Fußball: Deutsche Ärztemannschaft
Dr. Nikolaos Trifyllis: Aus der Kreisliga zur Weltmeisterschaft

Westbevern -

Als früherer Kreisliga-Kicker bei einer Weltmeisterschaft in Mexiko auf dem Platz zu stehen, ist keine schlechte Karriere. Dr. Nikolaos Trifyllis hat das geschafft dank seines Berufes. Der 47-jährige Westbeverner gehört zur deutschen Ärztemannschaft.

Samstag, 02.11.2019, 06:00 Uhr
Das ist die deutsche Fußball-Ärztemannschaft der Altersklasse Masters (über 45 Jahre) mit Dr. Nikolaos Trifyllis (obere Reihe, Dritter von rechts).
Das ist die deutsche Fußball-Ärztemannschaft der Altersklasse Masters (über 45 Jahre) mit Dr. Nikolaos Trifyllis (obere Reihe, Dritter von rechts). Foto: privat

Früher hat Dr. Nikolaos Trifyllis in der Kreisliga gespielt. Jetzt kickt er bei Welt- und Europameisterschaften – zuletzt in Mexiko, bald in Spanien und Argentinien. Das ist kein schlechter Karrieresprung. Den hat der Mann, der seit Ende 2015 in Westbevern lebt, seinem Beruf zu verdanken. Der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im St.-Franziskus-Hospital in Münster gehört seit diesem Jahr zur deutschen Fußball-Ärztemannschaft.

In diese Auswahl ist Trifyllis über einen Kumpel gerutscht. „Es gibt ein Probetraining, ein Kennenlernen, und wenn beide Seiten sagen, es passt, dann ist man dabei“, erklärt der 47-Jährige. Zugelassen zu dieser vereinsmäßig organisierten Nationalmannschaft sind nur approbierte Ärzte, also auch keine Medizinstudenten, die womöglich deutlich älteren Gegnern locker davondribbeln. Die deutschen Ärzte bilden zwei Teams: die Champions mit Mitgliedern bis 45 Jahren und die Masters mit den Jahrgängen darüber. Zu diesem Aufgebot mit insgesamt rund 25 Spielern gehört Trifyllis. Niedergelassene Ärzte sind ebenso dabei wie Krankenhaus-Mediziner, Fachärzte jeder Richtung, Kollegen im Ruhestand und Assistenzärzte.

Leistungsschwimmer

„Ich hätte nicht gedacht, dass meine fußballerischen Fähigkeiten ausreichen“, schmunzelt Trifyllis. In seiner Heimatstadt hat er beim SC West Köln bis zur Kreisliga gespielt. Der Westbeverner, dessen Eltern aus Griechenland stammen und der beide Staatsbürgerschaften besitzt, hat früher leistungsmäßig geschwommen, Spezialdisziplin Rücken. Bis zu Westdeutschen Meisterschaften hat er es gebracht. Im Becken die Kacheln zählen ist heute nicht mehr sein Ding. Neben dem Fußball ist er mit Tennis angefangen.

Der Aufwand ist überschaubar.

Nikolaos Trifyllis

Viermal war Trifyllis in diesem Jahr für die Ärzte-Combo im Einsatz, zuletzt am vergangenen Wochenende bei einer Benefizveranstaltung in Koblenz. „Der Aufwand ist überschaubar. Es wird aber schon erwartet, dass man regelmäßig dabei ist“, sagt der Abwehrspieler. „Es ist immer sehr, sehr nett mit der Mannschaft. Wenn wir mal an einem Wochenende zusammen sind, wird auch gefeiert.“ Einmal pro Jahr treffen sich die Mediziner zu einem mehrtägigen Trainingslager, ansonsten halten sie sich alle eigenständig fit. Trifyllis kickt regelmäßig mit Kollegen des Franziskus-Hospitals.

Jedes Jahr eine WM

Für die Spiele und Turniere muss er natürlich Urlaub nehmen, das ist Freizeit. Eine Woche dauerte die Weltmeisterschaft, die jedes Jahr stattfindet, in diesem Sommer in Mexiko. Die World Medical Football Championships werden seit 1996 ausgetragen. Dafür müssen sich die Länderteams nur anmelden, nicht qualifizieren. Der Ehrgeiz ist trotzdem groß. Die Ungarn, so erzählt Trifyllis, wurden für eine WM gesperrt, weil sie Spieler eingesetzt hatten, die keine Ärzte sind. Die deutschen Masters landeten in Mexiko auf dem siebten Platz und die Champions auf Rang neun unter jeweils 24 Mannschaften.

Fortbildung plus Fußball

„Es geht auch ums Gewinnen, aber trotz aller Ambitionen ist die Atmosphäre sehr nett“, betont Trifyllis. Die Blutgrätsche eines Orthopäden sieht man eher nicht. „Das Schöne ist, dass man weltweit Mediziner und Fußballer kennenlernt.“ Auch bei der WM endet der Horizont der Weißkittel nicht an der Seitenauslinie. „Es gibt ein wissenschaftliches Programm mit Vortragsreihen. Da kann man sich medizinisch weiterbilden“, berichtet Trifyllis.

Im Mittelpunkt der großen Turniere steht trotzdem der Fußball. Und der bringt den ehemaligen Kreisliga-Kicker aus Köln im nächsten Jahr voraussichtlich zur ersten Europameisterschaft, die in der Nähe von Barcelona stattfinden soll, und zur nächsten Weltmeisterschaft nach Buenos Aires.

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