Fanclub-Vorsitzender sieht Tönnies-Rücktritt bei Schalke zwiespältig
„Man wird irgendwann mürbe“

Warendorf -

Clemens Tönnies ist nicht mehr Aufsichtsratschef von Schalke 04. Bernhard Ratermann, Vorsitzender des Warendorfer Fan-Clubs „Steh auf“ weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Er findet den Schritt einerseits richtig, steht aber auch nicht auf der Seite derer, die Tönnies schon lange weghaben wollten.

Mittwoch, 01.07.2020, 18:46 Uhr
Clemens Tönnies (Mitte), der zurückgetretene Schalke-Boss, war noch im März bei Bernhard Ratermann (2.v.l.) und dem Warendorfer Schalke-Fanclub „Steh auf“ zu Gast.
Clemens Tönnies (Mitte), der zurückgetretene Schalke-Boss, war noch im März bei Bernhard Ratermann (2.v.l.) und dem Warendorfer Schalke-Fanclub „Steh auf“ zu Gast. Foto: Andreas Engbert

Der Rücktritt von Clemens Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 trifft insbesondere in der Anhängerschaft des Vereins auf ein geteiltes Echo. Auf der einen Seite die, die den Schritt angesichts der jüngsten Skandale um das Afrika-Zitat und die Corona-Infektionen im Fleischbetrieb des Unternehmers für längst überfällig halten – zuletzt hatten über 1000 Fans sogar dafür demonstriert. Auf der anderen Seite diejenigen, die den Abgang bedauern.

Rückzug war für Ratermann erwartbar

Bei Bernhard Ratermann, dem 1. Vorsitzenden des Schalke-Fanclubs „Steh auf Warendorf-Freckenhorst“, ist die Position merklich differenziert. Den langjährigen Schalke-Chef, der seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender und gleichzeitig Sponsor war, will er nicht für alles allein verantwortlich machen, was beim Bundesligisten oder in der Fleischindustrie schief gelaufen ist. Alles gut zu heißen liegt ihm aber genauso fern.

Ganz nüchtern hält er zunächst fest, dass der Rückzug erwartbar war. „Das war abzusehen. Der Druck, der da von außen kam, hat sich immer mehr aufgebaut. Dem konnte er nicht standhalten“, sagt Ratermann, der mit sich ringt, was er davon halten soll.

Tönnies nicht für alles verantwortlich zu machen, was schlecht läuft

„Persönlich finde ich es etwas schade. Ich habe Herrn Tönnies verschiedentlich erlebt. Er hatte klare Vorstellungen, hat Dinge verbindlich gesagt. Das hat mir gut gefallen“, gesteht Ratermann, der Tönnies zuletzt auch bei der Jahreshauptversammlung wiedergewählt hat. „Er tut mir in gewisser Weise Leid. Auf der anderen Seite fragen sich gerade jetzt zu Corona-Zeiten natürlich viele, ob man Fußball so als Millionengeschäft betreiben muss und auf der anderen Seite. . .“ – da unterbricht sich Ratermann kurz und sagt dann: „Er hätte sicher mehr in der Verantwortung stehen müssen für seine Mitarbeiter.“

Verbraucher tragen auch Schuld an Situation im Fleischgewerbe

Diese Verantwortung für die Produktionsbedingungen von Fleisch wiederum will er Tönnies nicht allein aufbürden. „Wir als Verbraucher haben da auch mitgemacht, nehmen günstige Preise gerne mit. Und wenn dann ans Licht kommt, was wir alle eigentlich schon wissen, dann schreien wir.“

Nichtsdestotrotz: Dass Tönnies nun den Schnitt gemacht hat, hält Ratermann grundsätzlich für gut. „Man wird irgendwann auch mürbe“, sagt er mit Verweis darauf, dass der Aufsichtsratsvorsitzende noch im vergangenen Herbst im Fokus der Öffentlichkeit stand. Damals hatte er als Redner beim Tag des Handwerks in Paderborn mit als rassistisch zu wertenden Äußerungen gegenüber Afrikanern für Aufsehen gesorgt und hatte in der Folge dann sein Amt schon für drei Monate ruhen lassen.

Schalke drücken hohe Schulden

Was der endgültige Rücktritt nun für „seinen“ Verein bedeutet, weiß Ratermann auch noch nicht so genau. Den Bundesligisten drücken nach Medienberichten Schulden in Höhe von rund 200 Millionen. Eine Landesbürgschaft in Höhe von 40 Millionen und eine künftige Gehaltsobergrenze für die Profis bei 2,5 Millionen Euro sollen aus der Krise helfen. Letzteres findet Ratermann vernünftig. „Das kann ein Mittel sein, um das Ganze in den Griff zu bekommen.“

Ob der Rücktritt auch das Sponsoring des Unternehmers betrifft, ist dagegen noch nicht klar. „Einen solchen Sponsor in der Hinterhand zu haben, ist immer gut. Aber immer zu wissen: Zur Not gibt es da noch einen – das kann es auch nicht sein“, meint Ratermann und sieht die Sache auch beim Geld zwiespältig.

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