Team Tolksdorf startet in die Autocross-Saison 2016
Kontaktsport auf vier Rädern

Westerkappeln-Velpe -

Jan Tolksdorf und Niklas Lang werden an diesem Wochenende wieder eine Menge Staub aufwirbel. Angesichts der Wetterprognosen kann der Ausflug ins Emsland auch zur Schlammschlacht werden. Egal, wer um die Meisterschaft mitfahren will, darf beim Autocross nicht zimperlich sein. Das ist Kontaktsport auf vier Rädern.

Freitag, 22.04.2016, 18:04 Uhr

Benzin im Blut: Niklas Lang (links) und Jan Tolksdorf starten an diesem Wochenende in die neue Autocross-Saison. Beide wollen in ihren Klassen ganz vorne mitfahren.
Benzin im Blut: Niklas Lang (links) und Jan Tolksdorf starten an diesem Wochenende in die neue Autocross-Saison. Beide wollen in ihren Klassen ganz vorne mitfahren. Foto: Frank Klausmeyer

Jan Tolksdorf und Niklas Lang werden an diesem Wochenende wieder eine Menge Staub aufwirbeln. Angesichts der Wetterprognosen kann der Ausflug ins Emsland aber auch zur Schlammschlacht werden. Egal! Wer um die Meisterschaft mitfahren will, darf beim Autocross nicht zimperlich sein. Die beiden jungen Männer aus Velpe haben sich für die heute beginnende Saison jedenfalls eine Menge vorgenommen.

Es geht nach Hardingen direkt an der holländischen Grenze. Dort wird der erste Lauf zur Nord-West-Deutschen Autocross-Meisterschaft 2016 ausgetragen. Vergangenes Jahr hat Jan Tolksdorf in dieser Serie die Vizemeisterschaft geholt. Auch in der Westdeutschen Meisterschaft und der Deutschen Meisterschaft war er ziemlich vorne mit dabei. Seine Saisonziele klingen daher ganz unbescheiden. „Dieses Jahr möchte ich alle drei Titel holen.“

Niklas Lang, seit Kindergartentagen am Hollenbergs Hügel eng mit Jan befreundet, peilt in seiner Klasse den ersten Platz bei der Westdeutschen Meisterschaft an, in den beiden anderen Serien möchte er am Ende unter den ersten drei bis sechs Fahrern stehen.

Rund 20 Rennwochenenden stehen den Velper Jungs bevor. In einer Scheune auf dem elterlichen Hof an der Hagelstraße hat das Team Tolksdorf seine Werkstatt. Beide Autos sind so gut wie startklar. „Nur noch ein paar Kleinigkeiten wie die Spur einstellen, dann kann es losgehen“, sagt Jan Tolksdorf. Der 22-Jährige ist Landschaftsgärtner, das Schrauben am Auto hat er aber von der Pike auf gelernt. „Das liegt bei uns in der Familie.“ Vater Josef und Onkel Norbert sind früher selbst lange Autocross gefahren.

  Foto: privat

Schon mit 14 Jahren saß er hinter dem Lenkrad eines Opel Corsa A, damals noch ohne Führerschein. Heute fährt er das Nachfolgermodell, das nur auf den ersten Blick etwas mit einem Serienfahrzeug zu tun hat: 90 PS leistet der Motor unter der nur durch vier einfache Splinte gesicherten Haube, damit diese schnell und am Stück beiseite gelegt werden kann. Der Innenraum ist bis auf den Schalensitz, das Armaturenbrett und das Schaltgestänge ausgeschlachtet. Das Fahrgestell wurde um-, Überrollbügel eingebaut. Statt Windschutzscheibe schaut Tolksdorf durch ein Fenstergitter.

Das Kühlsystem ist von vorne nach hinten ins Auto gewandert – wegen des Drecks und möglicher Crashs. Und im Kofferraum hat der 22-Jährige einen unscheinbaren Alubehälter montiert. „Das ist der Tank“, erläutert der Rennpilot. Nur acht Liter Sprit passen da hinein. „Das reicht für eine Viertelstunde.“ – Rennwagen sind keine Ökoautos

Die Pneus ähneln grob­stolligen Winterrädern, tatsächlich sind es aber Spezialreifen. „Es gibt viele verschiedene Profile für verschiedene Untergründe und Strecken. Für den Straßenverkehr sind die nicht zugelassen“, betont Tolksdorf schmunzelnd.

Das gilt bei Niklas Langs Wagen nicht nur für die Reifen oder andere Extras. Er fährt einen Buggy, in dessen Heck der getunte Antrieb einer Kawasaki Ninja schlummert. Auf Knopfdruck wummert der Motorradmotor los und heult bei etwas Gas richtig auf. Nur 408 Kilogramm bringt der Flitzer auf die Waage. Zur Höchstgeschwindigkeit kann der 22-Jährige jedoch wenig sagen. Beim Cross durch enge Kurven, Staub und Matsch werden die Autos so gut wie nie ausgefahren.

