Volleyball: Bundesliga Frauen
USC kommt mit Energie und Bauchgefühl aus der Krise

Münster -

Immer wieder das eine Wort: Energie. Es war möglicherweise der mentale Schlüssel für das Ende der Negativschleife, in der sich der USC Münster befand. Spielerinnen, die zuletzt Schwierigkeiten hatten, hielten plötzlich Wort und überzeugten.

Donnerstag, 10.12.2020, 13:26 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 15:42 Uhr
Der USC Münster jubelte nach vielen Wochen wieder.
Der USC Münster jubelte nach vielen Wochen wieder. Foto: Jürgen Peperhowe

Wie oft Ralph Bergmann im Live-Interview bei Sport 1 das Wort „Energie“ verwendet hatte, wusste er wenig später auch nicht so genau. „Aber wenn ich für jedes Mal einen Euro bekommen hätte, dann könnte ich jetzt meine Weihnachtseinkäufe machen“, scherzte der 50-Jährige, der sich locker und gelöst gab. Dem Trainer des USC Münster und seiner Mannschaft merkte man an, wie viel Ballast nach dem 3:1 gegen LiB Aachen, dem zweiten Saisonsieg nach zuvor sieben Niederlagen in Serie, über Bord ging. Der Erfolg tut den Unabhängigen gut – und er war dringend nötig.

Es war ein rundum gelungener Abend am Berg Fidel, an dem eine Handvoll Trommler – allesamt vor und nach der Partie als Helfer im Einsatz – dem sonst so stimmungsvollen NRW-Duell einen Hauch von Atmosphäre verliehen. Diese schien den USC zu beflügeln, vom ersten Ballwechsel an war eine positive Körpersprache und Grundstimmung zu spüren. „Es war das Ziel“, sagte Bergmann und nutzte wieder das Wort aus dem TV-Interview, „die Energie auf das Feld zu bringen.“

Zwei Fragen an Liza Kastrup

Sie war die Top-Scorerin (18 Punkte) beim 3:1-Erfolg des USC Münster gegen Aachen, wurde folgerichtig für ihre beste Saisonleistung zur wertvollsten Spielerin der Partie gewählt. Liza Kastrup (21) hatte großen Anteil, dass Münsters Sieglosserie nach sieben Niederlagen ein Ende gefunden hat.

Nach dem 4. Oktober und dem 3:2 gegen Wiesbaden hat es endlich mit einem Sieg geklappt. Was hat den Ausschlag gegeben?

Kastrup: Wir haben als gesamtes Team eine super Leistung gezeigt, alle haben 100 Prozent gegeben. In der Block-Feld-Abwehr waren wir stark, haben viele Bälle herausgeholt und super gut verteidigt. Daraus zieht man viel Energie, das bringt so viel. Sie sprechen das Thema Energie an.

Auffällig war die veränderte Körpersprache der Mannschaft. Sehen Sie das auch so?

Kastrup: Ja, das war in Teammeetings auch Thema. Wir haben besprochen, was wir als Mannschaft reinbringen können, was wir besser machen müssen und wie wir in schwierigen Situationen und Phasen reagieren müssen. Das hat gut geklappt, wir haben uns endlich mal für unsere guten Trainingsleistungen belohnt.

...

Das Vorhaben setzten seine Schützlinge unter der Beobachtung von Lisa Thomsen – die sich derzeit im Mutterschutz befindende Trainerin fieberte an der Kopfseite hinter der Bande mit – mit Hingabe und Emotion um. Und ließen sich auch nach dem verlorenen dritten Satz, der kritischen Situation beim 11:17 im vierten Durchgang und den drei vergebenen Matchbällen (24:21) nicht aus der Ruhe bringen. „Ich habe riesigen Respekt vor der Mannschaft, dass das Kopfkino nicht angelaufen ist und sie den Teufel im Kopf kleingehalten hat. Bislang hatten die Mädels in ihrem Erfahrungsrucksack, den sie mit sich herumschleppen, nur Mist drin. Nun sind viele positive Erfahrungen dazugekommen“, erklärte Bergmann, der bei seinen Wechseln ein glückliches Händchen bewiesen hat. Der Doppeltausch mit Helo Lacerda, die ihren besten Auftritt im USC-Trikot hatte, und Taylor Nelson für Sarah van Aalen und die sehr starke Liza Kastrup (Top-Scorerin mit 18 Punkten) passte ebenso wie die Einwechslungen von Kapitänin Barbara Wezorke und Nele Barber. Diese kam bei besagtem 11:17 für Anika Brinkmann und gab mit einer Aufschlagserie zum 17:17 sowie den wichtigen Punkten zum 20:20, 21:21, 24:21 und 26:24 den Unabhängigen den Schubser zum Sieg. „Die Wechsel haben alle gepasst“, sagte Bergmann, der sich nach der Partie seiner Angreiferin Brinkmann (17 Zähler) stellen musste. „Anika hat gefragt, warum ich sie rausgenommen habe. Ich konnte es ihr nicht erklären“, so Bergmann. Intuition, Bauchgefühl oder was auch immer – ihm und dem USC war es egal.

Überschaubare Bilanz

Sieben Punkte hat Münster nun auf dem Konto. Eine überschaubare Bilanz nach neun von zehn Hinrundenspielen. Umso wichtiger war der Vier-Satz-Sieg gegen die bislang ebenfalls kriselnden Aachenerinnen um die ehemaligen USC-Kapitäninnen Mareike Hindriksen und Leonie Schwertmann, die mit den Ladies in Black ebenfalls auf sieben Zähler kommen. Ob das Erfolgserlebnis nun ein Befreiungsschlag war und ob die Unabhängigen bis zum Jahreswechsel in Erfurt (19. Dezember) und Wiesbaden (27. Dezember) eine Serie starten, wird sich zeigen. „Das war nur ein Sieg“, sagte Bergmann daher auch. „Aber ein wichtiger.“ Punkt.

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