Volleyball: Bundesliga
Ines Bathen beendet ihre Karriere

Münster -

Ines Bathen schafft Fakten: Noch wartet sie auf einen Bescheid der Bezirksregierung, wohin ihr Weg als angehende Lehrerin führen wird. Doch die Spielerin des USC Münster will ihren Verein nicht länger auf die Folter spannen – und macht den Weg frei für neue Planungen, was der Verein sehr bedauert ...

Dienstag, 17.07.2018, 19:22 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 17.07.2018, 13:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 17.07.2018, 19:22 Uhr
Ines Bathen
Ines Bathen Foto: fotoideen.com

Ines Bathen kann gar nicht sagen, ob am Ende Kopf oder Bauch entscheidend waren. Bei der Entscheidung jedenfalls lagen beide schließlich auf einer Wellenlänge: Die Bundesliga-Spielerin des USC Münster beendet kurz vor ihrem 28. Geburtstag ihre sportliche Karriere und beginnt ihre berufliche.

„Eine Entscheidung für den Job und nicht gegen den USC“, betont die Außenangreiferin, die nach elf Saisons im Bundesligateam der Westfalen das Dutzend nicht mehr voll machen wird. In Kürze hat Bathen ihren „Master of Education“ in der Tasche, fürs Referendariat hat sich die Sport- und Geografie-Studentin zum Spätsommer für den Standort Münster beworben. „Es hat sehr lange gedauert, bis ich endgültig sicher war, den Schritt zu machen, es war eine sehr schwere Entscheidung. Die Gewissheit, es so zu machen, ist in den letzten Monaten immer mehr gereift“, gesteht die 27-Jährige. Jetzt steht der Entschluss fest.

Für den USC Münster ist das sportlich und menschlich ein herber Verlust, Bathen war Dauerbrennerin, Identifikations-, oder gar Galionsfigur, ein Musterprofi mit großem (Kämpfer-)Herz, ein Teamplayer par excellence. Fast ist es ihr peinlich, mit diesen Attributen belegt zu werden, „ich finde nicht, dass beim Teamsport Einzelne herausgestellt werden müssen“, sagt Bathen. Gerade deshalb war sie für den USC in den letzten elf Jahren so wertvoll.

Ines Bathen - eine Volleyball-Karriere beim USC Münster

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  • Vom RC Sorpesee wechselte Ines Bathen 2007 zum USC Münster.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Im Sommer 2007 zog Ines Bathen ins damals neue Sportinternat am Standort an der Grevener Straße in Münster ein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Eigentlich kam Ines Bathen als prädestinierte Beach-Volleyballerin nach Münster. Im Sand sahen die Scouts und Talentförderer ihre Zukunft. Für den Hallenvolleyball schien sie mit ihren 1,72 Meter Körpergröße zu klein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch die gebürtige Sauerländerin überraschte alle Skeptiker. Ex-USC-Coach Axel Büring, heute Sportleiter des USC und damals Bundesligatrainer, nahm Bathen als 17-Jährige mit zu Testspielen. Sie überzeugte den Trainer wie auch die USC-Fans und wurde fester Bestandteil des Bundesligakaders.

    Foto: Peter Leßmann
  • Nach dem Titelgewinn bei der U-20-Weltmeisterschaft durfte sich Ines Bathen (2.v.r.) 2010 ins Goldene Buch der Stadt Münster eintragen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit dem USC Münster durchlebte Ines Bathen Höhen und Tiefen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ines Bathen entwickelte als Lehramtsstudentin für die Fächer Sport und Geografie die Gabe, Heranwachsende zu begeistern - in der Schule wie auch für Volleyball.

    Foto: kv
  • In ihrer Zeit beim USC wurde die U20-Weltmeisterin von 2009 in der 1. Liga sechs Mal mit der MVP-Medaille (wertvollste Spielerin) ausgezeichnet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ines Bathen kommt auf etwa 300 Pflichtspieleinsätze für den USC Münster in der 1. Bundesliga und im DVV-Pokal.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch nach Verletzungen kämpfte sich die 27-Jährige, die am 27. August Geburtstag feiert, immer wieder zurück ins Team.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ihre Erfahrung gibt Ines Bathen auch an der Volleyball-Nachwuchs weiter - wie zum Beispiel als Trainerin der Volleyball-Mannschaft des Pascal-Gymnasiums.

    Foto: Pascal-Gymnasium
  • „Bisher hat Volleyball mein Leben bestimmt. Das ändert sich jetzt. Der Sport hat mir super viel gegeben, ich wäre ohne ihn heute nicht die Person, die ich bin“, sagt Ines Bathen.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Dabei gab es im Sommer 2007, als Ines ins neue Sportinternat einzog, das damals noch in der DJK-Sportschule an der Grevener Straße beheimatet war, wohl keinen, der diese Karriere so vorausgesehen hätte. Eigentlich kam Bathen als prädestinierte Beacherin nach Münster. Im Sand sahen die Scouts und Talentförderer ihre Zukunft. Für Hallenvolleyball zu klein mit ihren 1,72, hieß es. Die Größe von Bathen war immer ein Thema – am wenigsten allerdings für die gebürtige Sauerländerin selbst. Als Axel Büring, heute Sportleiter des USC und damals Bundesligatrainer, der erst zwei Jahre zuvor das Double nach Münster geholt hatte, die 17-Jährige mit zu Testspielen nahm, zeigte sich die junge Dame unbeeindruckt. Im Gegensatz zum Coach und vielen Zuschauern. Mit ihren Sprungaufschlägen hinterließ Ines damals ein staunendes Publikum. Ein bisschen 2. Bundesliga bekam Bathen dann noch mit, dann reiste sie als Ersatz für die verletzte Anika Brinkmann mit zum Bundesliga-Spiel nach Hamburg, wenig später gehörte sie fest zum Kader. Und bringt es heute auf etwa 300 Pflichtspieleinsätze für den USC in der 1. Bundesliga und dem DVV-Pokal.

