Volleyballerin mit Herzblut
Münsterische Ex-Nationalspielerin Uschi Westphal wurde in die „Hall of Fame“ aufgenommen

Vor dem Sekretariat der Marienschule in Münster herrscht viel Betrieb. Schülerinnen, Lehrerinnen und Lehrer gehen zumeist eiligen Schrittes über den Flur, Bürotüren werden laufend geöffnet und wieder geschlossen. Es ist große Pause. Aus dem Lehrerzimmer kommt Uschi Westphal und empfängt ihren Gesprächspartner mit einem herzlichen Lächeln.

Samstag, 30.03.2013, 13:03 Uhr

Volleyballerin mit Herzblut : Münsterische Ex-Nationalspielerin Uschi Westphal wurde in die „Hall of Fame“ aufgenommen
Perfekte Haltung: Uschi Westphal hat ihre Freude am Volleyball nie verloren. Foto: Jürgen Peperhowe

An dem münsterischen Mädchengymnasium ist die 63-Jährige ein Urgestein, wie sie selbst schmunzelnd anmerkt. Aber nicht nur dort. Der Name Westphal steht bundesweit seit vielen Jahrzehnten für erfolgreichen Volleyballsport. So feierte Uschi Westphal zwischen 1967 und 1983 als Zuspielerin mit ihren Clubs USC Münster und 1. VC Hannover neun Deutsche Meisterschaften, fünf Siege im Deutschen Pokal und auf internationalem Parkett den Gewinn des CEV-Pokals. 124-mal trug die gebürtige Wilhelmshavenerin das Trikot des deutschen Nationalteams.

Jüngst erinnerte sich das „Volleyball Magazin“ an die erfolgreiche Sportlerin aus Münster und ehrte Uschi Westphal für ihre Verdienste um den deutschen Volleyballsport: Sie wurde in die „Hall of Fame“, die Ruhmeshalle der außergewöhnlichen Protagonisten der Szene, aufgenommen. Eine Ehre, die Uschi Westphal überraschte und zugleich erfreute: „Ich bin durch Zufall darauf aufmerksam geworden, weil mein Sohn Niels dies in der aktuellen Ausgabe entdeckte. Ich bin stolz, dass man sich noch an mich erinnert.“

Dabei kam die Quereinsteigerin erst über Umwege zum Volleyball. „In meiner Heimatstadt Wilhelmshaven war Korbball der Sport schlechthin.“ Auch in dieser Sportart machte Uschi Westphal ihren „Meister“ – zwei Titelgewinne stehen in ihrer sportlichen Vita. Da sie aber parallel beim Schulsport auf den Volleyballgeschmack gekommen war, wählte die damals 18-Jährige gezielt ihren Studienort nach sportlichen Präferenzen aus. Beim damals amtierenden Deutschen Meister 1. VC Hannover startete die Nachwuchsspielerin ab 1968 durch: Nachdem sich die etatmäßige Zuspielerin verletzt hatte, schlug Uschi Westphals Stunde. Fortan war sie Stammkraft, ihre Karriere nahm rasant Fahrt auf.

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Viele Erfolge feierte Uschi Westphal auf nationaler und internationaler Ebene. (Foto: Jürgen Peperhowe)

1972 zog die Niedersächsin nach Westfalen, pritschte und baggerte dann für den USC Münster. Dieses Jahr verbindet die zweifache Mutter auch mit einem der Höhepunkte in ihrer Sportler-Laufbahn: der Teilnahme an den Olympischen Spielen in München. „Das Miteinander aller Nationen bei dem Treffen der besten Athleten der Welt war etwas ganz Tolles. Ich hatte das Glück, als Zuschauerin den Leichtathletik-Wettkampf miterleben zu können, bei dem Ulrike Meyfarth und Heide Rosendahl ihre Goldmedaillen gewannen. Diese Live-Atmosphäre war faszinierend“, schwärmt Uschi Westphal.

Aber sie erlebte hautnah auch die traurige Seite der Spiele mit – die Geiselnahme und das Attentat von München. „Am Tag der Geiselnahme in der Connollystraße im olympischen Dorf sind wir auf dem Weg zum Training mit unserer Mannschaft noch diese Straße entlang gegangen und ich konnte die maskierten Geiselnehmer auf dem Balkon sehen. Weiträumig abgesperrt war da nichts. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, wie dilettantisch doch die Sicherheitsmaßnahmen damals waren.“ Vom Ausmaß und dem blutigen Ende der Gewaltaktion erfuhren Uschi Westphal und ihre Mitspielerinnen erst am Abend. „Obwohl es über 40 Jahre zurückliegt, läuft mir auch heute noch ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich an die Trauerfeier für die Opfer im Olympiastadion denke. Das berührt mich immer noch sehr.“

Nach ihrer Rückkehr nach Münster blieb Uschi Westphal weiter in der Erfolgsspur. „Das war nicht immer einfach für mich, meinen Lehrerberuf und den Sport miteinander zu verbinden.“ Auch „Familienpflichten“ gesellten sich hinzu: 1975 kam ihr Sohn Niels und drei Jahre später dessen Bruder Christian auf die Welt.

Genau 30 Jahre liegt ihr Abschied vom USC nunmehr zurück. Nach dem Karriereende ließ sich Uschi Westphal 1985 zu einem Comeback beim SV 91 Münster überreden. Nach zwei Aufstiegen in Folge bis in die 2. Bundesliga sorgte sie als 40-Jährige für eine Saison noch ein letztes Mal in der 1. Bundesliga für das Zuspiel beim TV Hörde, wo die Ex-USC-Akteurinnen Ulrike Schmidt und Maike Friedrichsen ihre „blutjungen“ Mitspielerinnen waren.

Sporadischen Kontakt hat die Münsteranerin noch zu zwei Mitspielerinnen aus ihrer USC-Zeit: Margarete Herzog und Annedore Richter. Im Vergleich zu ihrer aktiven Zeit sind Uschi Westphal, die öfters noch in der Halle Berg Fidel vorbeischaut, einige markante Veränderungen aufgefallen: „Der Trainingsaufwand ist höher und es wird mehr Wert auf Athletik gelegt. Damals spielten vorrangig Frauen an einem Volleyball-Standort, die aus der Gegend kamen. Das hat sich grundlegend geändert. Ich selbst habe früher keine müde Mark beim USC verdient. Mittlerweile spielen Sponsoren ja eine große Rolle: Die Bundesliga-Vereine müssen schon recht viel bezahlen, um an der Spitze mitspielen zu können.“

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Ihre Volleyball-Begeisterung gibt Uschi Westphal auch an ihre Schülerinnen in der Marienschule weiter. (Foto: Jürgen Peperhowe)

Ihre Begeisterung für Volleyball hält bis heute an. So trainiert Uschi Westphal zweimal pro Woche in gemischten Teams, in denen Lehrerkollegen und ehemalige Schüler mitspielen. „Ich habe so gut wie nie mit dem Volleyball aufgehört. Es macht mir immer noch Spaß.“

Noch immer ist die 63-Jährige schlank, ihre Augen glänzen, wenn sie erzählt: „Beim Spielen kann ich immer gut die Welt um mich herum vergessen und meine Gefühle voll ausleben. Also, im positiven Sinne, da ich Leute im Spiel dadurch gut mitziehen und richtig motivieren kann …“

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