Volleyball: Bundesliga
USC-Trainer Teun Buijs: „Wir haben richtig viel Potenzial“

Münster -

Am Mittwoch startet der USC Münster in die neue Saison. Es ist die zweite unter Trainer Teun Buijs. Der Niederländer lebt Volleyball und macht die Unabhängigen besser. Aktuell strebt er das Halbfinale an. Im Interview spricht er über die Vorbereitung, den Start und die Zukunft.

Montag, 29.10.2018, 17:36 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 29.10.2018, 15:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 29.10.2018, 17:36 Uhr
Teun Buijs bei seinem Redaktionsbesuch. Eine Tasse Kaffee durfte dabei nicht fehlen.
Teun Buijs bei seinem Redaktionsbesuch. Eine Tasse Kaffee durfte dabei nicht fehlen. Foto: Jürgen Christ

Über 300 Spiele für die niederländische Nationalmannschaft, gut 27 Jahre Erfahrung als Trainer. Teun Buijs und Volleyball, das ist untrennbar. Seit dem Sommer 2017 ist der 58-Jährige nun Coach des USC Münster – und weiterhin voller Energie und Motivation. Im Redaktionsgespräch mit Wilfried Sprenger, Thomas Austermann und Henner Henning redet Buijs über die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 2018/19, die Möglichkeiten und die Neuzugänge der Unabhängigen sowie über seine Zukunft in Münster.

Eine gute Nachricht ereilte den Volleyball-Standort Münster in der vergangenen Woche: Der Bundesstützpunkt bleibt bis mindestens Ende 2020 erhalten. Wie wichtig ist das auch für den USC?

Teun Buijs: Für den USC ist das sehr wichtig. Immer wieder sind in den vergangenen Jahren Spielerinnen aus dem Jugendbereich hoch gerückt in die Bundesliga-Mannschaft. Aktuell sind es zum Beispiel Lina Alsmeier und Luisa Keller, davor gab es viele weitere. Der Verein profitiert davon, aber es ist auch gut für Deutschland.

Die Vorbereitung neigt sich nun endgültig dem Ende entgegen. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der vergangenen Monate?

Buijs: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. 2017 war alles neu, wir haben damals mit einer fast ganz neuen Mannschaft angefangen und sind am Ende Hauptrunden-Sechster geworden, auch mit ein bisschen Pech wegen der vielen Verletzten. Aber die Spielerinnen sind nun auf einem höheren Niveau. Ivana Vanjak und Juliet Lohuis waren bei der WM, Alsmeier, Keller und Linda Bock mit der Junioren-Nationalmannschaft unterwegs. Sie haben alle eine Menge Erfahrung gesammelt. Und mit den Mädels, die in Münster geblieben sind, haben wir seit Mai fast durchgearbeitet. Das Level ist nun höher, wir sind weiter als im vergangenen Jahr, was etwa die Schnelligkeit in Angriff, Abwehr und Zuspiel angeht.

Im Vorjahr Platz sechs nach der Hauptrunde und das Playoff-Aus im Viertelfinale gegen den Schweriner SC. Was haben Sie sich mit Ihrer Mannschaft für die kommende Saison als Ziele gesetzt?

Buijs: Wir haben als Gruppe noch nicht über Ziele und Vorstellungen gesprochen, dafür haben während der Vorbereitung zu viele Spielerinnen gefehlt. Komplett sind wir ja erst seit Freitag wieder. Die meisten kennen unsere Werte, Normen und Ideen ja aus dem letzten Jahr, für die Neuzugänge aber wird es gut sein, darüber auch noch einmal in der Mannschaft zu reden. Ich denke, dass wir in der vergangenen Saison auswärts nicht viel gewonnen haben, das muss jetzt besser werden. Und wir müssen die Mädels überzeugen, was für uns in der Bundesliga möglich ist.

Was ist denn möglich für den USC, wie sehen Sie die Bundesliga 2018/19?

Buijs: Ich habe von den anderen Mannschaften noch nicht viel gesehen. Aber ich hoffe, dass die Mittelgruppe mit Vereinen wie Wiesbaden, Potsdam, Aachen oder auch wir näher an die Top drei aus Schwerin, Dresden und Stuttgart heranrücken kann. Mal sehen, was passiert.

Ein wichtiger Faktor in der vergangenen Saison war Diagonalangreiferin Lena Vedder bis zu ihrem Kreuzbandriss. Wie weit ist sie schon wieder?

