Volleyball: Bundesstützpunkt
Sylvester-Tochter Sina Siebert ist „stolz wie Bolle“ auf jeden Zentimeter

Münster -

Ende vergangenen Jahres hat Sina Siebert ihren 15. Geburtstag gefeiert. Sie ist die jüngste Volleyballerin am Bundesstützpunkt Münster und ein großes Talent. Trainer Justin Wolff bescheinigt der Schülerin enorme Fortschritte in kurzer Zeit – ein bisschen hilft dabei gewiss auch das Erbgut.

Montag, 22.02.2021, 16:03 Uhr aktualisiert: 22.02.2021, 18:12 Uhr
Jung, groß, selbstbewusst, ehrgeizig: Sina Siebert ist eines der
Jung, groß, selbstbewusst, ehrgeizig: Sina Siebert ist eines der Foto: Jürgen Peperhowe

Sina Siebert ist ein sehr selbstbewusster Teenager. Keiner, der anderen hinterherläuft. Oder sich versteckt. Letzteres wäre angesichts ihrer Körpergröße auch eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Gerade ist die 15-Jährige wieder einmal einen Zentimeter auf nun 1,91 Meter gewachsen. „Stolz wie Bolle“ sei die Tochter darüber, verrät Mutter Judith. Mediziner haben Sina sogar noch weiteres Wachstumspotenzial in Aussicht gestellt. Was anderen Mädchen ihres Alters womöglich nicht gefallen würde, macht Sina froh. Denn in dem, was sie antreibt, spielt Größe im Sinne von Höhe eine wichtige Rolle. Die Schülerin aus dem münsterischen Sportinternat ist Volleyballerin. Und da hängt das Netz als zu überwindendes Hindernis halt ziemlich hoch. Laut Regel exakt 2,24 Meter.

Sina Siebert ist (noch) die Kleinste in der Familie. Mutter und Oma messen 1,94 Meter, der Opa 1,95 Meter. Bei Vater Ingo (2,10 Meter) reicht das genormte Maßband nicht mehr aus – klar, dass er mal Bälle in Körbe stopfte, die 2. Liga war sein Revier. Gattin Judith war in ihrer Volleyball-Karriere noch exponierter unterwegs. Die inzwischen 43-Jährige spielte 170-mal für Deutschland und nahm zweimal an Olympischen Spielen teil. Mehrere Jahre und noch vor ihrem Auslandsengagement in Italien trug „Sylle“, wie sie in Anlehnung an ihren Mädchennamen (Sylvester) genannt wurde, das Trikot des USC Münster. Am Triumph im DVV-Pokal 2000 war sie mit einiger Durchschlagskraft beteiligt.

Auch Tochter Sina sieht in Münster ein Sprungbrett. 14 war sie, als sie im Sommer nach Auswertung einer Vorteil-Nachteil-Liste entschied, das Elternhaus in Iserlohn zu verlassen, um zu erfahren, „was als Volleyballerin möglich ist“. Münster mit Bundesstützpunkt (BSP), Sportschule und Internat lag als Wahl-Standort nahe. Nach einem halben Jahr hat sich Sina eingelebt. „Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass viele dachten, ich sei nur hier, weil meine Mutter so gut gewesen ist“, sagt sie. Es sei nicht einfach gewesen für sie als Jüngste am Bundesstützpunkt. „Jetzt aber kenne ich meine Leute und weiß, auf wen ich mich verlassen kann.“

Vor ihrem Wechsel nach Münster hat Sina Siebert in Schwerte gespielt. Sowohl im Jugend- als auch im Frauenteam. Der BSP ist die nächste Entwicklungs- und Förderstufe. Ein Ort für besonders Begabte. Und ein Platz für Träume: Profi, Bundesliga, Nationalmannschaft, Olympia. Viele werden dies nicht schaffen, die Allerbesten vielleicht schon. Justin Wolff, Trainer am Bundesstützpunkt, beobachtet die Fortschritte seiner Schützlinge sehr genau. Die von Sina Siebert nennt er „unglaublich“. Er schätzt den Neuzugang als „harte Arbeiterin mit klaren Zielen. Ein Rohdiamant, der noch viel Luft nach oben hat.“

Judith und Ingo Siebert haben ihr einziges Kind nicht gern ziehen lassen. Vor allem nicht so früh. „Es ist doch klar, dass man sich viele Gedanken macht und auch weiß, was das bedeutet“, verrät Sinas Mutter. Ganz gewiss haben die eigenen Erfahrungen geholfen, loszulassen. Die 43-Jährige legte den Grundstein zur späteren Ausnahmekarriere ebenfalls im (Berliner) Sportinternat.

Im Dezember ist Sina Siebert 15 geworden. Sie sei ein ausgeprägter Familienmensch, sagt sie. Und deshalb habe sie manchmal auch Heimweh. In Summe sei der Umzug nach Münster aber die richtige Entscheidung gewesen. „Ich fühle mich gut betreut, die neue Schule ist viel besser als die alte in Iserlohn, die Lehrer kümmern sich und im Volleyball komme ich ja auch voran“, erzählt sie.

Schon in der kommenden Saison wird Sina Siebert im Stützpunkt-Team (3. Liga) spielen. Später vielleicht einmal in der Bundesliga. So weit denkt sie jetzt allerdings noch nicht, die junge und ambitionierte Leistungssportlerin mag es Schritt für Schritt: „Letztendlich kommt man doch nur über viele kleine Ziele ans große Ziel.“

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