Handball: HV Westfalen stellt Weichen für weitere Saison
Das denken die Handball-Vereine über eine mögliche Saison-Fortsetzung ab März

Kreis Warendorf -

Der HV Westfalen hat zwei Szenarien beschlossen, wie es ab Frühjahr im Amateur-Handball weitergehen kann. Die heimischen Vereine treibt bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs die Sorge über ein erhöhtes Verletzungsrisiko um. Und sie halten zumindest eine Option für völlig abwegig.

Dienstag, 12.01.2021, 16:04 Uhr
Der HV Westfalen hat ein mögliches Szenario entworfen, nach dem ab 1. März wieder Handball gespielt werden kann. Die heimischen Vereine, wie hier
Der HV Westfalen hat ein mögliches Szenario entworfen, nach dem ab 1. März wieder Handball gespielt werden kann. Die heimischen Vereine, wie hier Foto: René Penno

Die Corona-Pandemie hält auch die heimischen Handballer weiter auf Trab. Der Handballverband Westfalen hat das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen intensiv beobachtet.

Wie im November mit den Vereinen vereinbart, äußert er sich nun im Januar, ob und wie es im Frühjahr weitergehen könnte. Im Bereich des Erwachsenen-Spielbetriebes haben die beiden Verantwortlichen Andreas Tiemann (Vizepräsident Spieltechnik) und Bernd Kuropka (stellvertretender Vorsitzender der Technischen Kommission) Alternativszenarien entworfen.

Zwei Optionen stehen im Raum

Diese wurden dem Erweiterten Präsidium vorgestellt, das daraufhin einstimmig Folgendes beschlossen hat:

• sofern zulässig, wird der Spielbetrieb in den Ober-, Verbands- und Landesligen der Frauen und Männer am 1. März wieder aufgenommen und die angefangene Saison durch eine Einfachrunde zu Ende gespielt.

• Wenn ein Start am 1. März mit einer entsprechenden Vorbereitungszeit nicht möglich ist, werden – sofern dann zulässig – im April und Mai unter allen aufstiegswilligen und -berechtigten Vereinen die vorgesehenen Aufsteiger in den einzelnen Spielklassen ausgespielt. Dazu wird es eine Neuorganisation der Staffeln geben.

Für Vereine, die nicht aufsteigen, aber die Fortsetzung des Spielbetriebs wünschen, wird ein entsprechender Wettbewerb organisiert werden. Hierbei wird auch kurzfristig auf das aktuelle Pandemiegeschehen reagiert. Sofern notwendig, wird dieses unter vom Verband vorgegebenen Testkonzepten erfolgen. Sportliche Absteiger sind nicht vorgesehen; lediglich Vereine, die nicht erneut melden, werden bei der Saisonplanung 2021/2022 nicht mehr berücksichtigt. Mit dem letzten Wochenende im August (28./29. August) hat das Erweiterte Präsidium zudem den Saisonstart für die nächste Saison festgelegt. Es wird dann in jedem Fall einen erhöhten Abstieg geben, um in angemessener Zeit wieder auf die Sollstärken der Staffeln zurück zu kommen.

Für jeden Verein ein Angebot

Bernd Kuropka ist zufrieden mit den Vorschlägen des Verbands: „Mit dem nunmehr vorgestellten Abläufen haben die Vereine ein bisschen mehr Planungssicherheit in dieser unruhigen Zeit. Vereine, die aktuell nicht spielen können oder wollen brauchen nicht zu befürchten, dass sie aufgrund des Virus absteigen müssen. Ich bin der Überzeugung, dass wir mit diesem Angebot die Interessen der Vereine erfüllen werden. Für jeden Verein, der spielen kann und möchte, haben wir nunmehr ein Angebot.“

Andreas Schwartz, Trainer der Landesliga-Herren von Eintracht Dolberg, begrüßt ausdrücklich, dass sich der Handballverband frühzeitig mit dem Thema befasst hat und mögliche Lösungen offen kommuniziert. „Das freut mich“, sagt Schwartz. Auch dass es den Vereinen freigestellt sein soll, in welcher Form sie teilnehmen, findet der SVE-Coach gut. „Allein – mir fehlt die Vorstellungskraft, wie wir ab März oder auch erst ab April überhaupt wieder zu einem Spielbetrieb kommen sollen.“ Nach einer dann mindestens viermonatigen Spielpause bedürfe es einer sechs- bis achtwöchigen Vorbereitungsphase. „Und damit meine ich nicht Bauch-Beine-Po und jeder läuft für sich allein, sondern eine handballspezifische Vorbereitung. Es ist etwas ganz anderes, ob man sich allgemein fit hält, oder ob man einen Ball aufs Tor wirft“, sagt Schwartz. „Da habe ich auch eine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Jungs.“ Wie die Mannschaft darüber denkt, will der Dolberger Übungsleiter in den nächsten Tagen erfragen.