Buijs: Lena ist ganz nah an den 100 Prozent, ist fast wieder fit. Sie ist für uns mit ihrer Energie so wichtig. Im Training, im Spiel oder im Bus. Juliane Langgemach ist für die Musik zuständig, Lena für die Stimmung in der ganzen Mannschaft. Ich sage immer, dass ein Team einen Clown braucht. Und das ist bei uns Lena.

Wie haben sich die vier Neuzugänge Linda Bock, Kazmiere Brown, Svenja Enning und Teresa Mersmann in der Vorbereitung gemacht?

Buijs: Das muss man differenziert betrachten. Linda macht es als Libera sehr gut, Kompliment an Borken, wie gut sie dort ausgebildet wurde. Linda ist neugierig, ehrgeizig, redet viel und hat eine sehr gute Mentalität. Für Svenja ist es als Zuspielerin hinter Mareike Hindriksen sicher schwieriger. Aber sie profitiert sehr von der Arbeit mit Mareike und mit Co-Trainer Elroy Bezemer. Kaz ist physisch stark, technisch dagegen noch nicht so weit. In den USA hat sie früher nie zugespielt, das hat sie bei uns zum ersten Mal gemacht. Aber sie lernt schnell und ist eine intelligente Spielerin. Leider war sie zwischendurch verletzt und hat gefehlt. Teresa war wegen ihres Praktikums unter der Woche in Hamburg, am Wochenende aber immer bei uns. Vom Beach bringt sie eine sehr gute Technik und Physis mit, ist dazu erfahren und passt gut in die Mannschaft. Mit Mareike und Lisa Thomsen gehört sie zum Mannschaftsrat.

Sie erwähnten gerade Elroy Bezemer, den neuen Co-Trainer. Was genau sind seine Aufgaben?

Buijs: Mit Elroy haben wir eine Lücke geschlossen. die wir vormittags hatten, als Marvin Mallach (ebenfalls ein Co-Trainer des USC, die Red.) wegen seines Lehrerjobs fehlte. Da habe ich mit den Zuspielerinnen gearbeitet, das war nicht optimal. Nun haben wir Elroy, der das Zuspiel zu 100 Prozent kennt und uns dort weiterbringt. Auch Mareike macht immer noch Fortschritte, Svenja entwickelt sich schnell. Elroy ist eine große Hilfe. Und der Nebeneffekt ist, dass ich mehr Zeit für die Arbeit mit dem Angriff und Block habe.

Sie haben Ihren Vertrag im Sommer vorzeitig bis 2021 verlängert. Was hat den Ausschlag gegeben?

Buijs: Der USC hatte in den vergangenen Jahren Probleme. Ich möchte mit meiner Erfahrung und meinem Knowhow diesen schönen Verein voranbringen und helfen, dass Münster mit dem USC, den Basketballern und den Fußballern wieder zur Sportstadt wird. Hier gibt es für den Volleyball so viele Möglichkeiten: Die Verbindung zur Uni, einen tollen Hauptsponsor, ein gutes Umfeld. Ich bin in meiner Karriere als Coach viel herumgekommen, war in Polen und Aserbaidschan und habe in der Champions League viel erlebt. Ich möchte hier langfristig arbeiten, Münster und die Mannschaft haben richtig viel Potenzial. Und die Nähe zu meiner Heimat spielt natürlich auch eine Rolle. Vielleicht bleibe ich ja noch zehn Jahre hier, meine Motivation ist immer noch sehr groß.

Das Potenzial im Team ist groß, weckt aber auch Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Wie kann man es schaffen, die Mannschaft vielleicht einmal über drei, vier Jahre zusammenzuhalten?

Buijs: Das ist die große Problematik. Wir müssen es schaffen, sie von unserem Weg zu überzeugen und ihnen erklären, dass es für sie vielleicht noch besser ist, in Münster zu bleiben. Es ist manchmal wichtiger, sich noch weiter zu entwickeln, als schnell mehr Geld zu verdienen. Die Überzeugungsarbeit geht nur über die individuellen Kontakte, über viele Gespräche. Und letztlich muss man dann auch so ehrlich sein und ihnen sagen, dass sie woanders spielen müssen, wenn sie fertig und bereit für den nächsten Schritt sind. Etwa für einen Wechsel ins Ausland. Das habe ich damals meiner Tochter Anne (sie ist niederländische Nationalspielerin, d. Red.) auch so gemacht.

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