Rassismus
Leichtathlet Dennis Biederbick: „Auf einer anderen Bühne als dem Sport wird man erschossen“

Ahlen/Frankfurt -

Dennis Biederbick ist einer der besten 800-Meter-Läufer Deutschlands. Seine Welt aber besteht längst nicht nur aus Sport. Der 23-Jährige macht sich viele Gedanken über den Menschen und die Gesellschaft. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit Rassismus und wofür er alte Milchkartons umfunktioniert. Von Cedric Gebhardt
Samstag, 30.01.2021, 10:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 30.01.2021, 10:00 Uhr
Öffnet die Augen und hinterfragt zunehmend, was in der Welt geschieht: Eintracht Frankfurts 800-Meter-Läufer Dennis Biederbick.
Öffnet die Augen und hinterfragt zunehmend, was in der Welt geschieht: Eintracht Frankfurts 800-Meter-Läufer Dennis Biederbick. Foto: Lukas Abele

Dennis Biederbick ist 23 Jahre alt und einer der besten 800-Meter-Läufer in Deutschland. Aber darum soll es in diesem Interview nicht gehen. Biederbick ist gebürtiger Ahlener und startet für Eintracht Frankfurt. Er ist der Sohn einer Kenianerin und eines Deutschen. Biederbick ist schwarz. Dass die Hautfarbe im Jahr 2021 mitunter immer noch eine Rolle spielt, sagt viel aus über die Gesellschaft und den Menschen. Die strukturelle Benachteiligung von Schwarzen in den USA, die dortige Polizeigewalt, aber auch Vorurteile und Anfeindungen im Alltag in Deutschland. Eigentlich wollte unser Redakteur Cedric Gebhardt mit Dennis Biederbick – der selbst eine Ausbildung zum Polizei-Kommissar absolviert – in erster Linie über Rassismus reden. Doch er erlebt einen sehr reflektierten und aufgeschlossenen Gesprächspartner. Und so geht ihr Gespräch über das ursprüngliche Thema hinaus. Es wird ein Ritt durch die drängenden Themen unserer Zeit.

Herr Biederbick, hat Sie Ihre Hautfarbe in Ihrem Leben jemals zur Zielscheibe gemacht?

Biederbick: Ich bin bislang von Anfeindungen verschont geblieben und habe im Sport oder im Privatleben glücklicherweise keine Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Jedenfalls keine direkten.

Was heißt das?

Biederbick: Ich kann zwei Beispiele nennen, in denen ich eine rassistische Einstellung mir gegenüber nicht belegen kann. Es ist eher eine Ahnung, ein Verdacht. Zu Heiligabend 2019 waren mein Bruder und ich für ein Weihnachtskonzert in einer Kirche in der Ahlener Umgebung. Es war nicht unsere eigentliche Gemeinde. Wir haben in einer der hinteren Reihen Platz genommen. Schon nach kurzer Zeit haben wir richtig gemerkt, dass wir unerwünscht sind. Eine halbe Stunde haben wir es ausgehalten, dann war die Stimmung so unangenehm für uns, dass wir vorzeitig gegangen sind. Manchmal sind es die Blicke, manchmal die Art und Weise, wie Personen mit mir reden, wie sie sich mir gegenüber verhalten, die mich an einen rassistischen Kern in diesen Menschen glauben lassen. Wie gesagt, es gibt keinen direkten Beleg. Es ist eher ein Gefühl, verachtet zu werden, weil man schwarz ist.

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