Volleyball: Frauen-Bundesliga
Traurige Trennung auf unbestimmte Zeit beim USC Münster

Münster -

Abschied von der Saison, von der Normalität und von den Kolleginnen. Am Donnerstagabend war von einer Sekunde auf die andere Schluss. In diesen Zeiten vielleicht keine Sensation mehr, die Volleyballerinnen des USC Münster erwischte das plötzliche Saisonende dennoch völlig auf dem falschen Fuß. Es bleiben Fragen: geht es weiter, wann geht es weiter? Antworten Fehlanzeige.

Freitag, 13.03.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 15.03.2020, 17:10 Uhr
USC-Zuspielerin Taylor Nelson (rechts) ist auf dem Weg in die Heimat. Nach der Einreise muss sie sich die 24-Jährige in Kalifornien einem Test unterziehen. 
USC-Zuspielerin Taylor Nelson (rechts) ist auf dem Weg in die Heimat. Nach der Einreise muss sie sich die 24-Jährige in Kalifornien einem Test unterziehen.  Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist still in der Sporthalle Berg Fidel. Dort, wo an diesem Samstag die Volleyballerinnen des USC Münster gegen Potsdam Weichen für die Playoffs stellen und tags darauf die Baskets ihr erstes K.o.-Spiel gegen Gießen gewinnen wollten, bleiben die Türen weitestgehend verschlossen. Nur ein paar Schüler und Lehrpersonal tummelten sich am Freitag noch auf der Spielfläche. Das Corona-Virus legt den Sport lahm, am Donnerstagabend machten die Volleyballer den Laden komplett dicht. Saison beendet, nichts geht mehr. Als Sofortmaßnahme stellte der USC Münster den kompletten Trainingsbetrieb ein. Die Gesundheit aller hat in diesen schwierigen Zeiten Priorität.

Dann kam die Absage und alles war vorbei.

USC-Trainer Teun Buijs

Die Bundesligamannschaft der Unabhängigen kam am Freitagabend noch einmal in privater Runde zusammen. Wann ist das nächste Treffen, wann das nächste Training? – es gibt keine seriösen Antworten auf diese Fragen. „Von einem Moment zum anderen hat sich alles verändert“, sagt Trainer Teun Buijs , „wir hatten am Donnerstagabend wirklich ein super Training und waren bereit für das Spiel gegen Potsdam und die Playoffs. Dann kam die Absage und alles war vorbei.“

Abschied

An diesem Samstag werden sich Trainer und Spielerinnen der in der Rückrunde so erfolgreichen Mannschaft wohl für einige Zeit vonein­ander verabschieden. Buijs und seine Landsfrauen Sarah van Aalen und Demi Korevaar zieht es heim in die Niederlande, Taylor Nelson zurück in die USA. Als amerikanische Staatsbürgerin kann sie trotz Einreiseverbot wohl noch durchschlüpfen, in jedem Fall muss sich die 24-jährige Kalifornierin einem Test unterziehen, vielleicht sogar vorübergehend in Quarantäne. „Wir alle hoffen sehr, dass es Taylor noch rechtzeitig nach Hause schafft“, sagte Buijs.

Kein Engagement in Israel

Vor zwei Wochen etwa, als das Corona-Virus noch geringen Einfluss auf die Sportwelt hatte, ging USC-Coach Teun Buijs mit einem pikanten Anliegen auf Präsident Martin Gesigora zu. Dem Niederländer war angeboten worden, während der Ligapause im Sommer das Nationalteam Israels zu betreuen. Gesigora lehnte ab, er sieht genügend Aufgaben für Buijs im eigenen Verein. „Wir haben das besprochen und die Sache geklärt“, so der USC-Boss. Buijs hat beim Bundesligisten einen Vertrag bis Sommer 2021. Mit dem neuen Sportchef Ralph Bergmann soll er ein schlagkräftiges Team zusammenstellen und auf die nächste Saisonvorbereiten.

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Viele Gedanken schossen dem USC-Coach am Tag nach dem Saisonabbruch durch den Kopf. Der Spagat zwischen dem Jetzt und der Zukunft ist kompliziert, weil keiner weiß, wann wieder Normalität einzieht. Dabei gibt es viel zu tun, wie Buijs erklärt: „Wir müssen sehen, wer bleibt und wer uns verlässt. Und dann müssen wir uns ja auch um neue Spielerinnen kümmern.“ Im Dialog mit Präsident Martin Gesigora und dem neuen Sportlichen Leiter, Ralph Bergmann, hofft der Chefcoach bald Antworten zu finden. Er selbst lässt keinen Zweifel daran, so rasch wie möglich an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu wollen.

Auf der Geschäftsstelle des USC bleibt auch zeitnah genügend zu tun. Am Freitagmorgen wurden alle Helfer über die neue Lage aufgeklärt. In den nächsten Wochen muss der Lizenzantrag für die Saison vorbereitet werden. Erste einzuhaltende Frist ist der 15. April. Das war zumindest der Termin, ehe das neue Virus so vieles, ja fast alles im Land veränderte und den Sport zum Stillstand brachte.

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