Volleyball: Bundesliga Frauen
USC gewinnt trotz Fehlstarts auch Krimi gegen Aachen

Münster -

Lange Zeit lieferte der USC Münster eine überaus triste Saison. Mit dem Einstieg ins neue Jahr stehen die Grün-Weißen aber plötzlich für Spektakel und Erfolg. Dem sensationellen 3:2 bei Meister Stuttgart folgte auch gegen LiB Aachen ein Tiebreak-Sieg – trotz eines miserablen Starts.

Sonntag, 19.01.2020, 17:38 Uhr aktualisiert: 20.01.2020, 14:52 Uhr
Aachens Vanessa Agbortabi (l.) und Taylor Nelson im Duell am Netz.
Aachens Vanessa Agbortabi (l.) und Taylor Nelson im Duell am Netz. Foto: Jürgen Peperhowe

Was für ein verrücktes Spiel. Da sah der USC Münster vier Tage nach seinem 3:2-Coup beim Meister Stuttgart am Sonntag gegen die Ladies in Black Aachen zwei Sätze wie der sichere Verlierer aus – und stieg dann wie Phönix aus der Asche und feierte noch einen 3:2-(15:25, 21:25, 25:20, 25:20, 16:14)-Erfolg. „Wir haben spät angefangen, es aber noch gedreht. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass die Mädels immer daran geglaubt haben und es durchgezogen haben“, sagte Trainer Teun Buijs nach den nervenaufreibenden 118 Minuten am Berg Fidel.

Von der Gala-Form des vergangenen Mittwochs war zunächst nichts zu sehen, der USC erlebte einen Katastrophenstart. Aachens Vanessa Agbortabi und Maja Storck mit je zwei Punkten zwangen Buijs direkt einmal zur ersten Auszeit, doch erst fünf Ballwechsel später gelangten die Unabhängigen nach einem Block von Lina Alsmeier auf die Ergebnistafel. Ein kurzes Strohfeuer, beim 1:11 unterbrach Münsters niederländischer Coach ein zweites Mal die Begegnung, um korrigierend einzugreifen – eine Besserung aber trat beim USC, der nun mit Luisa Keller für die bereits zweimal geblockte Liza Kastrup spielte, nur bedingt ein. Der Gast aus dem Dreiländereck war in allen Belangen überlegen, erarbeitete sich dank der starken Block-Feld-Abwehr immer wieder offensive Möglichkeiten, die Agbortabi, Storck oder Emilie Olimstad zu nutzen wussten. Der erste Abschnitt war schnell entschieden, Münster versuchte in der Folge, ins Spiel zu finden. „Super Aachen“ schallte es durch die Halle, in der die gut 100 Fans der Gäste nach dem einseitigen Auftakt natürlich die stimmliche Hoheit hatten. „Wir waren am Anfang nicht auf dem Feld und hatten daher viel Stress“, sagte Buijs.

Das einzig Positive aus Sicht der Unabhängigen war, dass es nicht viel schlechter werden konnte. Das Problem aber war: Es wurde zunächst auch nicht besser. Die grün-weiße Annahme wackelte erheblich, der Angriff ließ Durchschlagskraft, Härte und Spielwitz vermissen. Das in Stuttgart gewonnene Selbstvertrauen war nicht eine Sekunde zu sehen. Es drohte ein Debakel, bis zum 9:16 bekamen die Unabhängigen kaum ein Bein an die Erde. Dann aber bekrabbelte sich der USC, kam näher an die Ladies in Black heran – um genau zu sein, bis auf einen Punkt (19:20), ehe eigene Unzulänglichkeiten (ein Aufschlag- wie ein Annahmefehler) den Schwarz-Gelben auf dem Weg zum zweiten Satzgewinn halfen.

Immerhin, Münster war nun angekommen im einzigen NRW-Duell der Bundesliga und trat nach der Zehn-Minuten-Pause gefestigter und stabiler auf. Es war nicht alles Gold, was da glänzte. Doch das Team wirkte entschlossener. Nein, ein glattes 0:3 sollte es vor 2126 Zuschauern (Rekord in der laufenden Saison) nicht geben. Und gab es auch nicht, weil die Buijs-Truppe auch das 11:13 wegsteckte und sich angeführt von der jetzt stark aufspielenden Kastrup bis zum 18:15 erstmals ein Drei-Punkte-Vorsprung erarbeitete. Aachen wirkte angezählt – und kam mehr und mehr in Bedrängnis. Die Folge: Nach Vanjaks Hammer schaffte der USC den Anschluss.

Ja, da ging noch was. Wer hätte damit nach den ersten 46 Minuten Spielzeit und dem 0:2 gerechnet? Wohl kaum jemand. Aber die Grün-Weißen bastelten weiter an ihrem Comeback und strebten den zweiten Tiebreak binnen vier Tagen an. 8:3, 16:12 – das sah gut aus, auch als die Führung auf einen Zähler (20:19) schrumpfte. Kapitänin Barbara Wezorke mit drei der letzten vier USC-Punkte sorgte tatsächlich für den finalen Durchgang.

In dem ging es hoch her, nun waren beide Teams gleichzeitig auf einem guten Niveau unterwegs. Zunächst mit Vorteilen für Münster (7:5). Dann für Aachen, das beim 12:9 erneut wie der Sieger aussah. Aber der USC schlug zurück und zog die Partie auf seine Seite. Vanjak glich zum 12:12 und 13:13 aus, Alsmeier beendete einen langen Ballwechsel zum 14:13. Also gab es den ersten Matchball, den Storck noch abwehrte. Den zweiten – diesen bescherte Demi Korevaar dem USC per Block – verwandelte dann aber Alsmeier und machte damit das Comeback des USC perfekt.

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