Mindestlohngesetz – und die Vereine?
Nur wenige Betroffene

Telgte -

Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland das Mindestlohngesetz. Es betrifft selbstverständlich auch die Sportvereine, für die in zahlreichen Varianten Menschen arbeiten. Obwohl auch viele von ihnen Geldzahlungen erhalten, fallen nur wenige unter die Vorschriften des neuen Gesetzes.

Freitag, 13.02.2015, 16:02 Uhr

Die klassischen Übungsleiter im Sportverein, wie Benedikt Lauckmann beim BSV Ostbevern, fallen nur selten unter das Mindestlohngesetz. Häufiger ist es aber zum Beispiel bei Platzwarten mit Minijob-Vertrag der Fall.
Die klassischen Übungsleiter im Sportverein, wie Benedikt Lauckmann beim BSV Ostbevern, fallen nur selten unter das Mindestlohngesetz. Häufiger ist es aber zum Beispiel bei Platzwarten mit Minijob-Vertrag der Fall. Foto: Roll / Niemann

„Übungsleiterinnen und Übungsleiter sind von dem Gesetz nur betroffen, wenn Vergütungen gezahlt werden, die den Freibetrag übersteigen“, verdeutlicht Christof Kelzenberg , Geschäftsführer des Kreissportbundes Warendorf, dass die meisten Geldempfänger der Vereine nicht unter das Gesetz fallen: „Nur in Einzelfällen, wie bei geringfügigen Beschäftigungen, Übungsleitervergütungen, die den Freibetrag übersteigen, Vertragsamateure und hauptamtlich Beschäftigungen, sind beispielsweise Auswirkungen auf die Planung der Personalkosten sowie die Anpassung und Dokumentation der Arbeitszeiten zu beachten.

In den heimischen Sportvereinen scheint der Mindestlohn kein Problem zu sein. Weder die in der Politik immer wieder angeführte – häufig als problematisch bis undurchführbar bezeichnete – Aufzeichnungspflicht der Arbeitsstunden noch die Höhe des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde machen offensichtlich Probleme.

„Wir sind rechtzeitig darauf hingewiesen worden und haben alles geregelt. Bei unserem Steuerberater fühlen wir uns in guten Händen“, sieht Barbara Feikus, Vorsitzende des BSV Ostbevern, keinerlei Umsetzungsprobleme mit dem Mindestlohngesetz in ihrem Verein. Auch kein Problem mit der Umsetzung hat Petra Weiligmann, Vorsitzende des RV „Gustav Rau“ Westbevern: „Bei uns bekommen alle Übungsleiter mehr als den Mindestlohn. Lediglich drei sind völlig ehrenamtlich aktiv. Sie hatten früher selbst davon profitiert und möchten deshalb dem Verein etwas zurückgeben. Insgesamt bieten wir 1200 Übungsstunden, was in der Branche Pferdesport, die sehr nachgefragt ist, durchaus üblich ist.“

Bei der SG Telgte gibt es rund 50 Übungsleiter, von denen mit Ausnahme von Stefan Henning, so der Vereinsvorsitzende Ulrich Winckler, alle nicht vom Mindestlohngesetz betroffen sind: „Da sind die weit von entfernt. Auch unsere sonstigen Ehrenamtliche gehören dazu.“ Probleme könnten bei der SG Telgte auch deshalb nicht auftreten, da auch sie einen Steuerberater diesen Bereich bearbeiten lässt. Vertragsamateure, die generell dem Mindestlohngesetz unterliegen, hat die SGT nicht.

Etwas anders sieht es beim TV Friesen Telgte aus, dessen Kassierer Theodor Wübben , freimütig berichtete: „Natürlich haben wir uns auch darauf vorbereitet. Unsere 400-Euro-Kraft muss ab Januar seine Arbeitszeit ganz genau notieren. Er ist in der Stundenwahl dafür etwas freier geworden.“ So wäre gewährleistet, unterstrich Wübben, dass der Verein immer den Mindestlohn zahle. Zur Sicherheit wurde allerdings im vergangenen Jahr aus dem 400-Euro- ein 450-Euro-Minijob.

Ehrenamtlich im Sportverein tätige Mitarbeiter fallen nicht unter das Mindestlohngesetz, wenn sie jährlich eine Übungsleiteraufwandsentschädigung gemäß § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) von maximal 2400 Euro erhalten oder als sonstige ehrenamtlich tätige Personen nicht mehr als 750 Euro jährlich gemäß § 3 Nr. 26a EStG bekommen.

Überschreitet ein Ehrenamtlicher diese Beträge, muss der Verein für die darüber hinaus gezahlten Vergütungen regelmäßig 30 Prozent pauschale Abgaben an die Minijob-Zentrale entrichten. In diesem Fall greift dann auch das Mindestlohngesetz – und zwar für die gesamte Vergütung, da Arbeitsverhältnisse unteilbar sind.

Bei der monatlichen Pauschalvergütung, die häufig ohne konkrete Stundenvereinbarung geschlossen werden, ist der Verein seit Jahresbeginn gefordert, denn die Vergütung muss dem Mindestlohngesetz entsprechen. Dabei ist grundsätzlich der Arbeitgeber, also der Sportverein, verpflichtet, über die vom Mitarbeiter geleisteten Arbeitsstunden exakt Buch zu führen, um belegen zu können, dass der Mindestlohn gezahlt wird.

Einige Vereine haben auch Amateurspieler in ihren Reihen. Bis zu einer Zahlung von 200 Euro im Monat gilt die Betätigung des Amateursportlers, insofern er keinen Vertrag mit dem Verein geschlossen hat, nicht als Erwerbstätigkeit. Das Mindestlohngesetz findet also keine Anwendung.

Ist der Aktive aber Vertragsamateur, liegt ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vor. Der Mindestlohn muss gezahlt und nachgewiesen werden. Verstößt ein Verein gegen diese Regeln, drohen Konsequenzen bis hin zum Verlust der Anerkennung als gemeinnützig. -szy-

Bei uns bekommen alle Übungsleiter mehr als den Mindestlohn.

Petra Weiligmann, Vorsitzende des RV „Gustav Rau“ Westbevern

Ab Januar muss unser Mitarbeiter seine Arbeitszeit ganz genau notieren.

Theodor Wübben
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