Sportwelt
Erleichterung statt Euphorie - Bonn bescheiden

Donnerstag, 20.10.2011, 00:10 Uhr

Bonn - Wenn die EWE Baskets Oldenburg zum bislang ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer in den Bonner Telekom Dome kommen, dann werden bei den Gastgebern wieder dunkle Erinnerungen wach. 2009 standen die Telekom Baskets Bonn in Oldenburg kurz vor dem Gewinn ihrer ersten deutschen Meisterschaft, ehe sie im fünften und entscheidenden Spiel der Finalserie den Sieg in den Schlusssekunden einfach wegwarfen. Für viele Anhänger der Rheinländer ist jener 25. Juni 2009 nach wie vor einer der bittersten Momente der Vereinsgeschichte, Bonns Trainer Michael Koch sieht das anders. «Natürlich hat die Niederlage damals verdammt wehgetan», räumte auch Koch ein. Doch den Coach schmerzt die vergangene Saison sehr viel mehr. Als 13. beendete der fünfmalige Vizemeister die Spielzeit 2010/11, verpasste mit dem schlechtesten Abschneiden der Club-Historie erst zum zweiten Mal überhaupt die Playoffs. Das gesamte Basketball-Konzept in Bonn geriet ins Wanken, «weil wir uns am Ende nicht mehr gewehrt haben», wie Koch im Rückblick schonungslos anmerkt. «Wir waren maßlos enttäuscht und restlos bedient», fügte Bonns Sportmanager Andreas Boettcher hinzu. Doch anstatt den Trainer danach in die Wüste zu schicken, statteten die Bonner Koch mit einem neuen Vertrag über gleich zwei Jahre aus. «Mike hat uns ein schlüssiges Konzept präsentiert. Außerdem hatte er sich mit seinen Verdiensten diesen Neuanfang verdient», erklärte Boettcher. Und die Geduld der Verantwortlichen scheint sich auszuzahlen. Nach vier Spieltagen thronen die runderneuerten Bonner Baskets ungeschlagen an der Tabellenspitze, versöhnen mit starken Leistungen ihre Fans. Dennoch hebt in der ehemaligen Bundeshauptstadt niemand ab. «Statt Euphorie ist eher so etwas wie Erleichterung zu spüren», hat Koch festgestellt. «Mit Wind in den Segeln. Kein Blick mehr zurück» - unter diesem Motto, begleitet von Musik aus dem Film Fluch der Karibik, empfingen die Anhänger ihr neues Team beim Saisonauftakt gegen den FC Bayern München - und die Mannschaft wird den Vorschusslorbeeren bislang gerecht. Statt auf amerikanischen Individualismus hat Koch bei der Auswahl der neuen Spieler auf europäischen Teamspirit gesetzt. Der Plan des Trainers scheint aufzugehen. Die beiden Litauer Simonas Serapinas und Benas Veikalas entpuppen sich bislang ebenso als Verstärkung wie der Kroate Zvonko Buljan. Ganz ohne US-Boy geht es aber auch nicht. Kopf des Teams ist Spielmacher Jared Jordan, der bereits in der Saison 2009/10 erfolgreich am Rhein Regie führte. Anders als sein Vorgänger Nic Wise sieht Jordan seine Aufgabe darin, seine Mitspieler in Szene zu setzen, anstatt ständig selbst zum Korb zu ziehen. «Er macht jeden Spieler besser», lobt Koch seinen Aufbauspieler. Mit diesem Teambasketball wollen die Bonner am 22. Oktober auch die starken Oldenburger in die Knie zwingen - und damit die eigenen Fans zumindest zum Teil von ihrem Trauma befreien.

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