Volleyball: Bundesliga
„Unter 500 000 Euro geht nichts“

Münster -

Klaus-Peter Jung (63) ist Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga. Seit seinem Amtsantritt 2013 haben sich vor allem die Spitzenteams der Liga professionalisiert. Baustellen gibt es dennoch reichlich.

Dienstag, 02.04.2019, 09:18 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 16:06 Uhr
Klaus-Peter Jung ist seit 2013 Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga. Zuvor arbeitete er am Erstliga-Standort Vilsbiburg.
Klaus-Peter Jung ist seit 2013 Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga. Zuvor arbeitete er am Erstliga-Standort Vilsbiburg. Foto: volleyball bundesliga

Seit 2013 ist Klaus-Peter Jung (63) Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga. Unter seiner Federführung haben sich die deutschen Spitzenteams zunehmend professionalisiert. Gleichwohl gibt es noch viele Baustellen. Sportlich fehlt die Durchlässigkeit zwischen 1. und 2. Liga. Wirtschaftlich hält die Suche nach einem Ligasponsor weiter an. „Aber wir kommen einem Ergebnis immer näher“, sagt Jung im Interview.

In der Frauen-Bundesliga geht die Saison auf das Ende zu, und schon wird die Zeit wieder knapp. Was zur Folge hat, dass die Teams, die von den Plätzen fünf bis acht in die Playoff-Viertelfinals (best of three) starten, ihr voraussichtliches einziges Heimspiel an einem Mittwoch vor überschaubarer Kulisse austragen. Das führt zu Frust ...

Jung: Dafür habe ich Verständnis. Leider bewegen wir uns im Zeitkorsett des Weltverbandes, da ist die Luft knapp. Uns fehlen schlicht und einfach die Termine, wir brauchen einen Ganzjahresplan. Dafür kämpfen wir zusammen mit anderen nationalen Verbänden, bislang leider noch erfolglos.

Ist es vor diesem Hintergrund nicht falsch, zu Saisonbeginn ein Wochenende für den Supercup zu opfern?

Jung: Das ist kein Opfer, wir sind von diesem Wettbewerb überzeugt. Er ist neben dem Pokalfinal-Sonntag unser zweites Highlight und generiert uns weitere mediale Aufmerksamkeit.

Bei weniger als 6000 Zuschauern bleiben in der TUI-Arena in Hannover trotzdem viele Plätze leer ...

Jung: Es ist richtig, dass wir bei den Zuschauern noch keine optimale Entwicklung haben. Aber die, die kommen, machen gute Stimmung und zahlen auch. Wir waren jetzt zweimal in Hannover und haben bereits schwarze Zahlen geschrieben.

Zurück zur Frauen-Bundesliga: Das Oberhaus hat in den letzten Jahren mit Berlin, Hamburg, München und Leverkusen wichtige und traditionelle Standorte verloren. Das ist schon schmerzhaft genug. Dazu kommt, dass keiner aus der 2. Liga hoch will, es gibt keine Durchlässigkeit. Warum?

Jung: Ich weiß, das klingt jetzt hart: Letztendlich liegt es an klaren Fehleinschätzungen der Zweitligisten. Sie lehnen die Verpflichtung zur Hauptamtlichkeit ab. Das wäre aber ein wertvoller und wichtiger erster Schritt auf dem Weg in die Erste Liga. Dort – und das ist erwiesen – funktioniert das Management nur mit Ehrenamt nicht mehr.

Es braucht für den Sprung aber nicht nur Hauptamtlichkeit, sondern auch Geld. Sehen Sie eine Untergrenze?

Jung: Ja, ganz klar: Wer mit einem Etat unter 500 000 Euro plant, muss eigentlich gar nicht antreten. Das bringt weder den Club noch die Liga nach vorn.

Mit Straubing und Erfurt haben sich in den letzten zehn Jahren nur zwei Vereine in die 1. Liga gewagt. Sportlich ist Erfurt gerade abgestiegen ...

Jung: Erfurt plant weiter für die Bundesliga und wird wohl einen Antrag auf Lizenzerteilung stellen. Auch die anderen Bundesligisten möchten, dass Erfurt Erstliga-Standort bleibt. Es gibt da gerade eine große Solidaritätswelle.

VCO Berlin spielt im nächsten Jahr mit dem jüngeren Jahrgang in der 2. Liga. Ein Neuling mit Wild Card könnte das Feld wieder aufstocken. Ist jemand in Sicht?

Jung: Nein, für die Saison 2019/20 greift dieses neue Instrument noch nicht. Vielleicht im Jahr darauf, es gibt erste interessante Kontakte.

Also nur noch zehn Heimspiele in der Hauptrunde und für die schwächeren Viertelfinalisten noch ein weiteres mittwochs in den Playoffs. Das kann nicht die Zukunft sein ...

Jung: Was schlagen Sie vor?

Die Rückkehr zur Meisterrunde mit sechs Teams, festen Terminen und garantiert weiteren fünf Heimspielen. Das war vor vielen Jahren ein Erfolgsprodukt.

Jung: Die Meisterrunde war ohne Frage ein attraktives Produkt. Die klare Mehrheit der Bundesliga-Teams hat sich aber in einer Abstimmung für das derzeitige Playoff-System entschieden. Das ist Demokratie.

Noch immer wartet die Bundesliga auf einen Liga-Sponsor. Das war auch Teil des Masterplans. Zieht sich die Geschäftsführung in Berlin mit Ihnen an der Spitze diesen Schuh an?

Jung: Ja, natürlich, da sind wir nicht im Soll. Aber wir kommen einem Ergebnis immer näher. Zuletzt waren wir zweimal wirklich sehr nahe an einem Abschluss.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Jung: Mit unserem Marke-Relaunch und der TV-Präsenz sind uns sehr wichtige Erfolge gelungen. Wir haben nun viel bessere Verhandlungspositionen und können Werte vorweisen, die wir früher nicht präsentieren konnten. Das haben die Analysen eines Marktforschungsinstituts bestätigt.

Aber noch warten die Vereine, die ja das VBL-Center in Berlin finanzieren, auf rückflüssige Gelder ...

Jung: Es fließt ja schon etwas aus der Vermarktung der Medienrechte. Zugegeben, das ist noch nicht übermäßig üppig. Aber ich sehe uns auf dem absolut richtigen Weg.

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