Sportwelt
Geher Linke: «Immer komisch», diese Russen

Sonntag, 28.08.2011, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 28.08.2011, 00:00 Uhr

Daegu - Im Ziel bekreuzigte sich Waleri Borchin und fiel dann seinem Landsmann Wladimir Kanajkin um den Hals. «Ein russischer Spruch sagt: Wenn man nichts riskiert, kann man am Ende keinen Champagner trinken», sagte der Weltmeister nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung über 20-km-Gehen. Mit zwei Verwarnungen war der 24 Jahre alte Olympiasieger ins Ziel gekommen. Am Ende hatte Borchin in 1:19:56 Stunden eine halbe Minute Vorsprung auf Weltrekordler Kanajkin (1:20:27). Bronze sicherte sich überraschend Luis Fernando Lopez . «Ich bin glücklich, weil es die erste WM-Medaille überhaupt für Kolumbien ist», jubelte der Südamerikaner. «Nur Gott hat gewusst, für was das Training gut war und wozu ich fähig war.» Die beiden überragenden Russen werden in der Szene kritisch beäugt: Borchins Olympiasieg 2008 war von Dopinggerüchten überschattet, sein Trainingskollege Kanajkin positiv auf EPO getestet, von den Sommerspielen ausgeschlossen und für zwei Jahre gesperrt worden. «Ich kenne kaum Geher , die über 10 Kilometer so schnell sind», meinte der Potsdamer Christopher Linke , der als einziger deutscher Starter auf Rang 21 landete, über die überlegenen Russen. «Das ist immer komisch. Die kommen zurück und sind genauso gut wie vorher. Dazu sage ich lieber nichts.» Im vergangenen Jahr fehlte Borchin verletzungsbedingt, jetzt setzte er seine Siegesserie fort, stöhnte aber: «Das Rennen war wirklich schwer, weil es heute sehr heiß war. Die Luftfeuchtigkeit war höher als erwartet.» Erst nach knapp 15 Kilometern machte Borchin ernst, der zeitweise führende Italiener Giorgio Rubino wurde disqualifiziert. «Mein Trainer hatte gesagt: Du musst dir das vorstellen wie eine Dampfsauna ohne Dampf», erklärte Linke die Bedingungen. «Es war aber nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte.» Er verpasste bei seiner WM-Premiere in 1:24:17 Stunden den angepeilten Platz unter den besten 15. «Nach sechs Kilometern haben die Russen, Chinesen und Japaner Ernst gemacht und die Gruppe auseinandergerissen. Ich habe taktische Fehler gemacht, als ich nach acht Kilometer versucht habe, eine Lücke zu schließen. Nach zwölf Kilometern habe ich dann gemerkt, dass ich mich übernommen habe.» Wenn sich der 22-Jährige in den nächsten Tagen einigermaßen erholt, will er Samstag noch die 50 Kilometer angehen.

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