Interview: Axel Büring über Ines Bathen

Axel Büring ist Sportlicher Leiter des USC Münster – war aber auch viele Jahre lang Trainer des Bundesligisten und natürlich von Ines Bathen. WN-Sportredakteur Ansgar Griebel befragte ihn nach Bekanntgabe von Bathens Karriereende. 

Können Sie sich noch an ihre erste Begegnung mit Ines Bathen erinnern?

Axel Büring: Natürlich. Sie ist ja ganz jung zur ersten Mannschaft gestoßen. Ich begleite sie eigentlich schon, seit sie 16 ist. Denkwürdig für uns beide ist noch ihr letzter Schultag am Gymnasium, der in die Playoff-Phase fiel ...

...und deswegen partytechnisch ausfallen musste, weil der Trainer das letzte Wort hatte.

Büring (lacht): Nein, so ist das nicht. Ich habe das nicht angeordnet, wir haben uns geeinigt ...Die alte Rechnung wird jetzt beglichen: Jetzt macht die Schule das Rennen gegen den USC.Büring: Ja. Das ist eine Entscheidung, die kurzfristig schmerzt, langfristig aber vernünftig ist. Es ist ein Verlust für den Verein, aber ein Gewinn für Münster, wenn Ines hier in der Stadt gehalten werden könnte, und dann wird sie in irgendeiner Form auch dem USC weiter verbunden bleiben.

Wie groß ist der Verlust für den USC?

Büring: Ines ist nicht zu ersetzen, weil sie für den Verein steht, wie keine andere Spielerin und weil sie schon seit elf Jahren für den USC spielt. Es ist ein großer Verlust für den USC, der eine seiner überragenden Persönlichkeiten verliert.

Was zeichnet Ines Bathen aus?

Büring: Sie war schon immer sehr klar, in dem, was sie wollte, in ihrer Einstellung, schon als 16-Jährige. Für mich ist sie „Mrs. Zuverlässig“. In den acht Jahren, die ich sie trainiert habe, hat sie nie weniger als sagen wir 85 Prozent Leistung abgeliefert.

Sie gehen jetzt in Urlaub mit einer offenen Planstelle im Kader.

Büring: Ja, wir werden eine neue Außenangreiferin finden müssen. Wie schon gesagt, wir werden sie nicht 1:1 ersetzen können, weil sie auch als Persönlichkeit und Führungsspielerin nicht so schnell zu ersetzen ist. Aber wir sondieren den Markt nicht nur nach sportlichen Kriterien. Sie muss auch in die Mannschaft und zur Mannschaft passen. Wir suchen nicht nach einer Nationalspielerin, aber wir werden eine gute Lösung finden. Ich bin da sehr optimistisch.

...

Die Fans in Münster haben Ines Bathen immer auf Schultern getragen, würden ihr am liebsten ein Denkmal setzen. Und sie werden sie in absolut bester Erinnerung als Aktive behalten. Denn in der letzten Saison hinterließ die U20-Weltmeisterin von 2009 einen überragenden Eindruck, den auch satte sechs MVP-Medaillen objektiv dokumentieren. Nach dieser Wertung war Bathen jedenfalls die wertvollste Spielerin des USC 2017/18. Und vielleicht hatte ihre Entscheidung auch damit zu tun: „Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Und ich hatte ein unfassbar geiles letztes Jahr mit diesem Team!“, so Bathen: „Jetzt freue ich mich auf eine neue, eine andere Herausforderung, diesmal nicht im sportlichen Bereich. Es ist für mich ein neuer Entwicklungsschritt, ein neuer Lebensabschnitt!“ Und es war eine Entweder-oder-Entscheidung. Denn eines war für die 27-Jährige klar: „Profi-Volleyball und eine feste Anstellung zusammen – das ist für mich keine Option. Irgendwo hätte ich dann nicht hundert Prozent gebracht, wahrscheinlich sogar auf beiden Ebenen.“ Für eine Ines Bathen inakzeptabel.

So gewöhnt sich Ines langsam daran, dass Veränderungen kommen, „dass es für mich eine komplette Umstellung wird. Bisher hat Volleyball mein Leben bestimmt. Das ändert sich jetzt. Der Sport hat mir super viel gegeben, ich wäre ohne ihn heute nicht die Person, die ich bin.“ Bei allem sportlichen Verlust, können Fans und Verein aber schon einmal positiv nach vorne schauen: „Ich werde dem USC – in welcher Form auch immer - erhalten bleiben“. Nur eben nicht mehr auf dem Bundesliga-Spielfeld.

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