Beachvolleyballerin wird zur Polizeikommissarin ausgebildet
Kim Behrens vollführt Spagat zwischen Leistungsport und Dienst

Münster - Selm, Seoul, Recklinghausen, Leipzig: Innerhalb weniger Wochen ist Kim Behrens viel auf Achse - für ihren Sport und den Beruf. Die Beachvolleyballerin muss einen Spagat bewältigen, der es in sich hat. Leistungssport und Ausbildung - passt dies zeitgleich zusammen?

Montag, 22.07.2013, 16:07 Uhr

Beachvolleyballerin wird zur Polizeikommissarin ausgebildet : Kim Behrens vollführt Spagat zwischen Leistungsport und Dienst
Auf einer Polizeiwache in Münster sammelt Kim Behrens ihre ersten praktischen Erfahrungen. Foto: Jürgen Peperhowe

Während viele bei dieser Vorstellung den Kopf schütteln, ist diese Kombination für die 20-Jährige ein „absoluter Glücksfall“. Sie möchte den Beweis antreten, dass beides parallel eben doch möglich ist.

 Zehn Monate Doppelbelastung hat die gebürtige Bremerin, die 2012 ihr Abitur am münsterischen Pascalgymnasium gemacht hat, hinter sich. Sie gehört zu 141 Nachwuchskräften des Jahrgangs 2012, die zurzeit ihre Ausbildung bei der Polizei Münster absolvieren - als einzige Leistungssportlerin.

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Einsatz im Sand (Foto: Jürgen Peperhowe).

 „Die Polizei gibt mir die Möglichkeit, meinen Traumberuf mit meiner größten Leidenschaft, dem Beachvolleyball, vereinbaren zu können“, freut sich Kim Behrens . Froh und erleichtert ist sie auch darüber, dass ihr die Kollegen den Einstieg leicht gemacht haben. „Ich hatte erst die Sorge, dass Kollegen vielleicht denken könnten, ich bekäme als Leistungssportlerin möglicherweise Extrawürste gebraten. Aber das Gegenteil war der Fall: Ich erhielt von Anfang an viel Unterstützung.“

 Dank einer speziellen Sportförderung kann sich Kim Behrens für Trainingslager und Turniere freistellen lassen. Sie steht immer in engem Kontakt mit ihren Dozenten und der Ausbildungsleitung, um regelmäßig ihren Lernplan vorzulegen und aktuell abzustimmen. Dementsprechend flexibler ausgelegt wird die Anwesenheitspflicht der jungen Sportlerin bei Unterrichts-Einheiten. Erlassen wird der Auszubildenden aber kein Lernstoff. „Schließlich will ich ja eine vollwertige Kommissarin werden“, betont Kim Behrens, die bis spätestens 2017 ihren Abschluss machen wird.

Sportliche Ambitionen

 Als 14-Jährige kam sie nach Münster - dorthin gelockt hatte die Nachwuchsspielerin ihre Leidenschaft, der Volleyball. Der Sport ist für sie unverzichtbar: „Ich kann mich an keine Phase in meinem Leben erinnern, in der ich mich gegen den Sport entschieden habe. Im Alter von neun Jahren kam ich eher zufällig zum Volleyball, vorher hatte ich Fußball in einer Jungen-Mannschaft gespielt.“

 Die talentierte Außenangreiferin startete direkt durch, spielte zwischenzeitlich parallel in vier Teams und schaffte als 13-Jährige den Sprung ins Regionalligateam von BTS Neustadt Bremen. Als sie 2006 zu einem Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft im Juniorenbereich eingeladen wurde, „war das der Moment, in dem ich dachte: ,Aus dir kann ja noch was werden…‘“, erinnert sie sich.

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Mit ihrer Teampartnerin Sandra Seyfferth hat sich Kim Behrens einiges vorgenommen (Foto: Jürgen Peperhowe).

 Prompt wurde im Jahr darauf der Erstligist USC Münster auf das Talent aufmerksam und holte Kim Behrens in die Domstadt. Mehrere Jahre spielte sie im USC-Zweitligateam, bis sie sich schwerpunktmäßig für Beachvolleyball entschied. Mit der gleichaltrigen Dresdnerin Sandra Seyfferth bildet sie ein Team und hat die nächsten sportlichen Ziele vor Augen: kurzfristig die Teilnahme an der U-22-EM in Bulgarien und 2014 an der U-23-WM sowie langfristig an den Olympischen Spielen 2020.

Neue Herausforderungen

  Nach dem Abitur reifte bei Kim Behrens der Entschluss, sich bei der Polizei ausbilden zu lassen. „Schon in meiner Schulzeit konnte Ungerechtigkeiten nicht ausstehen“, erzählt die Kommissars-Anwärterin schmunzelnd und ist sich bewusst, was auf sie zukommt. „Ich werde viele Erfahrungen sammeln, die mich eventuell auch an meine Grenzen stoßen lassen. So gilt es, in Krisensituationen Ruhe zu bewahren, was für mich als emotionalen Typ eine Herausforderung ist.“ Der Umgang beispielsweise mit Beleidigungen erfordert viel Eigendisziplin. „Das werden auch für mich Situationen sein, in denen ich mir selbst beweisen kann, wozu ich fähig bin.“

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Dienstbeginn für Kim Behrens (Foto: Jürgen Peperhowe).

 Für Tätigkeit bei der Polizei entschied sich die 20-Jährige auch, weil es verschiedene Laufbahn-Möglichkeiten gibt, die mit einem Familienleben in Einklang gebracht werden können. Nach viel Theorie-Unterricht zu Beginn ihrer Ausbildung und Übungseinheiten am Polizei-Trainingsstandort in Selm sammelt Kim Behrens nun ihre ersten praktischen Erfahrungen auf einer Polizeiwache in Münster.

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