Fußball: Adel Al Hammoud
Flüchtling aus Syrien findet bei der SG Telgte neuen Sport in seiner neuen Heimat

Telgte -

Vor zwei Jahren ist Adel Al Hammoud mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Bis dahin hatte er noch nie Fußball gespielt. Heute lebt der 15-Jährige in Telgte, besucht die Sekundarschule und kickt bei der SG sogar in der B-Jugend-Bezirksliga. Eine beeindruckende Geschichte.

Montag, 15.10.2018, 17:42 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 15.10.2018, 17:42 Uhr
Das große Talent hat sich durchgebissen: Adel Al Hammoud (Mitte) mit seinen Mannschaftskollegen von der SG Telgte.
Das große Talent hat sich durchgebissen: Adel Al Hammoud (Mitte) mit seinen Mannschaftskollegen von der SG Telgte. Foto: Franziska Ix

2016: Adel ist 13 Jahre alt, weiß nicht, wo oder was Telgte ist, spricht kein Wort Deutsch und kennt die Sportart Fußball nicht. 2018: Adel ist 15 Jahre alt, kennt sich in Telgte gut aus, spricht sehr gut Deutsch und spielt Fußball in der U 17-Bezirksliga.

Dazwischen liegen zwei Jahre und für den Jungen zwei Welten. Adel Al Hammoud floh 2016 mit seinen Eltern Jamal Al Hammoud und Andera Al Taleb, seinen zwei Brüdern Ammar und Imad sowie seiner Schwester Yara aus Syrien. Einfach war die Entscheidung, das Land zu verlassen, für die Familie nicht: „Es war aber besser. Viele Menschen sind dort gestorben“, erklärt der 15-Jährige. Sie haben den Krieg miterlebt, und die Eltern haben den Entschluss gefasst, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren.

Wie ein anderer Stern

Die Flucht von Syrien nach Deutschland war lang und beschwerlich. Sie hat bei Adel bleibende Erinnerungen hinterlassen. Er kann sich noch genau an jede Station erinnern, mit welchem Verkehrsmittel sie geflohen sind. Die Familie ist mit Boot, Bus, Zug und Flugzeug durch die Türkei, den Libanon, Griechenland, Mazedonien und Serbien gereist. „Wir sind dann von Österreich nach Deutschland mit dem Zug gefahren und haben erst einmal für zehn Tage in einem Camp gelebt. Dann sind wir in ein Haus gekommen“, berichtet Adel.

Ich habe nichts verstanden.

Adel Al Hammoud

Telgte war für ihn und seine Familie wie ein anderer Stern. „Am Anfang war es sehr schwer für uns. Wir haben gar nichts verstanden. Doch dann haben wir angefangen, Deutsch zu lernen, und es wurde etwas besser“, erzählt der Schüler. Adel war erst auf dem Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium in Telgte, doch die Ansprüche waren etwas zu hoch für einen Flüchtling, der noch kein Wort Deutsch beherrscht: „Ich habe nichts verstanden und bin dann auf die Sekundarschule gewechselt.“ Jetzt besucht er die neunte Klasse, der Sekundarschüler spricht und versteht die Sprache mittlerweile sehr gut. Dabei haben ihm auch Freunde geholfen: „Ich habe Kontakte aus der Fußballmannschaft und aus der Schule“, erklärt der 15-Jährige. Seine Eltern bemühen sich ebenfalls sehr und besuchen Deutsch-Kurse.

Eher Basketball als Fußball

Per Zufall ist Adel Al Hammoud mal ins Takko-Stadion gekommen – wieder etwas ganz Neues für ihn. Er hatte zuvor noch nie Fußball gespielt. „Man kannte es zwar in Syrien, aber es war nicht so bekannt wie hier. Auch im Sportunterricht haben wir eher Basketball gespielt, aber nie Fußball“, erzählt er. In der C II der SG Telgte bekam er anfangs kein Bein auf den Boden. Er hat zunächst aufgehört, dann alleine hart trainiert und ist schließlich doch zum Fußball zurückgekommen.

Leistungssprung

Das klappte: In der C III der SG spielte er auf Anhieb richtig gut. „Ich habe, glaube ich, in einer Saison 30 Tore geschossen“, sagt Adel. Als er in der C II aushalf, traf er gleich fünf Mal. Seinen Leistungssprung bekamen auch die damaligen Trainer der C I mit. „Adel war unglaublich schnell und hatte Talent. Außerdem konnte er sehr gut mit dem Ball umgehen. Er wäre in jeder anderen Mannschaft verschenkt gewesen“, betonen die Coaches Stephan Dietzmann, Hartmut Ix und Markus Austrup. Der Fußball-Anfänger Adel spielte die Saison bei der C I zu Ende, dann zog das Trainertrio ihn hoch in die B I – ein weiterer großer Sprung von der Leistungsklasse in die Bezirksliga.

Ungerecht behandelt

Aber es war nicht von Anfang an leicht für den jungen Syrer. Er musste sich oft durchbeißen, häufig fühlte er sich ungerecht behandelt – und das nicht nur beim Fußball. Viele Menschen hätten Vorurteile ihm gegenüber gehabt. Der Flüchtling wurde anfangs nicht überall akzeptiert, auch nicht auf dem Platz. „Das hat mich sauer gemacht, aber jetzt denke ich mir, es ist egal, was andere sagen.“ Im Training war die Kommunikation schwer, oft hat Adel die Übung nicht verstanden.

Joggen um sechs Uhr

Der 15-Jährige hat alle Anfangsschwierigkeiten überwunden. Er hat sich gut eingelebt und Kumpel gefunden: „Ich habe eigentlich fast alle meine Freunde beim Fußball kennengelernt“, sagt Adel. In Syrien hat er mit 13 Jahren Großeltern, andere Verwandte und Freunde zurückgelassen. Immerhin, der Kontakt hält in vielen Fällen: „Wir telefonieren.“ Der Schüler möchte weiter Fußball spielen und außerdem sein Abitur schaffen. Danach ist es sein Traum, etwas im Bereich Sport zu machen. Dafür tut er viel: „Ich gehe jeden Tag um sechs Uhr morgens joggen.“

Vor zwei Jahren erst ist Adel Al Hammoud mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Heute bezeichnet er Telgte als seine Heimat.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118098?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F57556%2F
So wundervoll ist der goldene Herbst im Münsterland
Video: Indian Summer: So wundervoll ist der goldene Herbst im Münsterland
Nachrichten-Ticker