Elektro-Rollstuhl-Hockey
Der Sport schenkt dem Kapitän der Hurricanes Bochum Lebenskraft

Warendorf -

Christian Homburg war anderthalb Jahre alt, als bei ihm die unheilbare Krankheit Muskeldystrophie Duchenne diagnostiziert wurde. Seit etwa 13 Jahren sitzt der heute 22-Jährige im Rollstuhl. Viele Möglichkeiten sportlich aktiv zu werden, gibt es für Homburg mit seiner Krankheit nicht. Und doch hat er einen Sport gefunden, dem er mit voller Leidenschaft nachgehen kann: Elektro-Rollstuhl-Hockey. In seinem Team ist der Warendorfer nicht nur Torwart, sondern auch Mannschaftskapitän.

Freitag, 19.10.2018, 05:00 Uhr aktualisiert: 20.10.2018, 14:07 Uhr
Seit seinem neunten Lebensjahr ist Christian Homburg an einen Rollstuhl gefesselt. Das hält ihn aber nicht davon ab, Sport zu machen. Beim Elektro-Rollstuhl-Hockey ist er Torhüter und spielt in der 2. Bundesliga.
Seit seinem neunten Lebensjahr ist Christian Homburg an einen Rollstuhl gefesselt. Das hält ihn aber nicht davon ab, Sport zu machen. Beim Elektro-Rollstuhl-Hockey ist er Torhüter und spielt in der 2. Bundesliga. Foto: Jonas Wiening

Wenn Christian Homburg von seinem Sport erzählt, ist er kaum zu bremsen. Die Leidenschaft steht ihm im Gesicht geschrieben, das Funkeln seiner Augen, wenn er sich an besondere Spiele und Momente zurückerinnert, ist kaum zu übersehen. Der 22-jährige Warendorfer würde am liebsten jeden Tag in der Halle sein und trainieren oder spielen.

Seit dem neunten Lebensjahr im Rollstuhl

Christian Homburg sitzt seit seinem neunten Lebensjahr im Rollstuhl – die unheilbare Krankheit Muskeldystrophie Duchenne, auch einfach als Muskelschwund bezeichnet, zwingt ihn dazu. So konnte er nie mit anderen Fußball oder Handball spielen. Doch das hinderte ihn nie daran Sport zu treiben.

Es war 2006 als Christian Homburg endgültig einen Rollstuhl brauchte. „Ohne ging es nicht mehr“, erinnert er sich. Seine Eltern fuhren nach Dortmund in ein Sanitätshaus – eine gute Entscheidung. Denn dort lernten sie Manuela Rahlf kennen, selbst Rollstuhlfahrerin und damals zugleich Vorsitzende der Hurricanes Bochum, einem Verein für Elektro-Rollstuhl-Hockey oder wie Christian Homburg lieber sagt: „Power-Chair-Hockey“. Die englische Variante klingt halt auch deutlich cooler.

Manuela Rahlf jedenfalls konnte Christians Eltern überzeugen, mit ihm beim Training vorbeizukommen. „Ich konnte ja sonst kaum eine Sportart mehr machen. Deshalb wollte ich das auf jeden Fall mal ausprobieren“, sagt der Rollstuhlfahrer, der heute weiß : „Das war definitiv die richtige Entscheidung.“

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Als Christian Homburg anfing, war er der Jüngste, denn beim E-Rolley-Hockey gibt es keine Einteilung in Altersklassen. Bei den Spielern selbst wird eine Klassifizierung vorgenommen. Die mit viel Kraft im Oberkörper und den Armen werden mit fünf Punkten bewertet, die komplett ohne Kraft mit einem Punkt. Beim Elektro-Rollstuhl-Hockey wird fünf gegen fünf gespielt. Jedes Team darf maximal mit Spielen auf dem Feld sein, die zusammen zwölf Punkte aufweisen. Christian Homburg begann damals mit drei Punkten, inzwischen allerdings hat er aufgrund seiner Krankheit an Kraft verloren, ist nur noch mit einem Punkt klassifiziert.

Freie Turniere zum Einstieg

„Am Anfang durfte ich immer bei Newcomer-Cups starten. Das sind freie Turniere, damit die neuen Spieler, wie ich damals einer war, auch mal zum Einsatz kommen“, erzählt der Warendorfer, der trotz seiner schweren Beeinträchtigung sein Abitur und eine Ausbildung gemacht hat. Aktuell arbeitet der 22-Jährige als Produktdesigner bei ThyssenKrupp in Beckum.

Nach den ersten Spielen im „Power-Chair-Hockey“ war Christian Homburg angefixt: „Es hat tierisch Spaß gemacht und ehrgeizig war ich sowieso schon immer.“ So wurde er mit der Zeit immer besser. 2010 – nach einem Umbruch in der Mannschaft, viele Spieler hörten aus diversen Gründen auf, entschied sich der Warendorfer endgültig Torwart zu werden. „Mein ehemaliger Kapitän Sebastian Uske animierte mich dazu. Er war wie ein Mentor für mich.“

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Damals spielte Christian mit seinen Hurricans Bochum in der dritten Bundesliga. Direkt im ersten Jahr nach dem großen Umbruch gelang die Meisterschaft – der Aufstieg in Liga zwei war perfekt. Und dort konnte sich das Team direkt etablieren. 2015/2016 spielten sie sogar so erfolgreich, dass es zur Vizemeisterschaft reichte. „Das war sensationell“, erinnert sich Christian Homburg zurück. Doch ein Jahr später folgte dann der Tiefschlag. Christians Mentor Sebastian Uske verstarb, mit nur 32 Jahren, völlig unerwartet. Ein Schock für die Mannschaft. „Trotzdem wollten wir nicht aufhören. Das wäre nicht in seinem Sinne gewesen“, ist sich Christian sicher. Der Abstieg zurück in Liga drei war trotzdem unvermeidbar.

Ein Jahr später sind die Hurricanes, jetzt mit Christian als neuem Teamkapitän, aber wieder zurück. Das Team hat sich von dem schrecklichen Verlust erholt und souverän die Meisterschaft in der dritten Bundesliga gewonnen. Ab sofort gehen Christian Homburg und seine Mitspieler wieder in der zweiten Liga auf Punktejagd: „Erstmal wollen wir uns dort wieder etablieren. Und dann gucken wir mal was die Zukunft bringt.“ So weit voraus will und kann Christian aber nicht gucken.

Zum Thema

Vom 26. bis 29. Oktober fährt Christian Homburg mit seinem Team zu einem internationalen Turnier nach Prag. Ein Höhepunkt im sportlichen Kalender für den Warendorfer und die Hurricanes Bochum. Ein kostspieliges Hobby – der Verein ist daher auf Sponsoren angewiesen. https://ehockey-bochum.de/

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