Landau glaubt an Saison-Abbruch

Für Uwe Landau, den Trainer der Verbandsliga-Handballerinnen derAhlener SG, hören sich die bisherigen Pläne des Verbands zu einem baldigen Neustart „noch etwas sehr waghalsig“ an und zwar sowohl in Bezug auf die Corona-Pandemie als auch auf die generelle Verletzungsgefahr der Spielerinnen. „Nach aktueller Lage kann ich mir nicht vorstellen, dass wir die Saison überhaupt noch zu Ende bringen. Ich glaube nicht, dass es vor Sommer überhaupt wieder in die Halle gehen kann. Handball ist schließlich ein Vollkontaktsport“, sagt Landau.

Zwar fehle ihm die Saison und der Kontakt zur Mannschaft „unheimlich“. „Aber ich möchte auch nicht am Ende eine schwersterkrankte Spielerin haben, die sich deswegen angesteckt hat.“ Am liebsten würde er die Saison daher schon jetzt „knicken“ und den kompletten Fokus auf die kommende Spielzeit ab Herbst legen. „Ich schätze, das Konzept kommt gar nicht mehr zum Tragen“, vermutet er.

Vom Rundbrief überrascht

Auch beim SC DJK Everswinkelglauben sie zumindest nicht an einen Re-Start ab 1. März und verweist auf die mindestens vierwöchige Vorlaufphase, die dafür nötig sei. „Natürlich hoffen wir darauf, bald wieder spielen zu können. Aber im Moment kann ich mir das nur sehr schwer schon zum 1. März vorstellen“, sagt Stefan König, Handballabteilungsleiter des Vereins. Die Everswinkeler haben mit den Oberliga-Damen und den beiden Herren-Teams in der Landesliga gleich drei Mannschaften im gehobenen Leistungsbereich und auch drei Hallen zur Verfügung. „Da haben wir es im Vergleich zu vielen anderen Vereinen gut, bei denen sicher auch die Frage ist, ob die überhaupt rechtzeitig wieder in die Hallen dürfen“, so König. Der Abteilungsleiter zeigte sich zudem vom jetzigen Vorstoß des Verbandes überrascht. „Wir hatten seit dem letzten Staffeltag nichts mehr vom Verband gehört. Deshalb hat mich der jetzige Rundbrief mit den zwei Optionen schon etwas irritiert“, so König.

Nur noch um die goldene Ananas

„Niemals kann ab März wieder gespielt werden. Das ist völlig unrealistisch“, sagt Andreas Krause, Abteilungsleiter des TV Friesen Telgte (Landesliga). „Grundsätzlich würden wir spielen, aber nur, wenn alles sicher ist und wenn wir dafür mindestens vier Wochen Vorbereitung in der Halle bekommen. Ansonsten wäre es für die Spieler zu gefährlich.“ Für eine mögliche Aufstiegsrunde zur Verbandsliga würden sich die Friesen nicht anmelden. „Wenn wir noch spielen in dieser Saison, dann nur um die goldene Ananas“, so Krause.

Ähnlich sieht das Stefan Hamsen, Trainer der Landesliga-Herren der Warendorfer SU. „Wenn der Spielbetrieb ab dem 1. März wieder startet, würde ich wahrscheinlich einen Besen fressen – mit Stiel. Ich halte es für völlig utopisch, darüber zu sprechen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen – wenn man gleichzeitig hört, dass die Inzidenzwerte weiterhin nicht sinken.“ Man solle darauf hoffen, dass die Maßnahmen der Pandemiebekämpfung langsam greifen. „Und dann sollte man erst einmal zu einem geordneten Trainingsbetrieb kommen, ehe man über Meisterschaftsspiele spricht.“

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