3. Liga: Lottes Ex-Coach Ismail Atalan nach nur fünf Spielen beim Halleschen FC beurlaubt
Der große Irrtum

Lotte -

Nur fünf Spiele hielt die Liaison zwischen Ismail Atalan und dem Halleschen FC. Am Montag wurde der ehemalige Coach der Sportfreunde Lotte beim abstiegsbedrohten Fußball-Drittligisten beurlaubt. Als Atalan Lotte im Februar verlassen hatte, hinterließ sein Wechsel zwiespältige Gefühle.

Montag, 08.06.2020, 17:46 Uhr
Schon nach fünf Spielen wurde Lottes ehemaliger Coach Ismail
Schon nach fünf Spielen wurde Lottes ehemaliger Coach Ismail Foto: imago images

Erst am 25. Februar hatte Ismail Atalan Hals über Kopf seine Zelte beim Regionalligisten Sportfreunde Lotte abgebrochen, um beim Drittligisten Hallescher FC einen bis Juni 2021 datierten Vertrag zu unterschreiben. Doch nach nicht einmal dreieinhalb Monaten und fünf sieglosen Spielen ist Atalans Intermezzo beim Fußballclub der größten Stadt Sachsen-Anhalts schon wieder beendet. Denn gestern wurde der 40-Jährige beurlaubt. Die 1:5-Niederlage des HFC beim FSV Zwickau am Samstag hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Im Nachhinein stellt sich die Zusammenarbeit zwischen Atalan und dem Verein aus Ostdeutschland vor allem als eines dar – als ganz großer Irrtum.

Atalans Abschied aus Lotte, der nach außen hin den Eindruck einer geradezu fluchtartigen Nacht- und Nebelaktion erweckte, hinterließ zwiespältige Gefühle. Spieler bedauerten seinen Wechsel, denn in der Umbruchphase nach dem Abstieg aus der 3. Liga und dem Neustart in der Regionalliga West hatte der Deutsch-Kurde unter Beweis gestellt, dass er eine Mannschaft zu formen und jungen Fußballern Orientierung zu geben vermag. Menschlich und fachlich war dem Trainer deshalb nichts vorzuwerfen. Die respektable Zwischenbilanz mit Rang neun beim corona-bedingten Saisonstopp in der Regionalliga West war durchaus aller Ehren wert.

Auf der anderen Seite war aber auch bekannt, dass das Arbeitsklima zwischen Atalan und Teilen der Lotter Vereinsführung nicht nur belastet, sondern bisweilen sogar vergiftet war.

Das war aber nicht der einzige Grund, weshalb die Sportfreunde dem Coach bei seinem Wechsel im Februar keine Steine in den Weg gelegt hatten. Vielmehr waren sie in Lotte wohl auch froh und erleichtert darüber, dass sie den bis zum 30. Juni 2021 gültigen Vertrag nicht mehr zu stemmen brauchten, den sie im Sommer 2019 mit Atalan aufgesetzt hatten. Dieses Arbeitspapier orientierte sich in seinen wesentlichen Inhalten offensichtlich eher an Drittliga-Konditionen, obwohl die Sportfreunde ja gerade erst in die Regionalliga abgestiegen waren.

Die Trennung hätte also für alle Seiten eine Win-Win-Situation werden können. Doch Atalan vermochte den freien Fall des HFC ins Bodenlose der 3. Liga nicht zu stoppen. Vor allem die Niederlagen gegen die ebenfalls abstiegsbedrohten Teams SG Sonnenhof Großaspach, Preußen Münster und FSV Zwickau schmerzen. In der vergangenen Saison kratzten die Hallenser am Tor zur 2. Liga, verpassten den Aufstieg als Tabellenvierter nur knapp. Und auch im Oktober der laufenden Serie rangierten sie noch auf einem Aufstiegsplatz, ehe der rasante Absturz einsetzte.

Der HFC stellte daraufhin im Februar zunächst Trainer Torsten Ziegner frei und präsentierte nur einen Tag später Atalan als Nachfolger. Doch nach der 1:5-Niederlage in Zwickau war der 40-Jährige nicht mehr zu halten. Der Vertrauensvorschuss war nach nur fünf Spielen aufgebraucht. Der Shitstorm in den sozialen Netzwerken tat ein Übriges.

Nach der Rückkehr des Mannschaftsbusses aus Zwickau hatte HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp am Samstag eine Trainerentlassung zwar noch als „Blödsinn“ abgetan. Doch am Montag zogen die Verantwortlichen um Vereinspräsident Jens Rauschenbach die Reißleine, beurlaubten Atalan und präsentierten nur wenig später Florian Schnorrenberg, zuvor bei der SG Großaspach, als neuen Coach.

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