Fußball: Bundesliga-Debüt in Frankfurt
Sophia Kleinherne hat noch ein ganz großes Ziel

Telgte -

Bundesliga-Debüt beim 1. FFC Frankfurt, glänzende Kritiken vom Coach, Trainingslager mit der deutschen U 20-Auswahl in Spanien - es läuft gerade ziemlich gut für Sophia Kleinherne. Ein großes Ziel in diesem Jahr hat die 17-Jährige aus Telgte aber noch.

Samstag, 10.03.2018, 09:03 Uhr

Ihr Debüt in der Bundesliga feierte Sophia Kleinherne (l.) gegen die SGS Essen, hier im Duell mit Linda Dallmann.
Ihr Debüt in der Bundesliga feierte Sophia Kleinherne (l.) gegen die SGS Essen, hier im Duell mit Linda Dallmann. Foto: imago/Peter Hartenfelser

Gebannt hat Sophia Kleinherne am Donnerstag darauf gewartet, was im Opernhaus in Rennes passiert. Dort wurden die Gruppen für die U 20-Weltmeisterschaft der Fußballerinnen ausgelost. Die Abwehrspielerin hat beste Karten, im August in Frankreich zum Kader der deutschen Auswahl zu gehören. Keine schlechte Perspektive für eine 17-Jährige. „Die WM gehört zu meinen großen Zielen 2018“, sagt die Telgterin.

Ein anderes Ziel hat die junge Frau, die im nächsten Monat 18 wird, gerade erreicht: ihre Erstliga-Premiere. Am 11. Februar debütierte Kleinherne mit dem 1. FFC Frankfurt in der Frauen-Bundesliga beim 0:1 gegen die SGS Essen. In dieser Begegnung und in den beiden folgenden erfolgreichen Matches beim 1. FC Köln (3:0) und gegen 1899 Hoffenheim (2:0) stand die Innenverteidigerin jeweils 90 Minuten auf dem Platz. Nach ihrem jüngsten Einsatz wurde sie auf der Facebook-Seite der Frauen-Bundesliga zur „Spielerin des 13. Spieltags gewählt“. Es hätte schlechter laufen können.

Sie bringt alles mit, was eine moderne Innenverteidigerin drauf haben muss.

FFC-Trainer Niko Arnautis

„Sie ist von Spiel zu Spiel stärker geworden“, lobt FFC-Coach Niko Arnautis. Er hatte Kleinherne im Sommer vom Zweitligisten FSV Gütersloh in die Mainmetropole geholt. Im ersten halben Jahr verteidigte sie in der zweiten FFC-Mannschaft in der 2. Liga Süd. Arnautis, vorher Trainer der Frankfurter Reserve und mittlerweile als Chefcoach ins Erstligateam befördert, kennt Kleinherne bestens. „Sie hat großes Talent und bringt alles mit, was eine moderne Innenverteidigerin drauf haben muss“, schwärmt Arnautis. „Sie hat ein umheimlich tolles Zweikampfverhalten, sie ist schnell, technisch versiert und hat eine super Spieleröffnung.“ Er folgert: „Auch aufgrund ihrer Bodenständigkeit wird sie sich noch weiter steigern. Ich traue ihr viel zu.“

Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht.

Sophia Kleinherne

Sie sei mit dem Ziel nach Frankfurt gewechselt, „langfristig in der ersten Liga zu spielen“, erklärt Kleinherne. „Aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht.“ Sie machte die Wintervorbereitung beim Bundesliga-Kader mit und profitierte bei ihrem Debüt von der Verletzung von Laura Störzel. Schon am Abend vor dem Spiel gegen Essen wusste sie von ihrem ersten Einsatz. Ihre anfängliche Nervosität habe sich schnell gelegt, sagt sie. „Mir war es wichtig, das Vertrauen der Mannschaft und des Trainers zurückzugeben.“ Das dürfte sie geschafft haben. Kleinherne gesteht: „Ich bin stolz, in der Bundesliga auf dem Platz zu stehen.“ Die größten Unterschiede zur 2. Liga seien „das unheimlich hohe Tempo und die Zweikampfhärte“.

Sophia weiß genau, wo sie hin möchte.

Niko Arnautis

Kleinherne gehört in Frankfurt nun fest zum Bundesliga-Kader. Im DFB-Pokal-Viertelfinale am Dienstag gegen Turbine Potsdam dürfte sie wieder in der Startelf stehen. Auch wenn ihre verletzte Teamkollegin wieder fit ist, „möchte ich meine Spielanteile bekommen“, sagt die Defensivspezialistin, die in der Jugend für ihren Heimatverein SG Telgte und für den BSV Ostbevern gekickt hat. „Ich will mich in der ersten Liga durchsetzen und etablieren.“ Ihr Coach Arnautis sagt: „Sophia ist für ihr Alter sehr selbstständig. Sie weiß genau, wo sie hin möchte.“

Exotische Gegner bei der WM

Kleinherne tut viel dafür. Die 17-Jährige besucht in Frankfurt die zwölfte Klasse der Carl-von-Weinberg-Schule. Neben den Einheiten an dem Sport-Elitegymnasium und den Spielen mit dem FFC trainiert sie fast jeden Tag in der Woche. „Das ist stressig, ich muss oft abends lernen“, gesteht Kleinherne. Schule und Verein stimmen sich ab, für Lehrgänge wird die Schülerin freigestellt.

Mit 24 anderen Talenten aus dem deutschen U 20-Kader war sie gerade eine Woche in einem Trainingslager in Spanien. Die U 17-Europameisterin darf fest auf einen Platz im DFB-Aufgebot bei der WM im Sommer in Frankreich hoffen, auch wenn sie weiß: „Eine Garantie hat man nie, es kann immer viel passieren.“ Ihr Vereinstrainer Niko Arnautis meint: „Ich schätze die Chancen sehr groß ein, dass sie dabei ist. Da bin ich ganz zuversichtlich.“

Seit Donnerstag kennt Kleinherne nun auch die Vorrundengegner der deutschen U 20. In Rennes wurden dem DFB-Team Haiti, China und Nigeria zugelost.

1. FFC Frankfurt

Der 1. FFC Frankfurt gehört zu den namhaftesten und erfolgreichsten Vereinen im deutschen Frauenfußball. 1998 aus der örtlichen SG Praunheim hervorgegangen, gewann der Frauen-Fußball-Club Titel am laufenden Band. Der Verein aus der Mainmetropole wurde siebenmal Deutscher Meister (zuletzt 2008), neunmal DFB-Pokalsieger (zuletzt 2014) und gewann viermal die europäische Königsklasse, also die Champions League (zuletzt 2015) und dessen Vorläufer-Wettbewerb Women’s Cup. In den vergangenen Jahren hat der 1. FFC einen Neuaufbau eingeleitet. In der Bundesliga-Tabelle steht Frankfurt derzeit auf Platz vier.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5579152?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F57556%2F
Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Interview: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Nachrichten-Ticker