Fußball: Ex-Bundesliga-Spieler verstorben
Rekordspieler und feiner Mensch: Preußen Münster trauert um Falk Dörr

Telgte -

Mit dem ersten Bundesliga-Tor für Preußen Münster 1963 und seiner langjährigen Treue zum Club von der Hammer Straße hat Falk Dörr ein Stück SCP-Geschichte geschrieben. Weggefährten bleibt er aber vor allem als feiner Mensch in Erinnerung. Der Telgter ist jetzt im Alter von 79 Jahren verstorben.

Samstag, 20.02.2021, 08:03 Uhr aktualisiert: 20.02.2021, 12:07 Uhr
Die Startformation von Preußen Münster im ersten Bundesliga-Spiel 1963 gegen den Hamburger SV mit dem späteren Torschützen Falk Dörr (6.v.l.).
Die Startformation von Preußen Münster im ersten Bundesliga-Spiel 1963 gegen den Hamburger SV mit dem späteren Torschützen Falk Dörr (6.v.l.). Foto: Witters

Kann man sich ja heute gar nicht mehr vorstellen: 38 000 Zuschauer drängeln sich bei Dauerregen in einem heillos überfüllten Preußen-Stadion bis auf die Laufbahn. Zu Gast in Münster ist der Hamburger SV mit Uwe Seeler . Allein Horst Schnoor verhindert im ersten Spiel beider Teams in der neu gegründeten Fußball-Bundesliga einen Sieg der Gastgeber. Nur einer kann den überragenden HSV-Torwart an diesem 24. August 1963 überwinden: Falk Dörr , damals 22, trifft in der 70. Minute zum 1:0. Charly Dörfel gleicht später noch aus, das Premieren-Match endet 1:1.

Dörr hat ein Stück Preußen-Geschichte geschrieben. Mit dem ersten Bundesliga-Tor – und mit seiner langjährigen Treue zum Club von der Hammer Straße – hat sich der Telgter in den Statistiken verewigt. Weggefährten bleibt er aber vor allem als feiner Mensch in Erinnerung. Mit wem man auch über diesen Mann spricht, jeder rühmt seinen tadellosen Charakter. Jetzt ist Falk Dörr im Alter von 79 Jahren unerwartet verstorben.

Rekordspieler in der Regionalliga

Bei den Preußen hatte er 1959 direkt den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft unter Trainer Kuno Klötzer geschafft. Er trug das Trikot mit dem Adler auf der Brust bis zum Karriereende 1973. In dem einzigen Bundesliga-Jahr des deutschen Vizemeisters von 1951 blieb es für Dörr bei dem einen Tor. Wegen der Folgen eines Muskelrisses im Oberschenkel kam er in der Saison 1963/64 nur auf sieben Einsätze.

Mit dem SCP kickte der Mittelfeldspieler nach dem direkten Bundesliga-Abstieg ab 1964 in der Regionalliga West. Er wird als Preußens Rekordspieler in dieser Klasse geführt. Die Regionalliga ist heute die vierte Liga, in jener Zeit war es die zweithöchste. Als sich Dörr 1973 vom SCP verabschiedete, hatte er 335 Meisterschaftsspiele bestritten und 51 Tore erzielt.

Spiele in Hongkong und Neuseeland

Begeistert erzählte er noch Jahrzehnte später von den Freundschaftsspielen mit Münsters Fußballern in Südamerika 1962, in den USA 1963 und von der Weltreise 1964 mit Auftritten unter anderem in Hongkong, Neuseeland und auf den Fidschi-Inseln.

1966 war er mit seiner Frau Monica von Münster nach Telgte gezogen. Als Fußballer war Dörr kein Profi, sondern Vertragsspieler. Auch seinem Arbeitgeber, einer Bank, blieb der Bankkaufmann zeit seines Berufslebens treu.

Falk Dörr hat nicht nur seinen unermesslichen Schatz an Fußballerfahrung weitergegeben, sondern auch Werte.

Ulrich Winckler, Vorsitzender SG Telgte

Auch dem Fußball blieb er erhalten – von 1973 bis 1977 als Spielertrainer des ASC Schöppingen. Den späteren Oberligisten führte er in die Bezirksliga und in die Landesliga. Es folgten Stationen als Coach bis zur Landesliga unter anderem in Horstmar, Borghorst und Ochtrup. Nach dem Ende der höherklassigen Trainer-Laufbahn coachte er noch die zweite Mannschaft der SG Telgte, in der sein Sohn Arne spielte.

Auch bei der SG hat er Eindruck hinterlassen. „Falk Dörr war bodenständig und unheimlich bescheiden. Er hat nicht nur seinen unermesslichen Schatz an Fußballerfahrung weitergegeben, sondern auch Werte“, sagt der SG-Vorsitzende Ulrich Winckler.

Seinem Verein Preußen Münster ist Falk Dörr immer eng verbunden geblieben.

Seinem Verein Preußen Münster ist Falk Dörr immer eng verbunden geblieben. Foto: Ralf Aumüller

Die beiden Enkelsöhne von Falk Dörr kicken in der SG-Jugend. Beim Training und bei den Spielen war ihr Großvater immer dabei, wenn es eben ging. Dafür ließ er dann auch mal ein Heimspiel der Preußen sausen. Die Bindung zum SCP hat er aber nie verloren. Mitspieler aus den 60-er Jahren sind enge Freunde geworden.

Er hat Wandern geliebt und Skifahren. Mit Tennis, Radfahren und Walking hat er sich fit gehalten. Umso überraschender hat Falk Dörr jetzt einen Herzinfarkt erlitten, an dessen Folgen er gestorben ist.

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