Volleyball: Bundesliga
Vorfreude mit vielen Fragezeichen beim USC Münster

Münster -

Nach endlos langer Pause ist die Vorfreude groß. Mit einem Heimspiel gegen Wiesbaden startet der USC Münster am Sonntag in die Saison. Mannschaft und Trainer versprühen Optimismus. Nach einigen Personalwechseln hat der Kader an Erfahrung zugelegt.

Freitag, 02.10.2020, 15:38 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 17:52 Uhr
Neue Trikots, neues Logo und zumindest ein paar neue Gesichter: Der USC Münster geht mit (v.l.) Co-Trainerin Lisa Thomsen, Mia Kirchhoff, Juliane Langgemach, Liza Kastrup, Helo Lacerda, Demi Korevaar, Trainer Teun Buijs, Linda Bock, Kapitänin Barbara Wezorke, Anika Brinkmann, Adeja Lambert, Sarah van Aalen, Taylor Nelson, Co-Trainer Marvin Mallach, Nele Barber und Pia Mohr in die Saison 2020/21.
Neue Trikots, neues Logo und zumindest ein paar neue Gesichter: Der USC Münster geht mit (v.l.) Co-Trainerin Lisa Thomsen, Mia Kirchhoff, Juliane Langgemach, Liza Kastrup, Helo Lacerda, Demi Korevaar, Trainer Teun Buijs, Linda Bock, Kapitänin Barbara Wezorke, Anika Brinkmann, Adeja Lambert, Sarah van Aalen, Taylor Nelson, Co-Trainer Marvin Mallach, Nele Barber und Pia Mohr in die Saison 2020/21. Foto: Hubertus Huvermann

Das Herz von Nele Barber hüpfte in den vergangenen Tagen „schon ein wenig höher“, Barbara Wezorke freut sich auf „endlich wieder Volleyball spielen unter Wettkampfbedingungen“ und Trainer Teun Buijs bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Wir fangen wieder an. Und das ist auch gut so.“

Die Pause zwischen den Playoffs und dem ersten Bundesliga-Spieltag der neuen Saison sind im Volleyball ohnehin schon lang, die Corona-Pandemie sorgte nun durch den Abbruch der Spielzeit direkt vor dem Ende der Hauptrunde für ein noch längeres Loch. Eine gefühlte Ewigkeit liegt der letzte gespielte Punkt zurück – um genau zu sein war es der 10. März, als der USC Münster letztmals in der Liga aufschlug. Damals beim 3:1-Erfolg als Gast des VC Wiesbaden , der passenderweise am Sonntag (14.30 Uhr) der erste Gegner der neuen Saison sein wird.

In diese gehen nicht nur die Unabhängigen vom Berg Fidel mit Vorfreude, die in Corona-Zeiten getrübt ist durch eine gewissen Unsicherheit und viele offene Fragen etwa im Bereich der Spieltagsorganisation und des Spielbetriebs. „Was passiert mit der Pandemie in den nächsten Monaten? Wie reagieren der Staat, die Länder und die Städte? Es gibt viele Dinge, die wir nicht beeinflussen und vorhersehen können“, sagt Ralph Bergmann, der in seine erste Spielzeit als Sportlicher Leiter des USC geht.

Das, was der Verein und er erledigen konnten, wurde abgehakt. Das sportliche Gesicht des Kaders hat sich einmal mehr verändert, auch wenn der ganz große Umbruch ausblieb. Doch die Abgänge von Topscorerin Ivana Vanjak (ASPTT Mulhouse) und Nationalspielerin Lina Alsmeier rissen Lücken. Zudem verließ Luisa Keller nicht frei von Nebengeräuschen den Berg Fidel in Richtung Rote Raben Vilsbiburg. Mit der Amerikanerin Adeja Lambert (24), Nationalspielerin Barber (25) und der Brasilianerin Helo Lacerda (29) holte der USC neue Power dazu, die eine gewisse Routine mitbringt. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, weniger auf ein niedriges Durchschnittsalter zu achten als vielmehr auf Erfahrung, Belastbarkeit und Präsenz zu setzen. In der Kaderzusammenstellung ist die Handschrift unseres neuen Sportlichen Leiters zu erkennen“, sagt USC-Präsident Martin Gesigora, der jüngst wiedergewählt wurde und damit in seine zweite Amtszeit geht.

Trainer Teun Buijs im Gespräch

„Haben eine gute Balance im Kader“

Wie viele Vorbereitungen Teun Buijs als Spieler und als Trainer mitgemacht hat, ist nicht überliefert. Da der Niederländer aber 1974 beim VV Compaen seine Karriere begann und nach deren Ende zügig als Coach einstieg, dürften es locker über 40 sein. Die Umstände vor der Spielzeit 2020/21 aber war auch für den Trainerfuchs neu, Corona wirbelte alte Gewohnheiten durcheinander. Im Gespräch mit dieser Zeitung spricht Buijs über ...

