Corona-Auswirkungen
Preußen rechnet mit Verlegungen, USC mit Geisterspiel

Münster -

Ganz normale Heimspieltage – die sind für den SC Preußen, den USC und die WWU Baskets Münster seit Dienstag ausgeschlossen. Geisterspiele scheinen die logische Konsequenz, der Fußball-Drittligist prüft eine komplette Absage. Auch andere Großveranstaltungen in der Zukunft könnten bedroht sein.

Dienstag, 10.03.2020, 19:16 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 07:25 Uhr
Geisterspiele? Beim Zweitliga-Match zwischen Aachen und Nürnberg im Jahr 2004 waren keine Zuschauer zugelassen.
Geisterspiele? Beim Zweitliga-Match zwischen Aachen und Nürnberg im Jahr 2004 waren keine Zuschauer zugelassen. Foto: imago-images

Absage, Verschiebung, Streichung, Saisonende? Viele Fragen bleiben derzeit im Sport unbeantwortet. Eigentlich lautet der Tenor in der Corona-Krise, dass Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abgesagt werden sollen, als Alternative könnten Begegnungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Am Samstag und Sonntag hieße das, falls die Clubs ihre Partien austragen, dass Preußen Münster im Abstiegskampf gegen den Halleschen FC, wenige Stunden später der USC Münster im letzten Hauptrundenspiel der Volleyball-Bundesliga gegen den SC Potsdam sowie am Sonntag die Basketballer der WWU Baskets gegen die Gießen 46ers Rackelos ohne Anhang im Einsatz wären, oder nur eine kleine Fan-Schar dabei wäre. Jede dieser Partien lockt im Normalfall deutlich über 1000 Besucher. Die Entscheidung obliegt nun an erster Stelle der Gesundheitsbehörde. Wie es weitergeht, könnte sich am Mittwoch zeigen.

Die Preußen gehen davon aus, dass die nächsten zwei oder drei Partien abgesagt werden. „Das ist meine Vermutung“, sagt Geschäftsführer Bernd Niewöhner . Gegen Halle und eine Woche später Unterhaching hat der SCP Heimrecht, dazwischen spielt der Drittligist am Dienstag bei Bayern München II. Der Verein stoppte jedenfalls den Vorverkauf für das Spiel gegen den HFC, 3400 Karten waren bislang insgesamt veräußert.

Niewöhner rechnet vor, dass ein Geisterspiel den Verein wohl 90 000 Euro kosten würde, fünf Heimpartien stehen noch aus. Montag kommt es beim DFB zur Managertagung, Vereine und Verband wollen eine griffige Strategie entwickeln. Dass das Frauen-Länderspiel am 11. April zwischen Deutschland und Irland in Münster stattfindet, scheint klar. Prognose hierfür: Es wird ein Geisterspiel.

Die WWU Baskets werden auch kurzfristig reagieren müssen. Manager Helge Stuckenholz sagt: „Wir warten die Anweisung der Liga ab.“ Tendenz: ein Playoff-Auftakt vor einer Mini-Kulisse.

Die Lage beim USC

Und der USC? Am Samstag wird es keine Zuschauer beim letzten Heimspiel in Berg Fidel geben. „Wir akzeptieren die Entscheidung der Landesregierung und des Krisenstabs in Münster“, so USC-Präsident Martin Gesigora. „Die Gesundheit der Menschen liegt uns bei allem sportlichen Ehrgeiz natürlich sehr am Herzen.“

Weitere Veranstalter bangen

Größere Frühjahrsveranstaltungen in der Region bangen ebenfalls, ob das mit der Ausrichtung klappt. Bei der Aasee-Regatta im Rudern (25./26. April) dürfte die Besucherzahl locker an beiden Tagen die 1000er-Marke überspringen. Und ein Besuchermagnet ist vom 8. bis 10. Mai auch der Auftakt der Techniker-Beachvolleyball-Tour auf dem Schlossplatz – hier könnten über drei Tage verteilt bis zu 30.000 Zuschauer das Spektakel verfolgen.

Fabian Wegmann, der ehemalige Profi ist Handlungsreisender in Sachen Radsport, kann zum Beispiel dem Sparkassen-Münsterland-Giro am 3. Oktober vorerst noch recht gelassen entgegenblicken. Die Voranmeldungen laufen, über 4000 Starter werden erwartet. Wegmann, der auch für den französischen Event- und Rennveranstalter ASO arbeitet, wusste aber zu berichten, dass der traditionsreiche Paris-Marathon vom 6. April auf den 18. Oktober am Dienstag verschoben wurde. Das Profirennen in Frankfurt am 1. Mai, hier ist er Renndirektor, ist gefährdet.

Der Volksbank-Münster-Marathon genießt als klassische September-Veranstaltung das Privileg, aktuell nicht infrage gestellt zu sein. Zum einen könnte die Corona-Epidemie bis dahin abgeflacht sein. Zum anderen hat der Veranstalter seit Jahren für den Fall der Fälle mit einer Ausfall-Versicherung vorgesorgt.

Durchaus spannend ist im derzeitigen Kontext die Terminierung des Sparda-Münster-City-Triathlons am 28. Juni. Über 1000 Athleten, mehrere Tausend Besucher – das passt ins Schema einer coronabedingten Absage. Aber wie gesagt, es bleibt noch Zeit bis Ende Juni.

Keine generellen Verfahrensanleitungen gibt der Stadtsportbund Münster an seine Mitgliedsvereine heraus. Vorsitzender Michael Schmitz verweist stattdessen an die Zuständigkeit der kommunalen Behörden.

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