Volleyball: Union Lüdinghausen
Chiara Claassen im Land des Ahornbaums am Netz

Lüdinghausen -

Ein Jahr in Kanada hat Chiara Claassen hinter sich. In Vancouver drückte sie nicht nur die Schulbank, sondern ging auch ihrem Sport nach. Die Mittelblockerin von Union Lüdinghausen kämpfte für ihr High-School-Team um Punkte, Sätze und Siege. Ihr Fazit: Volleyball ist nicht gleich Volleyball.

Freitag, 21.07.2017, 22:07 Uhr

Das ist der Gipfel! Chiara Claassen am kanadischen Nationalfeiertag auf dem 1450 Meter hohen Mount Seymour.
Das ist der Gipfel! Chiara Claassen am kanadischen Nationalfeiertag auf dem 1450 Meter hohen Mount Seymour. Foto: privat

Seit sie zehn ist, steht Chiara Claassen am Netz. Die heute 17-Jährige ist im schwarz-roten Dress der Volleyballerinnen von Union Lüdinghausen quasi aufgewachsen. Zuletzt stand sie für ihren Heimatverein in der Saison 2015/16 auf dem Parkett – für die zweite Mannschaft in der Verbandsliga und, aushilfsweise für die damals angeschlagene Jana Breimann, für die erste in der Frauen-Regionalliga West.

In den vergangenen zwölf Monaten machte Claassen Urlaub von Union, aber nicht vom Volleyball. Nach ihrer Mittleren Reife, die sie im Sommer 2016 an der heimischen Realschule machte, ging sie für ein Jahr nach Übersee. Es zog sie ins kanadische Vancouver, wo sie an der Sutherland Secondary School die Schulbank drückte. Sprachprobleme hatte sie nicht fürchten müssen. „Ich war immer gut in Englisch, aber nie herausragend. Aber das hat sich im vergangenen Jahr stetig verbessert“, so die Lüdinghauserin jetzt nach ihrer Rückkehr.

Da sie nach ihrer einjährigen Hospitanz in der Fremde keinen Schulabschluss machten musste, konnte sie ihre Kurse an der Sutherland Secondary ganz ohne Einschränkungen wählen. Sie entschied sich unter anderem für allgemeine Geschichte, Social Studies („eine Mischung aus Politik und kanadischer Geschichte“) und Recht, andererseits aber auch für Kurse wie Kochen – und natürlich Volleyball. Zu diesem Kursus kamen beim gemeinsamen Training Mädchen aus dem gesamten Schuldistrikt in Vancouver am Netz zusammen.

Der Volleyball, den wir gespielt haben, war ein bisschen schneller als in Deutschland.

Chiara Claassen

Weit professioneller als im Kursus auf dem Schulstundenplan ging es bei der „BCO Elite“ zur Sache, dem High-School-Team (U 18), für das die gelernte Mittelblockerin aus dem Münsterland aufschlug. „Die Saison dauerte nur von Januar bis Anfang Mai, war dafür aber umso intensiver“, so Chiara Claassen. „Während dieser Zeit steht man fünf- bis sechsmal pro Woche in der Halle. Und da die Spielorte in Kanada weit voneinander entfernt sind, haben wir auch keine Einzelspiele, sondern immer Turniere absolviert.“

Die Anreise erfolgte per Bus oder mit dem Flieger. Nur per Luftweg war etwa das Saison-Vorbereitungsturnier in Las Vegas zu erreichen, bei dem nicht weniger als 300 Teams am Start waren. Für die kanadischen Spielerinnen sind solche Wettbewerbe eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren. Denn bei den Wettbewerben sitzen auch oft Scouts auf der Tribüne, die Talente für die Collegeteams suchen.

„Alle sind supermotiviert“, sagt Claassen über ihre ehemaligen Mitspielerinnen der „BCO Elite“. „Der Volleyball, den wir gespielt haben, war ein bisschen schneller als in Deutschland.“ Dabei ist der Sport im Land der Ahornbäume bei weitem nicht so populär wie etwa Eishockey. Dass auch eine aktive Karriere jenseits des Atlantiks am Netz eher exklusiv ist, liege vielleicht auch an den Kosten, so die Lüdinghauserin: „Es ist in Kanada sehr teuer, Volleyball auf professionellem Niveau zu spielen.“ So habe jeder Proficlub ein eigenes Fitnesscenter und eigene Physiotherapeuten, von den sich während der Saison auftürmenden Flugkosten ganz zu schweigen.

Hoch hinaus ging es für die 17-Jährige während ihres Kanada-Aufenthalts nicht nur auf dem Weg von Spielort zu Spielort. Am 1. Juli, dem „Canada Day“ zum 150. Geburtstag des Landes, wanderte sie in einer Gruppe von mehreren hundert Leuten auf den 1450 Meter hohen Mont Seymour nördlich von Vancouver. Auf dem Gipfel angekommen, sang die ganze Gruppe gemeinsam die Nationalhymne „O Canada“. „Das war echt cool“, erinnert sich Chiara Claassen.

Ein eigenes Fitnesscenter hat ihr Heimatverein nicht, dennoch wird auch dort Volleyball auf professionellem Niveau gespielt. Die 17-Jährige ist nach ihrer Rückkehr im Kader der ersten Mannschaft von Union Lüdinghausen, die sich zurzeit auf die Regionalliga vorbereitet. Die Saison beginnt am 23. September (Samstag) mit einem Auswärtsspiel der Lüdinghauserinnen bei Post Telekom Aachen 2. Auch schulisch „spielt“ Chiara Claassen nun höher. Nach den Ferien drückt sie am Gymnasium Canisianum die Schulbank, um sich dort auf das Abitur vorzubereiten.

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