... den Ist-Zustand seiner Mannschaft:
„Die Neuzugänge sind gut integriert, wir haben viel Teambuilding gemacht. Ich denke, die Mannschaft passt gut zusammen. Auch sportlich hat der Kader eine gute Balance.“

... die neue Annahme:
„Mit Nele Barber, Anika Brinkmann und Adeja Lambert ist der Annahmeriegel fast komplett neu. Daher lag unsere Priorität von Anfang an auf dem ersten Ball. Wir haben uns in diesem Element von Woche zu Woche gesteigert, haben es gut im Griff. Auch wenn wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen.“

... das Zusammenspiel zwischen Stellerinnen und Blockerinnen:
„Dadurch dass wir auf diesen Positionen keine Wechsel hatten, konnten wir an die Arbeit des vergangenen Jahres anknüpfen und mussten nicht so viel Arbeit und Energie dafür investieren. Der Schnellangriff wird für uns wichtig sein, das klappt aber gut.“

... die Kapitänin und den Spielerinnenrat:
„Barbara Wezorke bleibt die Kapitänin. Es gibt keinen Grund zu wechseln, sie ist die Leaderin. Mit Taylor Nelson und Juliane Langgemach bildet sie den Spielerinnenrat. Jule ist ja nun am längsten beim USC.“

... den Start gegen den VCW:
„Wiesbaden ist immer ein Team mit großem Kampfgeist, bringt viele Bälle zurück. Wir brauchen Geduld und müssen sie bearbeiten. Das Spiel wird intensiv.“

...

Die soll nach einem zuletzt positiven Finanzergebnis auch aus sportlicher Sicht eine vorzeigbare werden. Die Voraussetzungen sind geschaffen, wie Bergmann hofft. „Ich glaube, dass wir eine vernünftige Mannschaft haben, die sich sicher noch finden und die in die Saison reinkommen muss. Aber die Gruppe funktioniert gut“, erklärt der 50 Jahre alte 225-fache Nationalspieler. „Was dabei dann herauskommt, ist schwer zu sagen. Mindestens zwei der drei Topmannschaften aus Schwerin, Stuttgart und Dresden sehe ich im Halbfinale, in das sicher wieder einige Vereine wollen. Auch wir. Wenn wir nach den Viertelfinals der vergangenen Jahre sagen würden, dass wir wieder ins Viertelfinale wollen, wäre das Quark. Aber dafür muss es natürlich gut laufen.“

Trainer Teun Buijs formuliert die Ziele nicht ganz so konkret, sagt: „Wir wollen näher an die Top-Mannschaften heranrücken und wie in der zweiten Hälfte der Vorsaison einige Überraschungen schaffen.“ Dabei denkt der 60-Jährige an die Siege bei Allianz MTV Stuttgart (3:2) oder beim Dresdner SC (3:0) und hat daher sicher auch die Vorschlussrunde zumindest im Hinterkopf. Dass die Grün-Weißen dafür konstant in der Hauptrunde wie in den Playoffs ihre Leistungen abrufen müssen, steht außer Frage.

Nicht nur deswegen legte der USC bei seinen Neuverpflichtungen wert auf Erfahrung. Lag das Durchschnittsalter vor der Saison 2019/20 noch unter 22 Jahren, ist es nun – klammert man einmal die beiden mit einem Doppelspielrecht ausgestatteten VCO-Talente Pia Mohr (17) und Mia Kirchhoff (16) aus – auf knapp 23 Jahre geklettert. Auch dank der Rückholaktion von ­Anika Brinkmann. Mittlerweile 34 Jahre alt ist die Außenangreiferin, die einen Reifeprozess hinter sich hat und ihre Routine in der Annahme und ihre Wucht im Angriff einbringen soll.

Man darf gespannt sein: auf die neue USC-Mischung, auf die Bundesliga-Konkurrenz – und darauf, inwieweit die Corona-Pandemie die Abläufe beeinträchtigt. Eines steht schon jetzt fest: Es wird eine außergewöhnliche Spielzeit.

Kommentar

Viele Fragezeichen

Am 13. März nächsten Jahres soll die Hauptrunde in der Frauen-Bundesliga enden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich so kommt, kann niemand seriös beziffern. Die Corona-Krise hat alle Sportler gelehrt, wie Langweiler zu denken: von Spieltag zu Spieltag.

Sechseinhalb Monate nach dem jähen Saisonabbruch am 12. März dieses Jahres machen sich die Protagonisten am Wochenende frisch ans Werk. Unter Einhaltung der Hygieneregeln und unter Ausschluss potenzieller Zuschauer. Die Vorschriften lassen keine Menschenansammlungen zu, von Schwerin bis Vilsbiburg gelten Abstandsregeln, viele Plätze auf den Tribünen bleiben auf unabsehbare Zeit unbesetzt.

In der vergangenen Saison sahen im Schnitt knapp 1600 Fans die Heimspiele des USC. Aktuell dürfen nur 600 zusehen. Das wird auf die Stimmung drücken, La Ola war gestern.

Welche Rolle der USC zu spielen vermag, ist so ungewiss wie die Haltbarkeit des gesamten Konstrukts. In den vergangenen Jahren besetzte Münster in der Bundesliga meistens vorzeigbare Nebenrollen, mit Pokalen und Lorbeer schmückten sich andere. Schwerin, Stuttgart und Dresden sind auch in dieser Saison erste Anwärter auf die Preise. Bliebe ein vierter Halbfinalplatz. Sollte der USC dieses Ticket lösen, wäre es ein großer Erfolg. Ob die Pandemie überhaupt K.o.-Spiele zulässt und die Spielzeit nicht ein zweites Mal abgebrochen werden muss, liegt in anderen Händen.

von Wilfried Sprenger

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