Lena Ottens aus Everswinkel gilt als eines der besten Talente
Beachvolleyballerin macht große Sprünge im Sandkasten

Im Alter von sieben oder acht Jahren kam Lena Ottens erstmals mit der Sportart Volleyball in Berührung - und es hat direkt gefunkt. Nun, zehn Jahre später, wühlt die Everswinkelerin, die für den BSV Ostbevern spielt, vorzugsweise im Sand. Vielleicht steht sie als Beachvolleyballerin vor einer großen Karriere. Der Anfang ist jedenfalls gemacht und lässt Träume reifen, große Träume.

Freitag, 11.09.2015, 18:09 Uhr

Manchmal entwickeln sich Dinge rasend schnell. Im August 2014 hat sich ein Teil des Lebens von Lena Ottens binnen ganz weniger Tage völlig verändert. Ohne großes Ziel war sie nach Norwegen gereist, schon die Teilnahme an der U-18-Europameisterschaft begriff sie als bisheriges Highlight der noch jungen Karriere. Und dann kehrte die damals 17-Jährige als Champion zurück. Nummer eins auf dem Kontinent, eine fabelhafte, völlig verrückte Geschichte. Die junge Frau brauchte einige Zeit, um die Tragweite zu begreifen.

Nun, gut zwölf Monate später, ist sie mittendrin im bunten Zirkus. Die Smart-Beach-Tour spülte Lena Ottens mehrere Monate kreuz und quer durchs Land. Als Novizin stellte sie sich an der Seite der erfahrenen Stefanie Hüttermann (30) der nationalen Créme. Es war das erste Lehrjahr der Everswinkelerin, für die nach dem EM-Triumph galt: Alle hinter sich und alles vor sich.

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Europameisterinnen: Lena Ottens (links) und Leonie Klinke aus Stuttgart bei der Siegerehrung in Norwegen.

Lena Ottens hat früh gelernt, sich im Leben zu behaupten. Die Familie zählt nicht weniger als zwölf Köpfe. Lena ist die Sechstgeborene, sie hat sechs Brüder und drei Schwestern. „Bei uns ist immer etwas los, ich war nie allein“, sagt sie. Die Pflichten im täglichen Miteinander akzeptiert sie ohne Murren. „Wenn meine Eltern unterwegs sind, passe ich auf meine jüngeren Geschwister auf, das ist kein Problem.“

Lena ist auf einem interessanten Weg. Die ersten Schritte sind gemacht. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Dinge entwickeln.

Ralph Bergmann

Die Ottens‘ sind eine sportliche Familie. Volleyball und Fußball sind die Favoriten, jeder schaut gern beim anderen zu. Vor zwei Wochen bei der U-22-EM in Portugal überraschte Vater Andreas die Tochter mit einem spontanen Besuch. „Das war toll, plötzlich stand Papa da, ich wusste von nichts.“ Beinahe hätte es für Lena Ottens (und Partnerin Sandra Ittlinger aus Lohhof) erneut zu Edelmetall gereicht. Ihr Viertelfinale verloren die Juniorinnen gegen deutlich ältere Konkurrentinnen nur denkbar knapp im Tiebreak.

Im Frühjahr hat die junge Leistungssportlerin Abitur gemacht, danach legte sie den Fokus auf die Sandkiste . Trainingslager in der Türkei und Tunesien, Juniorinnen-DM und -EM, Smart-Beach-Tour, Landesturniere, Trainingseinheiten in Köln, Witten, Warendorf und Ostbevern. Lena Ottens kommt herum, doch der Preis ist hoch: mehrere Monate lang kein freies Wochenende, kein Urlaub, wenig Zeit für Freunde. „Es war stressig“, sagt die Sportlerin, „aber es hat sich gelohnt. Ich habe ganz wichtige Erfahrungen gemacht.“

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Im Angriffsmodus: Lena Ottens hat hohe Ziele und große Träume. (Foto: Jürgen Peperhowe)

Lena Ottens ist auf den Geschmack gekommen. Im nächsten Jahr möchte sie unbedingt zur DM nach Timmendorf, dann gibt es noch die U-21-Weltmeisterschaft und dazu – sehr weit weg – den ganz großen Traum: Olympische Spiele. Als Jonas Reckermann und Julius Brink 2012 in London Gold gewannen, hat sie zugeschaut. „Das war ziemlich cool“, sagt sie.

Wenn meine Eltern unterwegs sind, passe ich auf meine jüngeren Geschwister auf, kein Problem.

Lena Ottens

Alles begann auf der Wiese im eigenen Garten, der SC Everswinkel war Lenas erster Verein, der BSV Ostbevern ist ihr aktueller, unter Trainer Stefan Klotz machte sie erste Beach-Erfahrungen – wo im Sand alles endet, wer weiß das schon.

Ralph Bergmann , mit weit über 200 Länderspielen wahrlich ein Mann vom Fach und Beach-Landestrainer, sieht seinen Schützling „auf einem interessanten Weg. Die ersten Schritte sind gemacht. Lena hat viel Potenzial, ich bin sehr gespannt, wie sich die Dinge entwickeln“, sagt er. Bergmanns Prognose für die nahe Zukunft: „Die nächste Saison wird schwierig. Weil die eigenen Erwartungen dann höher sind und die Konkurrenz Lena auf dem Zettel hat.“ Heißt: Über einen roten Teppich kommt die junge Beachvolleyballerin nicht an die nächsten Ziele.

Wobei Lena ohnehin kein Typ für Laufsteg und Glamour ist: Die junge Frau steht mit beiden Füßen auf dem Boden, wirkt authentisch, allzeit fröhlich und hat „einen super Charakter“ (Bergmann). Und Talent? „Ja, es wird im Spitzensport immer wieder über Talent geredet“, erklärt der Coach. „Ganz wichtig ist, einen guten Kopf, großen Willen und einen langen Atem zu haben. Ich glaube, ich hoffe, dass alles passt.“

Lena Ottens stehen viele Türen offen. 2016 wird sie ein Studium aufnehmen. Welches? „Ach, das weiß ich noch nicht.“ Zurzeit freut sie sich einfach nur: Über eine gute erste Saison bei den Frauen. Und auf die Erfüllung eines Traums ganz abseits der Sportarenen. Mitte Oktober fliegt sie mit einer Freundin für drei Monate nach Australien. „Das wird genial“, sagt sie.

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