Volleyball: Bundesliga Frauen
Das große Rätselraten beim kriselnden USC

Münster -

Der nächste Rückschlag für den USC Münster fühlte sich besonders schmerzhaft an. Einmal, weil die Mannschaft beim 2:3 gegen den VC Wiesbaden lange das wesentlich bessere Team war, aber auch, weil sie sich nach dem 3:2 in Straubing längst auf dem richtigen Weg wähnte.

Donnerstag, 19.12.2019, 14:42 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 15:36 Uhr
Oft setzte sich Lina Alsmeier (16 Punkte) wie hier gegen Tanja Großer (l.) und Klara Vyklicka durch. Doch als der USC einbrach, ließ nicht nur bei ihr die Durchschlagskraft nach. Münster kam nicht mehr aus dem Negativsog heraus und unterlag Wiesbaden 2:3.
Oft setzte sich Lina Alsmeier (16 Punkte) wie hier gegen Tanja Großer (l.) und Klara Vyklicka durch. Doch als der USC einbrach, ließ nicht nur bei ihr die Durchschlagskraft nach. Münster kam nicht mehr aus dem Negativsog heraus und unterlag Wiesbaden 2:3. Foto: Peter Leßmann

Als Tanja Großer, am Mittwochabend die Beste im Dress des VC Wiesbaden , den letzten Ballwechsel beendet und damit die 2:3-Niederlage des USC Münster besiegelt hatte, war sie da. Die große Enttäuschung. Und sie war nicht allein, auch ihre Geschwister – der große Frust und das große Rätselraten – machten es sich gemütlich in der Halle Berg Fidel. Was blieb? Immerhin ein Punkt, aber auch eine Menge offener Frage.

„Nicht zu begreifen“ – das war der allgemeine Tenor im Lager des USC, der über weite Teile der Partie einen guten Eindruck hinterließ. Der Aufschlag entfachte die gewünschte Wirkung, der Block pflückte sich die VCW-Versuche und im Angriff brachten zunächst Ivana Vanjak, Lina Alsmeier und Luisa Keller die Bälle auf den Boden. Münster war auf Kurs, führte nach dem guten ersten Durchgang auch im zweiten Abschnitt durchgehend. Bis zum 19:15, da ereilte die Unabhängigen der erste fundamentale Einbruch. „Diesen Satz müssen wir einfach zu Ende bringen, da haben wir uns selber in den Fuß geschossen“, sagte Vanjak. „Gewinnen wir den, dann gewinnen wir auch das Spiel mit 3:0. Das ist sehr ärgerlich“, fügte Libera Linda Bock hinzu.

Rückschlag Nummer eins aber verkrafteten die Grün-Weißen noch, kamen nahezu unbeeindruckt zurück und lieferten im dritten Abschnitt eine fast tadellose Leistung ab. Münster schien gefestigt, zog seinen Streifen bis zum 25:17 durch – um nach dem Seitenwechsel erneut das Momentum herzuschenken und im vierten Satz (0:6, 4:11, 9:23, 11:25) völlig auseinanderzubrechen. „Es ist mir unerklärlich, wie wir ein Team so dominieren können und klar besser sind, es aber letztlich nicht komplett auf das Parkett bringen. Ich bin echt sauer“, meinte Kapitänin Barbara Wezorke angefressen und schob als Erklärung hinterher: „Wir brauchen zu lange, um auf Sachen zu reagieren. Wir kommen dann nicht mehr heraus, alle fallen krass ab.“ In die gleiche Kerbe schlug auch Alsmeier. „Wir werden unruhig und wild, keiner vertraut mehr auf sich und sein Können. Das ist ansteckend. Unser größtes Manko ist die fehlende Konstanz.“

Zugutehalten muss man dem USC, dass er den Kopf nicht hängenließ und weiter Kampf und Leidenschaft reinwarf. So keimte zu Beginn des Tiebreaks (2:0, 4:2) Hoffnung auf, erneut einen Turnaround zu schaffen. Doch in der Summe waren die Mängel zu gravierend, als dass mehr als nur der eine Zähler herausspringen konnte. „Uns fehlen die Ruhe und die Routine, um in stressvollen Phasen unser Spiel durchzuziehen. Dazu müssen wir im Angriff schlauer agieren, so wie es Tanja Großer bei Wiesbaden gemacht hat“, sagte Münsters Trainer Teun Buijs, der in diesen Tagen sicher auch als Psychologe gefragt ist.

Die Lage in der Tabelle spitzt sich für den USC zu, nur noch drei Zähler trennen Münster und den VCW, der weiter auf Platz neun steht – und der berechtigt bekanntermaßen nicht zur Teilnahme an den Playoffs. Und ob Münster am Samstag (19 Uhr) beim Tabellendritten SC Potsdam, gegen den er im Pokal-Achtelfinale in heimischer Halle beim 0:3 chancenlos war, etwas Handfestes mit nach Hause nehmen darf, ist nach Mittwoch noch fraglicher geworden. „Wir müssen unsere Lektionen aus dem Wiesbaden-Spiel ziehen und es dann schnell abhaken. Schon bei der Medaillenvergabe habe ich an Potsdam gedacht“, sagte Vanjak, die als wertvollste USC-Spielerin der Partie mit Silber honoriert wurde.

Es gilt, die Enttäuschung und die Verunsicherung aus den Kleidern zu schütteln. Ob dies gelingt, bleibt eine weitere der derzeit vielen offenen Fragen, die den USC umhertreiben.

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