Niklas Lang fährt jetzt seine fünfte Saison. Den Buggy hat er gebraucht übernommen. „In der Regel kauft man nur den Grundrahmen. Motor, Getriebe und so weiter passt man an“, berichtet der Maler und Lackierer. Zum Autocross ist er – wie sollte es andres sein – durch seinen Kumpel Jan gekommen.

Team Tolksdorf startet in die Autocross-Saison 2016

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  • Der Buggy von Niklas Lang ist mit 225 PS unterwegs.

    Foto: privat
  • Grober Stollen: Für jeden Untergrund gibt es beim Autocross das passende Reifenprofil.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Das Kühlsystem ist beim Opel Corsa von Jan Tolksdorf ins Heck gerutscht. Darunter wurde der kleine Tank montiert.

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  • Staublicht- und Bremslichter – mehr Beleuchtung brauchen die Rennwagen beim Autocross nicht.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Jan Tolksdorfs Startnummer: Die 1 steht für die Rennklasse, 2 und 3 hat er sich selbst ausgesucht.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Bis auf den Schalensitz, Lenkrad, Armaturenbrett und Schaltgestänge hat Jan Tolksdorf den Innenraum seines Corsa ausgeschlachtet.

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  • Ein Käfig mit Überrollbügel schützt Niklas Lang im Rennen.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • In der neuen Saison will das Team Tolksdorf ganz vorne mitfahren. Foto: Frank Klausmeyer
  • In der neuen Saison will das Team Tolksdorf ganz vorne mitfahren. Foto: Frank Klausmeyer
  • Niklas Lang fährt in der Klasse 10 mit der Startnummer 10.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Der Heckflügel soll dem Buggy Anpressdruck verleihen.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Hinter dem Kühler sitzt ein 225 PS starker Motor einer Kawasaki Ninja.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Jan Tolksdorf gibt Gummi.

    Foto: privat

Als Team Tolksdorf werden die beiden häufig von Freunden aus der Clique begleitet. „Manchmal sind wir zehn Leute, manchmal fahren aber auch nur Niklas und ich los“, sagt Jan. Die beiden Rennwagen werden mit einem breiten Anhänger zur Strecke verfrachtet. Zwei Kleintransporter dienen als Werkstatt, Ersatzteilager, Schlafkabine und Küche.

Kein Heimrennen

Auch in diesem Jahr müssen Jan Tolksdorf und Niklas Lang auf ihr Heimrennen verzichten. Über 40 Jahre hat ihr Verein – der Auto-Touren-Club (ATC) Osnabrück – in Tecklenburg-Ledde auf dem Danebrock-Ring Crossrennen veranstaltet. Doch wie bereits im vergangenen Jahr steht das Gelände nicht mehr zur Verfügung. Der Club verhandele deshalb mit einem anderen Grundstückseigentümer. „Fürs nächste Jahr sieht es ganz gut aus“, sagt Jan Tolksdorf.

...

Meist geht es freitags los, samstags stehen freies Training, die Fahrzeugabnahmen und Cup-Läufe an. „Die gehen nicht in die Wertung, es gibt aber auch Preise und ein bisschen mehr Geld“, betont Tolksdorf. Sonntags sind die Fahrer in ihrer jeweiligen Klasse – 14 gibt es insgesamt – bei drei Wertungsrennen am Start, die jeweils fünf besten messen sich noch einmal im Finale.

Rennsport, wie Lang und er ihn betreiben, ist ein zeitaufwendiges und kostenträchtiges Hobby. Ein paar kleine Sponsoren machen ihnen das Leben leichter. „Wenn man vorne mitfährt, kann man wegen der Preisgelder am Ende Plus-Minus-Null herauskommen“, erzählt Tolksdorf.

Der Wagen ist das Kapital. „Wir versuchen schon, den heile nach Hause zu bringen.“ Beulen aber bleiben nicht aus. „Autocross ist ein Kontaktsport. Wir fahren aber kein Stockcar“, stellt der 22-Jährige klar, dass Begegnungen Blech auf Blech möglichst gemieden werden.

Spektakuläre Dreher und Abflüge gibt es dennoch. Gelegentlich stehen Wagen sogar in Flammen. Die Zuschauer lieben diese Action mehr als die Fahrer. Jan und Niklas haben auch schon Überschläge hinter sich. Aber die Angst fährt bei den beiden nie mit. „Die Autos sind so sicher gebaut, da passiert weniger als beim Fußball.“

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