Fußball: Reiner Tenbrink erlebte mit TuS Ahlen schon 1970 ein Kuriosum
Der (wenig legendäre) Pfostenbruch von Paderborn

Ahlen -

Der „Torfall von Madrid“ und der „Pfostenbruch vom Bökelberg“? Für Reiner Tenbrink und TuS Ahlen waren das nur Wiederholungen ihrer eigenen Geschichte. Denn schon 1970 – also sogar ein halbes Jahr vor dem mittlerweile legendären Ereignis in der Bundesliga zwischen Gladbach und Bremen – erlebten sie einen ganz ähnlichen Fall in der Verbandsliga. Er ging nur halbwegs gut für sie aus.

Mittwoch, 07.04.2021, 05:55 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 06:01 Uhr
Pfostenbruch am 3. April 1971 im Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen: Ordner schauen in aller Seelenruhe zu, wie Bremer Spieler versuchen, das Tor wieder aufzurichten.
Pfostenbruch am 3. April 1971 im Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen: Ordner schauen in aller Seelenruhe zu, wie Bremer Spieler versuchen, das Tor wieder aufzurichten. Foto: IMAGO/Sven Simon

Den nicht mehr ganz so Jungen wird der „Torfall von Madrid“ wohl ewig im Gedächtnis bleiben. Damals – 1998 – hatten vor der Champions-League-Partie zwischen Real Madrid und Titelverteidiger Borussia Dortmund ein paar übermotivierte Madrider Fans den Schutzzaun umknicken lassen – und das daran befestigte Tor gleich mit. Die Not war groß, Ersatz musste vom Trainingsplatz herbeigeschafft werden. Die humorige Live-Kommentierung im deutschen Fernsehen durch Marcel Reif und Günther Jauch wurde später sogar mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Bökelberg-Posse in Paderborn schon vorweggenommen

Ein ähnlicher Fall aus der Bundesliga, an den sich die noch etwas weniger Jungen sicher erinnern, hat sich gerade zum 50. Mal gejährt. Am 3. April 1971 standen sich Meister Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen gegenüber, als kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 das Tor fiel – im wortwörtlichen Sinne. Als „Pfostenbruch vom Bökelberg“ ging das Ereignis in die Fußball-Geschichte ein und wird seitdem immer wieder als Ereignis genannt, warum sich die bis dahin nur vereinzelt im Einsatz befindlichen Aluminium-Tore durchsetzten.

Tenbrink Doppeltorschütze vor 2000 Zuschauern

Ein halbes Jahr vorher hätten der Ahlener Reiner Tenbrink und seine Mannschaftskollegen schon bestätigen können, dass das nicht die schlechteste Idee ist. Denn Tenbrink hatte bereits am 25. Oktober 1970 „Vergleichbares im kleineren Rahmen“ erlebt, wie er bescheiden sagt. Der damalige Fußballer von TuS Ahlen spielte an besagtem Sonntag in der Verbandsliga Westfalen beim FC Paderborn (heute SC Paderborn). Persönlich muss es für ihn keine schlechte Partie gewesen sein. Schließlich trug er sich vor 2000 Zuschauern beim 2:2 als Doppeltorschütze ein. Deshalb ist ihm das Spiel aber nicht bis heute in Erinnerung geblieben.

Halbstündige Unterbrechung führt nicht zu Spielabbruch

„In der 65. Minute brach bei einem Gerangel vor dem Tor des FC Paderborn ein Pfosten“, berichtet Tenbrink. Anders als die Gladbacher gegen Bremen (1:1) führten die Hausherren zu diesem Zeitpunkt allerdings mit 2:1 und waren daher „hektisch bemüht, den Pfosten wieder ordnungsgemäß herzurichten“, so Tenbrink. „Unsere Mannschaft hingegen hoffte auf einen Spielabbruch und demzufolge eine Wertung zu unseren Gunsten.“

Die Teams wurden zunächst in die Kabinen geschickt und warteten dort auf die Entscheidung des Schiedsrichters. Der ließ zum Missfallen des TuS nach einer halben Stunde und trotz einbrechender Dunkelheit weiterspielen, obwohl es damals hieß, dass eine Unterbrechung längstens für 15 Minuten erlaubt sei.

TuS Ahlen gelingt noch der Ausgleich – mehr aber nicht

Trotzdem war die Fortsetzung nicht komplett zum Schaden der Ahlener. Denn anstatt auf eine Entscheidung am grünen Tisch hoffen zu müssen, fiel diese auf dem Platz. „Unsere Mannschaft drängte nun mit aller Macht auf den Ausgleich, während die Gastgeber fortan bemüht waren, nicht nur diesen zu verhindern, sondern auch den lädierten Torpfosten zu schützen“, erinnert sich Reiner Tenbrink.

Es half den Paderbornern jedoch nur bedingt. Das ursprüngliche 1:0 hatte Tenbrink bereits in der 37. Minute per Elfmeter erzielt, das 2:2 besorgte der Ahlener (66.) mit einem Freistoß. Später hatte er sogar noch Möglichkeiten zum Siegtreffer. Der jedoch fiel nicht mehr, anders als zuvor das Tor als Ganzes. Mit dem Unentschieden waren die Ahlener schlechter gestellt als später Werder Bremen in der Bundesliga. Denn da wurde die Partie mit 2:0 für die Gäste gewertet. Eine gute Geschichte ist der Pfostenbruch von Paderborn aber auch noch 50 Jahre später, genau wie der legendäre Nachfolger ein halbes Jahr später.

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