Volleyball: Interview mit Dirk Berscheidt
„Bin als Kommentator Einzelkämpfer“ – USC Münster live bei Sport1

Münster -

Am Mittwoch kommen die Volleyball-Frauen des USC Münster in den Genuss eines Live-Spiels. Sport1 überträgt das Duell in Schwerin. Kommentator: Szene-Kenner Dirk Berscheidt.

Dienstag, 06.11.2018, 12:58 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 17:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 06.11.2018, 12:58 Uhr
Für Dirk Berscheid ist Volleyball der Sport Nummer 1 bei Sport1.
Für Dirk Berscheid ist Volleyball der Sport Nummer 1 bei Sport1. Foto: Sport1/Rupp

Erst im Alter von 16 Jahren kam Dirk Berscheidt vom Fuß- zum Volleyball – und blieb dieser Sportart bis heute treu. Nach seiner Karriere als Zweitliga-Spieler wechselte er ans Mikrofon und ist nun Deutschlands „Voice of Volleyball“. Als Kenner der Szene hat der gebürtige Kölner eine Menge erlebt – und schließt doch erst jetzt eine Lücke. Am Mittwoch (18.30 Uhr) kommentiert er erstmals eine Partie des USC Münster live im TV. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Henner Henning spricht Berscheidt über die Bundesliga, den USC und einen ungewöhnlichen Einsatz als Alleinunterhalter.

Der erste Spieltag liegt hinter uns, mit Favoritensiegen von Dresden und Schwerin und einem knappen Duell zweier Teams aus der Verfolgergruppe. War der Einstieg schon ein Vorgeschmack auf den Verlauf der Saison?

Dirk Berscheidt: Es ist zu Saisonbeginn meist schwierig, die Mannschaften einzuschätzen. Viele Teams hatten eine hohe Fluktuation, dazu waren in diesem Jahr viele Nationalspielerinnen bis kurz vor dem Start bei der WM. Nach drei, vier Spieltagen sortiert sich das Feld, dann sind die Mannschaften im Wettkampf-Rhythmus. Aber überraschend waren die Ergebnisse nicht.

Am Mittwoch kommentieren Sie erstmals eine Partie des USC Münster. Wie gut kennen Sie den Verein?

Berscheidt: Den USC kenne ich schon lange, bereits seit meiner aktiven Zeit. Und seitdem ich seit 1995 kommentiere, spielte der USC ja immer eine Rolle in der Liga. Der Verein hat eine lange Tradition und ist eine Nummer.

Warum hat man dann in der vergangenen Saison den USC nicht live im TV sehen können?

Berscheidt: Das lag einzig am Spielplan. Sport1 ist ja relativ spät in die Saison eingestiegen, da hat es einfach nicht gepasst. Und im Playoff-Viertelfinale hatten wir uns dann für das Duell von Aachen und Wiesbaden entschieden.

Jetzt also steht Ihre USC-Premiere bevor. Wie bereiten Sie sich auf die Partie vor?

Berscheidt: Als Kommentator bin ich Einzelkämpfer. Ich habe meine Spielerlisten, schaue, was sich bei den Teams getan hat. Dazu kommt die klassische Recherche, zu der auch das Studieren der lokalen Presse sowie der Kontakt zu den Trainern gehört. Dazu zählt auch sich Münsters Spiel gegen Dresden noch einmal anzuschauen.

Sie haben vor vielen Jahren bei Sportdeutschland.tv mal eine Konferenz alleine gestemmt und kommentiert. Wie ging das denn?

Berscheidt: Das war wirklich spannend. Es liefen zwischen vier und sechs Partien parallel, ich hatte also vier bis sechs Monitore vor mir. Dazu kamen die Zettel mit meinen Informationen zu den Mannschaften und Spielen, da brauchte ich einen großen Schreibtisch. Mit einem Auge war ich bei dem Spiel, das ich kommentiert habe. Mit dem anderen habe ich versucht, das weitere Geschehen zu verfolgen. Ich hatte da keine Chance, in die Tiefe zu gehen. Aber es war eine Herausforderung und eine gute Erfahrung.

Wie schwer ist es, dem Zuschauer, der kein ausgewiesener Fan und Experte ist, Volleyball schmackhaft zu machen und für diese Sportart zu begeistern?

Berscheidt: Ich versuche, während der Übertragung die Zuschauer mitzunehmen. Das hängt sicher auch immer von den Bildern ab, die geliefert werden – und vom Spielverlauf. Mit einer Geschichte zu den Spielerinnen oder zum Trainer versuche ich, eine Bindung zu schaffen. Und Sport1 hat nun ja ein allumfassendes Angebot, bietet neben Live-Spielen mit dem wöchent­lichen Volleytalk auf Sport1.de sowie Highlights und Zusammenfassungen im Netz ein gutes Angebot an. Es macht Spaß, aber es ist sicher auch eine Sisyphusarbeit.

Sie haben Zweitliga-Volleyball bei den SSF Bonn gespielt. Wie sind Sie nach Ihrer sportlichen Karriere zu Ihrem heutigen Job gekommen?

Berscheidt: Ich bin da den klassischen Weg gegangen. In den 1990er Jahren kam die Zeit der Lokalradios, da habe ich bei Radio Leverkusen begonnen. Damals war Bayer im Volleyball ja noch ein großer Name. Dann hat das DSF ein Regionalstudio in NRW aufgebaut und bei mir angefragt. Seitdem bin ich dabei, zwischenzeitlich habe ich mal zwei Jahre die Seiten gewechselt und war beim DVV Pressesprecher.

Abschließend: Was haben Sie für Erwartungen und Hoffnungen für die Saison 2018/19?

Berscheidt: Das Niveau der Liga steigt kontinuierlich, und daher glaube ich, dass es eine größere Spannung geben wird. Stuttgart will endlich den Bock umstoßen und Meister werden, Dresden hat Ambitionen. Dahinter sind einige Teams mutiger in ihrer Zielsetzung geworden, das finde ich gut. Am Ende der Saison erwarte ich die großen drei wieder vorne, aber vielleicht gelingt in den Playoffs Mannschaften wie Münster, Aachen, Potsdam oder Wiesbaden eine Überraschung.

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